Fröhliche Weihnachten – und guten Appetit!

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Neun von zehn Mast- und Zuchtdurchgänge bei Puten in Nordrhein-Westfalen wurden mit Antibiotika behandelt. Dabei kommen regelmäßig Präparate zum Einsatz, die auch beim Menschen Anwendung finden, obwohl das eigentlich die Ausnahme sein sollte. Das alles ist nachzulesen im dritten Fachbericht des Landes zum Einsatz von Medikamenten in der Tierhaltung.

Für die Haltung von Mastputen gibt es bislang keine verbindlichen Vorschriften in der Tierschutz-Nutztierhaltungs-Verordnung (Tier-SchNutztV), wie sie beispielsweise für Hühner und Schweine gelten. In der Putenmast bleibt der Einsatz von Antibiotika weiter hoch: Neun von zehn Mast- und Zuchtdurchgängen in der Putenhaltung werden in NRW mit Antibiotika behandelt. Das ist das Ergebnis eines neuen Fachberichtes der Landesregierung, den das NRW-Verbraucherschutzministerium vorgestellt hat. „Der massenhafte Einsatz von Antibiotika in der Intensivtierhaltung ist weiterhin Alltag, obwohl wir in den letzten Jahren eine große Debatte über den zu hohen Einsatz von Medikamenten hatten. Wenn neun von zehn Durchgängen mit Antibiotika behandelt werden, können wir auch in der Putenmast längst nicht mehr von Ausnahmen sprechen. Dieses Ausmaß ist nicht zu akzeptieren“, sagte Verbraucherschutzminister Johannes Remmel bei der Vorstellung des Berichtes „Der routinemäßige Einsatz von Antibiotika in der Tiermast ist gängige Praxis“, erklärte Dr. Thomas Delschen, seit wenigen Tagen Präsident des Landesamtes für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz (LANUV), das den Fachbericht erstellte.

Im Auftrag des NRW-Verbraucherschutzministeriums hat das LANUV im Zeitraum vom 1. Januar bis 30. November 2013 eine Erhebung in der Putenhaltung durchgeführt. Ziel war es, Erkenntnisse darüber zu erhalten, wie oft und zu welchen Therapiezwecken antibiotisch wirksame Substanzen im Mastputenbereich verschrieben und eingesetzt werden. Darüber hinaus sollten so auch Erkenntnisse über ausgewählte Tierschutzparameter, wie beispielsweise die Besatzdichte und Verlustraten gewonnen werden, welche die Behörden bei der Überwachung von Putenmastbetrieben unterstützen können.

Im Rahmen der Erhebung haben 20 Kreisordnungsbehörden für 516 Durchgänge in Aufzucht- und Mastbetrieben auswertbare Daten erhoben. Von diesen 516 Durchgängen wurden 479 (92,8 Prozent) antibiotisch behandelt, im Durchschnitt auch mehrmals. Einzelne Durchgänge erhielten in einem Mastdurchgang sogar bis zu 21 Behandlungen mit Antibiotika. Dabei kamen bis zu zehn verschiedene Wirkstoffe pro Durchgang zum Einsatz. Darunter waren auch Präparate, die nicht für die Behandlung von Puten zugelassen waren.
Die Ergebnisse zeigen, dass ähnlich wie bei der Masthähnchen-Studie aus dem Jahre 2011 antibiotische Behandlungen die Regel und nicht mehr die Ausnahmen sind. Es wurden insgesamt 22 verschiedene Wirkstoffe eingesetzt: mit Abstand am häufigsten der Wirkstoff Benzylpenicillin, gefolgt von den Wirkstoffen Colistin, Amoxicillin und Enrofloxacin. Unter den vier am häufigsten eingesetzten Wirkstoffen befanden sich mit Colistin und Enrofloxacin zwei Wirkstoffe aus Substanzklassen, die erhebliche Bedeutung für den Menschen haben und als sogenannte „Reserveantibiotika“ bezeichnet werden. Sie sollten eigentlich der Humanmedizin vorbehalten sein.
Bei etwa einem Drittel der Wirkstoffeinsätze (961 von 2.764) wurde ein nicht in Deutschland für Puten zugelassenes Präparat verwendet. Das ist nach dem Arzneimittelgesetz nur in Einzelfällen bei einem Therapienotstand zulässig. In 79 dieser 961 Fälle wurde ein nicht für Puten zugelassenes Präparat verabreicht, obwohl zum Zeitpunkt der Abgabe ein zugelassenes Präparat mit demselben Wirkstoff zur Verfügung steht. Ob hier strafbare Handlungen vorliegen, wird aktuell geprüft.

Soll man jetzt auf den Weihnachtsbraten besser verzichten? Nein, aber vor dem Kauf kann jeder mal das Gehirn einschalten: Wer eine 5-Kilo-Pute für 30 Euro beim Metzger oder im Supermarkt kauft, der kann fast sicher sein, eine Turbo-Pute aus Massentierhaltung zu erwischen. Vielleicht tut es ja auch eine Lammkeule aus heimischer Produktion, bei deren Produktion im besten Fall noch ein Stück Bergische Heideterrasse gepflegt wurde.
Adressen finden sich zum Beispiel hier: http://www.bergischpur.de/produkte/fleisch/

Infos und Quellen:

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