Einleben im Regenwald

Seit 2,5 Monaten lebe ich nun schon in Ecuador und inzwischen habe ich das Gefühl, dass ein gewisser Grad an Alltag eingetreten ist. In meiner Gastfamilie fühle ich mich nach wie vor sehr wohl, wir machen viele Dinge zusammen wie einkaufen, kochen, backen, wandern oder schwimmen.

Der Unterricht in den Schulen
In dieser Woche wurde als Abschluss des Trimesters in allen Fächer (also auch Englisch) große Examen geschrieben. Das war das erste Mal in meinem Leben, dass ich selbst Klausuren entworfen und bewertet, mündliche Noten verteilt, Verhalten und Heftführung benotet habe – gar nicht so einfach!
Auf jeden Fall lassen sich besonders in einigen Klassen schon Fortschritte sehen, was die Motivation von allen Beteiligten erhöht.

Englischunterricht in Rio Saloya

In der Schule „Primero de Mayo“ hat mein Klassenzimmer seit 2 Wochen eine vollständige Zimmerwand, die von Vätern an einem Nachmittag errichtet wurde. Dies hilft sehr, weil so der Lärm der anderen Klassen ein wenig gedämpft wird. Leider gibt es dort noch keine Tür, aber hoffentlich ändert sich das auch bald…
Das Vertrauen der Kinder zu mir ist sichtlich gewachsen!
Jeden Morgen auf dem Weg zur Schule bekomme ich Süßigkeiten, Beeren von Waldrand, Zuckerrohrstangen etc. geschenkt. In den Pausen spiele ich mit den Kleinen, oft bekomme ich viele köstliche „Sandkuchen“ und Getränke gebacken. 🙂
Nach der Schule wollen viele Kinder mich zu sich nach Hause zum Mittagessen einladen. Natürlich will und kann ich diese Einladungen nicht ablehnen und so gehe ich dann Hand in Hand mit den Kindern nach Hause, wo sie mir dann stolz ihre Haustiere, Lieblingsblumen etc. präsentieren. Außerdem lerne ich so nach und nach die Familien der Kinder kennen und auch in den Gemeinden, in denen ich arbeite bin ich ein bekanntes Gesicht.

Ein Sandkuchenbäcker

Alle Ecuadorianer, die ich bis jetzt getroffen habe, zeichnen sich durch ihre große Gastfreundlichkeit und Hilfsbereitschaft aus! So ist es für sie selbstverständlich, alles zu teilen und für Gäste nur das Beste zuzubereiten, unabhängig von der sonstigen sozialen Situation.

Freizeit
In meiner Freizeit unternehme ich viel mit meiner Familie und den anderen Freiwilligen in der Region.
So wandern wir gerne zusammen in der wunderschönen Finca. Nach 2h Fußweg erreicht man den „Grenzfluss“, wo wir dann oft grillen und baden. Der Hauseigene Esel ist meist auch dabei, um die ganzen Lasten zu tragen, aber man kann auch gut auf ihm reiten! 🙂
Mir kommt dieses Tal mit dem Fluss wie ein Paradies vor: Es ist nur Wasserrauschen und Vogelgezwitscher zu hören, die Avocadobäume spenden Schatten und auf den Ästen wachsen wunderschöne Orchideen.
Eine vergleichbare Landschaft gibt es in Deutschland einfach nicht!

Der Fluss "Rio Blanco" in unserer Finca Ein Eselritt durch die Finca und der Fluss „Rio Blanco“

An einigen Abenden unter der Woche fahre ich immer in die benachbarte Stadt „San Miguel de Los Bancos“, wo täglich für 2 h Tanzkurse abgehalten werden. Diese werden von dem Sport-Ministerium organisiert, um die allgemeine Gesundheit zu steigern.
Auf jeden Fall macht es mir der Sport sehr großen Spaß, ich lerne noch mehr neue Leute kennen und natürlich auch viele Tanzschritte.

Sobald ein bisschen mehr Zeit zur Verfügung steht (z.B. ein Feiertag vor einem Wochenende), erkunde ich mit den anderen Freiwilligen andere Teile des Landes. So waren wir vor 2 Wochen das Erste Mal an der Küste- an einen der wohl schönsten Strände Ecuadors („Montanita“). Der Weg dorthin ist zwar lang (13 Stunden in Überlandbussen), aber absolut lohnenswert!!! An diesem Strand wurden schon die Weltmeisterschaften im Surfen abgehalten, sodass auch ich das Surfen ausprobieren wollte. Es ist sehr schwierig (mit Fahrradfahren lernen vergleichbar) und anstrengend (man muss ständig aufspringen), aber es hat unglaublich viel Spaß gemacht! 🙂

Surfen in Montanita- Das erste Mal in meinem Leben

Einige bemerkenswerte Dinge zum Schluss:
Hier auf dem Land ist es üblich 3-mal am Tag warm zu essen. Stets gibt es Reis als Beilage und für mich mindestens jeden 2. Tag Brokkoli zum Frühstück, seit meine Gastmutter herausgefunden hat, dass ich das gerne esse. 🙂
In der Regel wird nur mit einem Löffel gegessen und das Fleisch (meist Hähnchen in allen Varianten) in die Hand genommen- fertig!

Die oben beschriebene Hilfsbereitschaft drückt sich auch im Transport aus. Kommt mal gerade kein Bus (, was keine Seltenheit ist!) ist es vollkommen normal, per Anhalter zu fahren. Dabei trifft man auf die verschiedensten Personen und es kommen zum Teil sehr interessante Gespräche zustande.
Einmal ist es mir sogar passiert, dass die Polizei mich mitgenommen hat, sodass ich mit Sirene und Blaulicht zu meinem Wunschort chauffiert wurde!

Ich hoffe euch allen geht es gut!
Ganz viele Liebe Grüße aus dem fernen Ecuador,

Julia

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