Insekten auf der Ökowiese in Kriekhausen

Im Hochsommer,  wenn die Kräuter und Gräser nach dem ersten ersten Schnitt wieder austreiben, zeigt sich, was an Insekten in einer Wiese wirklich drinsteckt.

Jetzt ist die Zeit der Grashüpfer gekommen, und wenn die Mähmethode stimmt, dann springt oder fliegt bei jedem Schritt irgend so ein Tierchen vor den Füßen weg. Auf Flächen die etwas höher als normal geschnitten werden – wie in Kriekhausen – treiben die Kräuter besonders schnell wieder aus, und als eine der ersten Pflanzen kommt der Hornklee (Lotus corniculatus) erneut zur Blüte. Die Pflanze gehört zu den Hülsenfrüchtlern (Fabaceae) und viele Schmetterlingsarten saugen am Hornklee, der sehr viel Nektar produziert. Den Namen hat die Pflanze von den Samen, die ein auffallendes Horn tragen. Hornklee ist eine gute Nahrungspflanze für Wildbienen, sein Nektar enthält nach Angaben aus der Wikipedia durchschnittlich 40 % Zucker.

Hornklee, Wilde Möhre, Altgras: Bei Neuanlage von Wiesen sollten unbedingt einige Brachestreifen ausgenommen werden. Dort überleben die Tierarten, die bereits auf der Fläche vorkamen. Haan, Ökowiese Kriekhausen. 29. Juli 2019 (Foto: Armin Dahl)

Hornklee ist eine mehrjährige Staude, wurzelt bis zu einem Meter tief, und schiebt deshalb auch bei großer sommerlicher Trockenheit nach dem Schnitt schnell wieder Blätter und Blüten aus der unterirdischen Reserve nach. An diesen Zeitpunkt haben sich verschiedene Schmetterlingsarten angepasst, zum Beispiel der bekannteste und häufigste einheimische Bläuling Polyommatus icarus. Dessen Sommergeneration ist in den vergangenen Tagen in erfreulich großen Zahlen geschlüpft. Die Raupen von P. icarus leben an Blüten und Blättern von Hornklee, Rotklee, Hauhechel und anderen Schmetterlingsblütlern.

Viel unauffälliger ist der Hornklee-Glasflügler Bembecia ichneumoniformis, der ebenfalls in der Region häufig und an vielen Stellen zu finden ist. Die kleinen, wespenartig gezeichneten Tierchen fliegen in langsamem Flug in den Hornkleebeständen herum, und lassen sich mit etwas Geduld leicht beobachten. Wer dafür keine Zeit hat, der kann sich ein Pheromonpräparat besorgen, und dann gibt es bei sonnigem Wetter in „guten“ Wiesen eine wilde Party: Die Männchen von B. ichneumoniformis stürzen sich, kaum ist das Präparat ausgelegt, in Schwärmen auf das vermeintliche Weibchen und versuchen sich mit dem Gummistöpsel, in dem das Pheromon steckt, zu paaren. Nach kurzer Zeit folgt dann die Erkenntnis, dass hier irgendwas nicht stimmen kann, und die ganze Bande verschwindet wieder. Dann muss der faule Entomologe ein paar Meter weiterlaufen, und die Show beginnt von vorne, siehe Video.

Die Raupen des Hornklee-Glasflüglers entwickeln sich unterirdisch in den Wurzeln von Lotus corniculatus, die Falter fliegen von Mitte Juni bis in den August hinein. Auf den Flächen in Kriekhausen wuchs der Hornklee schon vor der Übernahme durch die AGNU, und auch die ichneumoniformis-Raupen müssen eigentlich schon auf der Fläche vorhanden gewesen sein.

Prinzip der Entwicklung: Nie alles auf einmal!

Die üblichen Empfehlungen für eine neu angelegte „Ökowiese“ haben alle einen Schwerpunkt auf der optimalen Entwicklung der Pflanzenwelt, und das was dort an sogenannter „Bodenvorbereitung“ empfohlen wird, zerstört durch Pflügen, Fräsen, Säen, Walzen und Pflegeschnitte zuerst einmal fast die komplette Tierwelt. Um die bereits in der Fläche vorhandenen Insekten-Populationen bei der Neueinsaat zu erhalten, haben wir bei der Anlage der Wiese in mehreren Schritten gearbeitet, verteilt über zwei Jahre: Und außerdem haben wir ein paar breite Streifen von der Neueinsaat ausgenommen. Bricht man alles auf einmal um, dauert die (Wieder-)Besiedelung erfahrungsgemäß viel länger!


Links

Hornklee-Glasflügler bei observation.org

Anleitung für Neuanlage von Blühwiesen

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