Kaninchenpest – Myxomatose grassiert

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Geschwollene Augen, Orientierungslosigkeit, mangelnde Scheu: Kaninchen auf einem Reitplatz in Ratingen – Gut Landfrieden, 19.10.2014 (Foto: Armin Dahl)

Die Myxomatose (Kaninchenpest) grassiert momentan im Kreis Mettmann und den angrenzenden Regionen, eine Viruskrankheit, die fast ausschließlich unter Haus- und Wildkaninchen auftritt. Der Erreger ist mit dem Pockenvirus verwandt, Feldhasen sind für die Erkrankung weitgehend unempfindlich. Unternehmen kann man gegen die Seuche nichts.

Das Wetter im Sommer 2014 war zu warm, zu nass, der Altweibersommer schön, bis Anfang November ist weit und breit kein Frost in Sicht. Was uns Heizkosten spart und den Gastwirten volle Kassen beschert, hat für die einheimische Tierwelt eine unappetitliche Seite: Eine erhöhte Insektenpopulation (Mücken, Flöhe) in feuchtwarmen Sommern und im Herbst führt zu einem gehäuften Auftreten der Myxomatose.

Das ursprünglich aus Südamerika stammende Myxomatosevirus wurde in den 60er Jahren in Frankreich gegen eine sogenannte „Kaninchenplage“ eingeführt, ausgehend von diesem Infektionsherd breitete sich die Krankheit innerhalb weniger Jahre über das gesamte mitteleuropäische Verbreitungsgebiet des Kaninchens aus. Die Krankheit wird von Stechmücken und Flöhen verbreitet, je mehr Kaninchen auf engem Raum leben, desto schneller ist die Ausbreitung der Krankheit.

Je nach Virusstamm sterben 20 bis 100 % der einheimischen Wildkaninchen, wichtigstes Merkmal der kranken Tiere sind die geschwollenen Augen, die daraus resulterende Orientierungslosigkeit und mangelnde Scheu der Kaninchen.

Erst mit sinkender Dichte der Kaninchen kommt die Epidemie von alleine zum Erliegen. Sinkende Dichte bedeutet im Moment, dass Uhu, Fuchs und Aaskrähen in den nächsten Wochen einen gedeckten Tisch vorfinden. Die Jäger, die 2012/2013 mehr als 100.000 Wildkaninchen in Nordrhein-Westfalen abgeknallt haben, müssen warten, bis sich die Bestände wieder „wie die Karnickel“ vermehrt haben.

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2 Antworten zu Kaninchenpest – Myxomatose grassiert

  1. Tobias schreibt:

    „…die die Jäger abgeknallt haben“. Oh man! Ich komme aus dem Harzvorland, studiere naturschutz an der HS Anhalt, bin Jäger und habe selbst miterlebt wie in bestimmten Revieren und die ehemals bis 1997 Kaninchen Hochburgen waren, ab dato in ihrer Population völlig erloschen sind, mit viel Mühe wiederbesiedelt wurden (von Jägern), diese nicht bejagt und nach mehreren Jahren wieder dank der Seuche völlig zusammenbrachen! Wäre man in Frankreich bei der nachhaltigen Jagd geblieben, wären solch katastrophale Zustände nicht eingetreten. Im übrigen waren es Nicht-Jäger, die diese Seuche einschleppten.

    • spoerkelnbruch schreibt:

      wir sind zwar weder im Harzvorland noch in Sachsen-Anhalt, aber das ist hier nicht anders, auch hier sind viele Gärten noch mit Kaninchendraht umzäunt, aber die Tiere sind seit Jahrzehnten weg. Einige der besten Populationen in unserer Region finden sich momentan auf Verkehrsinseln in Düsseldorf, die stehen wohl nicht miteinander in Kontakt und stecken sich auch nicht an.

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