Ausgleichsfläche: Erfolge und Probleme

Die gute Nachricht zuerst: Die Ansaat auf der AGNU-Ausgleichsfläche für den 2. Abschnitt des Technoparks entwickelt sich trotz der anhaltenden Trockenheit ganz ordentlich.

Kornblumen, Nelken und Rotklee blühen, und die vielen Blüten bringen auch schöne Ergebnisse bei den Insekten: Die Goldene Acht (Colias hyale), ein typischer Falter trockener Wiesen, ist dort in den letzten Wochen praktisch immer in mehreren Tieren anzutreffen. Und jetzt ist auch der Schwalbenschwanz (Papilio machaon), die größte einheimischen Tagfalterart,  auf der Fläche unterwegs. Die zweite Generation des wohl bekanntesten Schmetterlings konnte ich Mitte Juli bei der Eiablage beobachten und mit dem Handy filmen.

Da es schon seit ein Paar Tagen Beobachtungen frisch geschlüpfter Falter auf der Fläche gab, kann man davon ausgehen, dass sich bereits die Falter der Frühjahrsgeneration im April / Mai auf der frischen Ansaat fortgepflanzt haben. Damit sind bisher bereits 17! Tagfalterarten nachgewiesen, ein schöner erster Erfolg.

Aber wie das halt so geht, schon Berthold Brecht wusste „Die Mühen der Gebirge lagen hinter den Genossen, vor ihnen lagen die Mühen der Ebene“, im vorliegenden Fall der Aufbau einer stabilen Grasnarbe, die konsequente Entwicklung von Altgrasstreifen, Hochstaudenflur und Ackerrandstreifen, und das Zurückdrängen der Problemunkräuter (z.B. Jakobs-Kreuzkraut). Bei den Nachtfaltern und den vielen andern Insektenarten dauert es erfahrungsgemäß viele Jahre bis der Bestand dem einer „normalen“ extensiv genutzten Wiese entspricht. Diese Arten müssen erst einmal den Weg über die Autobahnen, Wohngebiete, Rübenfelder und nicht zuletzt den neuen Technopark finden, und das dauert eben.

Und natürlich ist nicht alles gleich perfekt. Der angelegte „Teich“ konnte das Wasser nicht halten und wurde versetzt und neu verdichtet. Um das Gebiet vor ungebetenen Gästen aller Art zu schützen, musste es zudem eingezäunt werden. Naturschutz auf den Wiesen in der Region geht nicht ohne Zäune, das haben die vielen Beispiele in der Region gezeigt. Alle Landwirte können ein Lied davon singen, und die Landschaftswacht hat jede Menge einschlägige Erfahrungen.

Falls sich das noch nicht herumgesprochen hat: In direkter Nachbarschaft der Fläche, auf dem Parkplatz der A 46, bzw. im Gebiet drum herum, werden Dienstleistungen der besonderen Art angeboten. Und diese „Dienstleister“ wollen wir keineswegs auf den Pachtflächen sehen. Hunde und ihre Besitzer haben auf landwirtschaftlichen Flächen ebenfalls nichts zu suchen, vor allem wenn diese mit dem Ziel angelegt wurden, dort Artenschutz zu betreiben. Bodenbrütende Vögel reagieren da sehr empfindlich, abgesehen davon wollen wir dort in Kürze sauberes Heu ernten. Und zwar ohne Hundekot, Bällchen und Stöckchen und was sich dort noch so alles findet.

Leider halten sich einige nicht an die Spielregeln, und die Folgen sind unschön: Bereits zwei Rehe wurden im frisch gesetzten Zaun tot aufgefunden, ob von frei laufenden Hunden dort hineingetrieben oder nicht, das lässt sich nachträglich wohl nicht mehr klären. Die bisher bestehenden Wildwechsel wurden durch den neuen Zaun vielleicht unterbrochen, hier werden wir uns in den nächsten Wochen etwas einfallen lassen müssen.  Nach Vandalismus mussten zudem die Grenzmarkierungen massiv verstärkt und der Zaun an einer Stelle repariert werden. Das verwendete Zaunmaterial ist im Kreis Mettmann in vielen Kilometern vorhanden, ohne dass es dort zu Tierunfällen kommt. Die ortsansässigen Hasen und auch der Fuchs haben den Dreh mittlerweile schon heraus und schlüpfen problemlos durch die Maschen oder drunter durch.

Die Politik, genauer gesagt die Mitglieder des Stadtrats in Haan, haben in einem offenen und demokratischen Verfahren beschlossen den 15 Hektar umfassenden zweiten Bauabschnitt anzugehen, und die Ausgleichsfläche mitsamt Konzept ist Teil dieser Maßnahme. Übrigens wurde durchaus sportlich geplant, normalerweise muss der Ausgleich VOR dem Eingriff erfolgt sein, und nicht erst wenn die Bagger schon fahren.
„Es kann der Frömmste nicht in Frieden leben, wenn es dem bösen Nachbar nicht gefällt“. Das Zitat stammt von Schiller aus dem „Wilhelm Tell“, und hat bis heute nichts an Aktualität verloren. Dass sich an den beiden toten Rehen jetzt eine Kampagne gegen die AGNU entzündet ist schon etwas merkwürdig, gegen den riesigen Flächenverlust im Technopark gab es jedenfalls kaum Einwände. Und dass im Umfeld des Technoparks die gewohnten „Hunde-Runden“ nicht mehr so laufen wie vorher, das war abzusehen: Krickhausen, Stropmütze und Gruiten sind keine ruhigen Flecken in idyllischer Landschaft mehr, sondern liegen mitten Herzen des Verkehrsinfarkts im Großraum Düsseldorf.
In jedem Fall hat auf dem eingezäunten Ausgleichsgelände nach der Einzäunung niemand außer dem AGNU-Team mehr etwas zu suchen. Das Betreten von landwirtschaftlichen Flächen ist nach dem Landschaftsgesetz generell verboten, auch außerhalb der Vegetationszeit!

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2 Antworten zu Ausgleichsfläche: Erfolge und Probleme

  1. Friedhelm schreibt:

    Schlimmstenfalls muss die AGNU versuchen, die zur Finanzierung des „Ausgleichs“ verpflichtete Firma oder Behörde zur Finanzierung von Zäunen (und mehrsprachigen Info-Tafeln ?) heran zu ziehen ? Wünsche weiterhin gute Nerven und schöne Beobachtungen !!

    • Armin Dahl schreibt:

      Friedhelm: Der Zaun ist auch schon Teil der Maßnahme und vom Träger bezahlt. Gegen Indolenz hilft auch keine Infotafel. Wir lassen us was einfallen.
      Viele Grüße
      Armin

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