Massenflug von Eintagsfliegen Anfang August

Eintagsfliegen satt: Ephoron virgo, Haan, 5. August 2019 (Foto: Armin Dahl)

Haan liegt im Rheinland, oder etwa nicht? Aus Naturschutzsicht betrachtet liegt das Städtchen genau auf der Grenze zwischen den Naturräumen Rheinische Bucht (II) und Bergisches Land (VIa). Diese Naturräume haben im Naturschutz ziemliche Bedeutung, zum Beispiel durch regionalisierte Rote Listen, Förderkulissen für  Naturschutzprojekte, die Berichtspflicht der Behörden zur FFH-Richtlinie und vieles mehr.

Die Grenze zwischen den Naturräumen verläuft in Haan ungefähr auf der 100m-Höhenlinie, markiert durch die Steigung zwischen Spörkelnbruch und Erkrather Straße in Unterhaan. Der größte Teil von Haan liegt also im Bergischen Land, und keine 50 der mehr als 30.000 Haaner Einwohner – unter anderem der Autor dieser Zeilen – sind „echte“ Rheinländer.

Was die Tier- und Pflanzenwelt angeht, strahlt der Rhein allerdings weit ins Bergische hinein. Beispiele sind die Zauneidechsen, die sich entlang der Bahnlinie bis nach Wuppertal ausbreiten, und Wärme liebende Heuschreckenarten wie die Blauflügelige Ödlandschrecke, die neuerdings in den Haaner Steinbrüchen (z.B. Grube 10) aufgetaucht ist.

Ein Spektakel der ganz besonderen Art findet alljährlich Anfang August statt, wenn die Wassertemperaturen im Rhein besonders hoch sind, und die Nächte schwül-warm. Dann findet eine der größten Massenwanderungen von Tieren statt: Der Schlupf der Eintagsfliegen. Die Larven der 3-4 cm Spannweite messenden „Augustfliege“ Ephoron virgo leben im Rhein, filtrieren dort Algen und andere Schwebstoffe aus dem Flusswasser.  Die Entwicklung der Larven dauert zwei Jahre, und dann schlüpfen die Tiere alle auf einmal aus, paaren sich und steigen in ganzen Wolken über dem Fluss auf. Mit dem meist aus Südwesten wehenden Wind werden sie danach weit ins  Bergische Land verdriftet, und erscheinen dort dann mitten in der Nacht in ungeheuren Mengen.

Ein solches Schneegestöber aus Eintagsfliegen war letzte Nacht in Haan, Erkrath und Umgebung zu beobachten, in meinem Garten zusätzlich angefeuert durch die Lockwirkung der UV-Lampe, mit der ich dort Nachtfalter beobachte. Um 23.00 kam das erste Tier, innerhalb weniger Minuten war der Boden um die Leuchtanlage von Tieren bedeckt, tausende von Weibchen pressten noch schnell die gelblichen Eipakete aus ihrem Körper, um dann das Leben auszuhauchen: um 02.00 Uhr waren praktisch keine lebenden Eintagsfliegen mehr zu finden – Insektensterben auf ganz natürliche Art und Weise.

Nach dem Massaker letzte Nacht waren heute morgen die Spatzen, Hornissen und Ameisen in meinem Garten mit dem Aufräumen der Insektenleichen beschäftigt. Das Phänomen des Massenflugs findet allabendlich über einen Zeitraum von ein bis zwei Wochen statt, im Jahr 2019 übrigens zwei Wochen später als 2018 . Dabei werden astronomische Mengen an Insekten übers Land verteilt, die meisten davon verenden ohne ein neues Gewässer zur Eiablage erreicht zu haben.

Davon profitieren andere Auenbewohner, Fische,Vögel, Fledermäuse können sich ohne großen Aufwand den Bauch vollschlagen und Energiereserven für Wanderungen und das Winterhalbjahr anlegen. Das periodische Auftreten großer Mengen von lebender oder auch toter Biomasse rund um die Flüsse ist ein normaler Vorgang und macht nicht zuletzt den Wert der großen Auenlandschaften aus.

Mehr Infos:  Eintagsfliegen – Manna der Flüsse

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