Glyphosat verbieten!

724px-GHS-pictogram-pollu.svgDie konventionell betriebene Landwirtschaft verspielt seit Jahren das Recht, über Dinge wie Artenschutz, Biodiversität oder verwandte Themen mitzureden. Wer’s immer noch nicht glaubt sollte bei Gelegenheit einen Blick in das Handlungsprogramm „Naturschutz-Offensive 2020“ des Bundesministeriums für Umwelt werfen. In der Übersicht über die Handlungsfelder findet sich dort unter Punkt 1: Kulturlandschaft für Mensch und Natur folgende acht Empfehlungen:

  • Agrarsubventionen nach 2020 abschaffen – Landwirtinnen und Landwirte für konkrete Naturschutz-Leistungen bezahlen
  • EU-Agrarpolitik 2017 überprüfen – Greening stärken
  • Gemeinschaftsaufgabe „Ländliche Entwicklung“ mit Schwerpunkt Naturschutz
  • Grünland-Initiative mit Extensivierung intensiv genutzter Niedermoore
  • Anbau von gentechnisch veränderten landwirtschaftlichen Produkten umfassend ausschließen
  • Umfassende Stickstoffstrategie erarbeiten
  • Angemessene Berücksichtigung der Auswirkungen auf die biologische Vielfalt bei der Zulassung von Pflanzenschutzmitteln
  • Keine weitere Flächenausweitung für den Anbau von Biomasse für die Energieerzeugung, wenn die Anbaugrenze von 2,5 Millionen Hektar Ackerfläche in Deutschland erreicht ist.

Nun ist das Bundesamt eine Behörde, die nicht gerade für revolutionäre Ideen bekannt ist. Die meisten der oben angeführten Forderungen stehen seit langem in jeder NABU- oder BUND-Ortsgruppe auf dem Programm – leider ohne den entsprechenden politischen Rückhalt. Auf der Gegenseite finden sich dagegen durchsetzungsstarke Lobbyorganisationen, angefangen von Vertretern der Landnutzer wie dem Deutschen Bauernverband bis hin zu Weltkonzernen wie Bayer und Monsanto, die jedes Jahr Milliardenbeträge an Subventionen und Gewinnen dafür kassieren, das Leben – abgesehen von den  „Nutzpflanzen“ – auf dem Acker zu bekämpfen.

Landwirte müssen aus jedem Hektar Ackerland, jedem Wassertropfen und jeder Energieeinheit mehr erwirtschaften – heute und morgen“ ist zum Beispiel das Fazit des Agrarkonzerns Monsanto, wohlgemerkt zum Thema nachhaltige Landwirtschaft, nachzulesen auf deren Webseite. Womit wir dann endlich beim Thema wären: Die Zulassung von Pflanzenschutzmitteln. Das größte Übel in der konventionell betriebenen Landnutzung ist die großflächige Einsatz von Unkrautvernichtunsmitteln, und das meistverkaufte Gift ist Glyphosat von Monsanto. Über das Präparat selbst ist viel geschrieben worden, und wer sich da schlau machen will kann einiges davon in der Wikipedia nachlesen.

Die Zulassung dieses Supergiftes soll demnächst verlängert werden. Wenn es denn nach dem Willen des Konzerns geht, der etwa die Hälfte seines Milliarden-Gewinns aus Glyphosat und darauf zugeschnittenem Gentech-Saatgut zieht. Letzten Endes entscheidet die EU-Kommission, ob sie Glyphosat verbieten will. Was dabei herauskommt, wenn sich kein Widerstand in der breiten Bevölkerung regt, kann man sich ausrechnen. Ein lesbares Hintergrundstück darüber erschien im Juli 2015 in der ZEIT.

Eine heftige Debatte tobt um die Zulassung, dabei geht es vor allem um Glaubwürdigkeit verschiedener Aufsichtsbehörden, das Ganze erinnert an die Frühzeiten der Atomenergie. Wer sich einmal mit Forschungsförderung befasst hat weiß wie das läuft: Die Industrie kauft sich ihre Studien nach Belieben ein, und wendet Milliarden für Verkaufsförderung und Lobbyismus auf.  Unabhängige Wissenschaftler kommen dagegen niemals an Forschungsmittel, geschweige denn daß sie hinterher noch Chancen auf einen hochkarätigen Job hätten.

Momentan geht der Streit hauptsächlich um die Frage „Ist Glyphosat krebserregend oder doch eher vielleicht nicht“. Die IARC, die Krebsforschungsagentur der Weltgesundheitsorganisation (WHO), stufte im Frühjahr 2015 Glyphosat als „wahrscheinlich krebserzeugend beim Menschen“ ein. Vor wenigen Tagen hat dagegen die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) dennoch den Unkrautvernichter als nicht krebserregend eingestuft.

Wenn zwei Wissenschaftler vor Euch stehen und der eine sagt: „Alles ganz harmlos“, der andere „Achtung, Finger weg, krebserregend“, was tun? Lassen wir einmal die Unschuldsvermutung gelten, und glauben beiden in gleichem Maß, was dann? Dann gibt es nur eine Möglichkeit: Finger weg nach dem Motto: Vorsicht ist die Mutter der Porzellankiste!  Und das gilt am Beispiel von Glyphosat schon alleine für das Argument KREBS. Was die ARTENVIELFALT betrifft, gibt es diese Diskussion erst gar nicht, da braucht man nur den Beipackzettel der Präparate zu lesen. Unkrautvernichtungsmittel vernichten Unkraut, Glyphosat (Markenname: Roundup) ist billig und sehr wirksam, wird in Deutschland praktisch überall eingesetzt, die Äcker sind entsprechend mausetot gespritzt. Ackerunkräuter und alles Viehzeugs was darauf lebte stehen auf den Roten Listen. Feldlerche und selbst die Sperlinge sind fast verschwunden, der Stumme Frühling ist längst Wirklichkeit geworden. Das Zeug gehört also aus der Sicht des Umweltschutzes auf jeden Fall verboten!

Wer Lust hat seine Position klarzustellen in der Hoffnung, auf die EU-Kommission ein wenig Einfluss zu nehmen, kann an einer Online-Petition der Organisation WeMove Europe SCE mbH – Wir bewegen Europa teilnehmen. Wem das zu doof ist, der kann immer noch bei jedem Lebensmittel-Einkauf entscheiden, was er sich und seiner Familie auf den Teller packen will. Vielleicht doch mal eine ordentliche BIO-Lammkeule als Weihnachtsbraten anstatt der Turbo-Mastpute? Entsprechende Betriebe mit regionalen Produkten finden sich unter anderem unter der Dachmarke Bergisch Pur.

 

 

 

 

 

 

 

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