Ausgebüchst: China-Raupe weiter auf dem Vormarsch!

Aus aktuellem Anlass (Artikel in der Rheinischen Post) hier noch mal ein aufgefrischter Text den wir im Original schon mal im Kiebitz  Kiebitz Nr. 82 – 3/08 abgedruckt hatten.

Buchsbaumzünsler: Helle Form (Foto: Armin Dahl)

Buchsbaumzünsler: Dunkle Form (Foto: Armin Dahl)

Buchsbaumzünsler: Dunkle Form (Foto: Armin Dahl)

Ein kleiner Schmetterling, der Buchsbaumzünsler Cydalima perspectalis (Synonym: Glyphodes perspectalis), ist vor kurzem aus Ostasien eingeschleppt worden. Die rasante Ausbreitung ist in vollem Gang, die Bekämpfung schwierig.

Niedrige Formhecken als Windschutz um die Beete, kugelige Büsche als Hochstamm im Topf – der Buchsbaum gehört zum Bild des typischen Kloster- und Bauerngartens dazu. Insbesondere „in katholischen Gegenden“ wird die Pflanze seit Jahrhunderten als wichtige Brauchtumspflanze gehegt (kleine Zweiglein an den Kirchenbänken, größerer Einsatz an „Palmsonntag“).

Buxus sempervirens, der Buchsbaum, ist als Garten- und Friedhofspflanze überall verbreitet. Natürliche Vorkommen in Deutschland gibt es nur ganz im Süden und Westen: Bekannt ist das Naturschutzgebiet „Buchswald bei Grenzach“ in der Nähe von Basel, auch an einigen Stellen an den Hängen des Moseltals gibt es uralte Buchsbäume. Über Gartenabfälle gibt es allerdings auch anderswo immer mal wieder einzelne verwilderte Buchsbüsche. Südlich der Alpen dagegen ist der Buchsbaum von Nordspanien bis Griechenland eine weit verbreitete Pflanzenart.

Buchs wird in großem Stil vermehrt und international als Massenware für Pfennigsbeträge gehandelt. Aber das könnte sich bald ändern: Ein aus Asien eingeschleppter Kleinschmetterling, der Buchsbaumzünsler Cydalima perspectalis, wurde im April 2007 erstmals in Europa nachgewiesen, in Weil am Rhein. Im Sommer 2008 hatte die Art am südlichen Oberrhein schon größere Regionen befallen und hat sich seither weiter ausgebreitet. Mittlerweile gibt es etliche Meldungen auch aus Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen und Noord-Brabant in den Niederlanden.

Woran erkennt man den Befall? Die Raupen des Buchsbaumzünslers verursachen starke Fraßschäden an den Pflanzen, überziehen dabei den Busch mit dünnen Gespinstfäden, ähnlich wie die alljährlich auftretenden einheimischen Gespinstmotten. Der Befall wird meist zu spät entdeckt, denn anscheinend arbeiten sich die Tiere von innen nach außen vor, so dass die Pflanze häufig schon zerstört ist, bevor der Schaden an den Blättern sichtbar wird.

Befallsspuren:Gespinst mit trockenen Kotbällchen der Raupen (Foto: Armnin Dahl

Befallsspuren:Gespinst mit trockenen Kotbällchen der Raupen (Foto: Armnin Dahl

Die sogenannten „China-Raupen“ sind auffallend gelb-grün-schwarz-gestreift, können bis zu fünf Zentimeter lang werden und beginnen schon im zeitigen Frühjahr zu fressen. Jede Larve frisst bis zur Verpuppung ca. 45 Buchsblätter. Wenn sie den Busch entlaubt haben, fressen die Tiere notfalls auch die grüne Rinde um die Zweige herum bis aufs Holz ab, wodurch die dünnen Äste über diesen Fraßstellen absterben. Die Buchs-Pflanzen gehen in den meisten Fällen ein, weil die Pflanzen nur sehr langsam wachsen und nicht regenerieren können. Die Falter bilden in China drei oder vier Generationen pro Jahr aus und vermehren sich auch in unseren Breiten rasch.

Die Hoffnung, Glyphodes perspectalis wieder aus Europa verbannen zu können, sind gering. Die Erfahrungen in Südbaden zeigen, dass der Befall in der Regel erst bemerkt wird, wenn die Raupen ausgewachsen sind, aber auch, dass die Falter praktisch jeden Buchsstrauch eines Ortes zur Eiablage finden. Es reicht also aus, wenn die Raupen in einem einzigen Garten eines Ortes durchkommen um im Folgejahr den Rest des Ortes  wieder zu besiedeln. Deshalb dürfte auch eine Bekämpfung mit so genannten Pflanzenschutzmitteln daran scheitern, dass nie alle Buchsbäume eines Ortes gleichzeitig und vollständig begiftet werden können.

Bei großen und dicht belaubten Buchsbaumpflanzen ist es sehr schwierig, den inneren Bereich komplett zu benetzen, die Gespinste bilden zusätzlich einen Schutz für die Raupen. Daher ist der Buchsbaumzünsler mit Gift nur sehr schwer zu bekämpfen. Außerdem ist in Privatgärten nur ein sehr eingeschränktesArsenal an Giften zugelassen.

Grundsätzlich gilt: Kein Gift bietet einen länger- oder gar langfristigen Schutz. Solange in irgendeinem „verwilderten“ Garten eines Ortes ein paar Buchsbaumzünsler überleben, muss man momentan damit rechnen, dass die anderen Pflanzen bald wieder besiedelt sind. Als Bekämpfungsmaßnahme für den Haus- und Kleingarten empfiehlt sich regelmäßige Kontrolle, das Absammeln der Raupen, das Herausschneiden der Gespinste und Befallsnester und eine Entsorgung über die Mülltonne – und nicht etwa in die Biotonne, denn sonst können aus dem Schnittgut die dort versteckten Puppen ausschlüpfen.

Die Naturschutzverbände und auch diese Webseite beteiligen sich normalerweise nicht an der Debatte um die Ausrottung und Bekämpfung von Insektenplagen.
Ob die Invasion des Buchsbaumzünslers wirklich ein großes Gartenbau-Problem werden wird, lässt sich momentan noch nicht absehen. Keine große Schmetterlings-Population bleibt langfristig ohne Parasitenbefall, Schlupfwespen und Krankheiten räumen auch mit anderen sogenannten „Schädlingen“ regelmäßig auf. Der Buchsbaum ist eine nicht einheimische Kulturpflanze und hat aufgrund seiner Inhaltsstoffe in Mitteleuropa lange Zeit keine nennenswerten „Feinde“ gehabt. Das Bild vom kahlen Stadtgarten mit ein paar Buchsbaumkugeln zur Dekoration ist auch nicht gerade Ziel naturfreundlicher Gartenkunst. Liguster, Ysop, Lavendel und vielen anderen Arten ergeben auch schöne Formhecken, und bieten auch den einheimischen Insekten Lebensraum – auf den Buchs kann man eigentlich gut verzichten.
Wer es trotzdem nicht lassen kann in seinem Garten mit Gift zu hantieren: Eine halbwegs seriöse Einschätzung wie man die Raupen am besten bekämpft findet sich im Lepiforum, der größten deutschsprachigen Webseite über Schmetterlinge.

Links:

Nachweise des Buchsbaumzünslers in der Region
Lepiforum: Bilder, Biologie und Ausbreitungsgeschichte des Buchsbaumzünslers in Deutschland

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