Weihnachten, Familien- und Jahreswechsel

Zuerst wünsche ich allen – wenn auch sehr verspätet- ein frohes neues Jahr 2013 mit vielen schönen Momenten, Glück und Zufriedenheit!!!
Bei mir haben sich die Ereignisse in letzter Zeit überschlagen, sodass es jetzt eine Menge zu berichten gibt!

Ein Weihnachtsfest in Ecuador
In Ecuador fühlt sich die Mehrheit der Personen einer christlichen Kirche zugehörig. Wie in Deutschland gibt es die Evangelikalen und die Katholiken. Auch wenn die Namen gleich sind, unterscheiden sich die Ansichten der Glaubensgemeinschaften stark.
Die evangelisch-gläubigen in Ecuador pflegen es, komplett auf Alkohol, Unterhaltungsmusik und Tanz zu verzichten, da dies ihrer Ansicht nach eine Sünde vor Gott sei. Die Rollenverteilung ist klar aufgeteilt: Der Mann arbeitet außerhalb des Hauses, während die Frau die häuslichen Aufgabe übernimmt. Dementsprechend sollte die Frau lange Haare haben, einen Rock tragen und wenig Haut zeigen.
Im Vergleich zu der evangelischen Kirche ist die katholische Kirche in Ecuador „modern“ eingestellt.
Meine Gastfamilie gehört der katholischen Konfession an. Sie haben in der Woche vor Weihnachten begonnen im Kreise der Großfamilie Weihnachtsmessen („Novenas“) zu feiern. Wir haben bei Weihrauchduft Weihnachtslieder gesungen, Kekse gegessen und am Ende hat jeder eine Feuerkerze verbrannt.

Ansonsten lieben es viele Ecuadorianer schrill-kitschig was die Weihnachtsdekoration angeht! Dies ist natürlich von Familie zu Familie sehr unterschiedlich, aber ich habe einige Häuser gesehen, die fast unter bunten Schleifen, Kugeln, Engeln und blinkend und singenden Weihnachtsketten zusammen gebrochen sind!

SAMSUNG DIGITAL CAMERADas große Weihnachtsfest findet am 24.12 statt und ein Großteil der Großgastfamilie (wir waren schätzungsweiße 45 Personen) hat sich versammelt. Der Morgen verlief ganz normal, am Nachmittag haben wir Kekse gebacken, das Festessen zubereitet, zusammen eine Weihnachtsmesse gefeiert und schließlich um 22.30 gegessen. Als Festessen gab es verschiedene Salate, Reis und gegrilltes Hähnchen und Schweinefleisch.
Anschließen wurde das Wohnzimmer in einen Tanzsaal umfunktioniert und alle zusammen (vom Großvater bis hin zum Enkel) haben bis in die Morgenstunden Salsa, Regeton und Co getanzt.
Dieses Weihnachtsfest war einzigartig und schön für mich, aber bei mir ist so eine richtige Weihnachtsstimmung leider nicht aufgekommen.SAMSUNG DIGITAL CAMERA

Ich habe es sehr genossen, dass ich dem Geschenke- Wahnsinn aus Deutschland entfliehen konnte.Viele ecuadorianische Familien schenken sich untereinander einige praktische Kleinigkeiten (ich habe zum Beispiel eine Leggins bekommen), die Kinder Süßigkeiten – fertig.Das schöne ist, dass hier ein Geschenk etwas Besonderes ist und nicht als selbstverständlich angesehen wird. So werden materielle „Kleinigkeiten“ zu einer großen Geste- so sind zum Beispiel meiner Gastoma Freudentränen gekommen, als sie eine neue Hose geschenkt bekommen hat!

Die Weihnachtsfeier in den Schulen

Die Weihnachtsfeiern in den Schulen war etwas ganz besonderes! In Primero de Mayo haben wir ein Unterhaltungsprogramm fuer die Kinder mit  Salsatanzen, Reise nach Jerusalem, Sackhüpfen und Wasserlauf durchgefuehrt, deutsche Weihnachtskekse gebacken und die Mütter haben ein leckeres Essen zubereitet.

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Die Weihnachtsfeier in Rio Saloya war etwas ruhiger. Dort haben wir auch zusammen gekocht und die Kinder haben ihre muehsam einstudierten Lieder vorgetragen. Sie haben „Jingle Bells“ und „We wish you a merry christmas“ geschmettert waehrend ich sie dazu auf meiner Floete begleitet habe!
Damit waren beide Weihnachtsfeiern ein voller Erfolg und ich erinnere mich noch oft gerne daran!

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Familienwechsel
Generell habe ich mich in der Gastfamilie sehr wohlgefühlt, habe viel mit der Familie unternommen und besonders zu der Gastmutter Araselli eine enge Beziehung aufgebaut. Leider wurde mir jedoch im Laufe der Zeit drei Mal Geld aus meinem Zimmer gestohlen!
Obwohl ich nach dem ersten Klau immer ein Vorhängeschloss benutzt habe, haben sich die Diebstähle fortgesetzt. Vielleicht ist die Person durch das Fenster eingestiegen- man weiß es nicht…
Da das Haus sehr abgelegen ist, kann es eigentlich nur jemand aus der Familie gewesen sein. Ich habe sehr viel mit der Familie gesprochen, aber im Endeffekt haben diese Vorfälle bei allen zu Misstrauen, Unsicherheit und Angst geführt. Zum Beispiel wollte keiner mehr alleine im Haus sein und mein Gastvater hat den ganzen Nachmittag über das Wohnzimmer nicht verlassen, um das Haus zu „bewachen“.
Als am 2. Weihnachtsfeiertag dann auch noch meine Kamera zwischenzeitlich verschwunden war (sie ist später wie von Geisterhand wieder aufgetaucht), war für mich der Punkt erreicht, an dem ein Familienwechsel unumgänglich war!
Auch wenn ich in einem fremden Land lebe, brauche ich zumindest einen sicheren Ruheort, aber dieser wurde mir von dem Dieb genommen.
Diese Diebstähle haben nicht nur mich, sondern auch die ganze Familie- insbesondere die Gastmutter- stark belastet und so konnte es einfach nicht mehr weitergehen!
Der Abschied ist mir und der Gastfamilie sehr schwer gefallen, wir haben lange Gespräche geführt, zusammen getrauert und uns so im Guten getrennt.

Meine neue Gastfamilie wohnt nur 1 km entfernt und besteht im Kern aus Humberto, 66 Jahre, der noch Halbtags auf einer Plantage arbeitet und Ramona, 62 Jahre, die Hausfrau ist und leidenschaftlich gerne Pflanzen züchtet und sich um ihre Hennen kümmert. Das Ehepaar hat 7 Kinder, die allerdings schon alle verheiratet sind, sodass sie sich jetzt sehr freuen, wieder jemanden zu haben, den sie bemuttern können.
Dementsprechend werde ich von ihnen verwöhnt, was ich wirklich genieße.
Meine erwachsenen Gastgeschwister wohnen zum Teil in der Nähe und ich verstehe mich ausgezeichnet mit allen und unternehme viel mit ihnen, wie zum Beispiel Volleyballspielen und Schwimmen.
In der Familie bin ich die erste Freiwillige, sodass alle besonders interessiert und wissensneugierig auf meine Geschichten (wie zum Beispiel vom Schnee) aus dem anderen fernen Land namens Deutschland sind.
Die andere Seite der Medaille ist, dass ich mich mit den relativ extremen Ansichten des Gastvaters auseinandersetzen muss. So ist er zum Beispiel der Meinung, dass sich „Rassen“ (auf Hautfarbe bezogen) nicht mischen sollten und, dass eine Frau stets zu Hause bleiben sollte, um sich um Mann und Kinder zu sorgen.

Ich will und kann diesen Menschen nicht ändern und belasse es dabei, meine gegenteilige Meinung zu erklären und mit Beispielen zu belegen (so gibt es sehr wohl glückliche Familien, in denen die Frau arbeitet oder eine andere Hautfarbe als ihr Mann hat).

Jedoch ist es mir ganz wichtig zu betonen, dass nicht alle ecuadorianische Männer so denken! Generell ist die Gesellschaft machistisch geprägt, aber besonders in den jüngeren Generationen hat sich die Denkweise verändert.

In meinen Berichten kann ich leider nur einen kleinen Einblick in das ecuadorianische Leben geben und auch ich kann die Dinge oft nur subjektiv und anhand von Einzelbespielen beschreiben! Auch wenn man Tendenzen erkennen kann ist jede Person, jede Familie, jede Gemeinde unterschiedlich und Stereotype können dieser Vielfalt nicht gerecht werden!!!
Hier zum Beispiel erkläre ich den Menschen oft, dass nicht alle Deutschen groß, blond und hellhäutig sind. 🙂

Jahreswechsel
In Ecuador gibt es zum Jahreswechsel (año viejo) den Brauch, dass jede Familie, Schule, Gemeinde etc. eine mit Stroh- und Feuerwerk-gefüllte Puppe herstellt, die das alte Jahr widerspiegeln soll. Dieses Kunstwerk wird dann während der Silvesterfeier verbrannt und symbolisch verschwindet damit alles Schlechte und Böse aus dem alten Jahr rein nach dem Motto: Neues Jahr – neues Glück!
Außerdem erstellen viele ein „Testament“, in dem sie alle guten Vorsätze für das neue Jahr aufschreiben und welches zusammen mit dem año viejo verbrannt wird.
Die Kreativität, diesen año viejo zu gestalten war für mich wirklich eindrucksvoll- so gab es über Vogelscheuch-ähnliche Gebilde, Spongebobs, Piraten und so gar eine 3m großen die USA verkörpernden Soldaten zu bewundern.
Ein weiterer für mich sehr überraschender Brauch ist es, sich an Silvester gelbe Unterwäsche anzuziehen und diese an Mitternacht zu verbrennen- anscheinend soll dies Glück für das nächste Jahr bringen!?

gelbe Unterwäsche- der Glücksbringer

Über das neue Jahr habe ich eine wunderschöne Rundreise Richtung Küste zusammen mit einer anderen deutschen Freiwilligen unternommen. Wir haben sehr untouristische Gebiete besucht, was besonders im Nachhinein gesehen abenteuerlich, aber sehr eindrucksvoll war! So haben wir eine Bootsfahrt durch einen Mangrovenwald unternommen und haben in einer 100 Seelengemeinde übernachtet, die inmitten eines Naturschutzgebietes liegt, nur von Farbigen bewohnt wird und nur durch eine 4-stündige Kanufahrt zu erreichen ist.

Dort habe ich das erste Mal in meinem Leben eine Pina-Plantage gesehen.

Pina-Anbau

Ananas-Plantage (alle Fotos: Julia Seidel)

 

Mir geht es gerade wirklich gut – der Familienwechsel ist gut ueberstanden, meine Eltern aus Deutschland sind gerade auf Besuch bei mir und jetzt freue ich mich einfach nur auf die 2. Haelfte meinees Freiwilligendienstes!!!

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