Leere am Futterhäuschen? Wintervögel zählen!

Aktuell melden Vogelbeobachter im ganzen Land, dass in den Gärten auffallend wenige Vögel zu sehen sind.
Auch innerhalb der AGNU wurde vom Ausbleiben häufiger Arten berichtet wie Blaumeise, Kohlmeise und Buchfink, die sich üblicherweise zu dieser Jahreszeit am Futterhäuschen einstellen würden. Eine erste Auswertung von Daten des Beobachtungsportals Naturgucker.de bestätigt, dass bei einigen Vogelarten, die im November aus Gärten gemeldeten Zahlen deutlich unter den November-Zahlen der Vorjahre liegen.
Wir haben bei kompetenten Stellen des NABU und der Vogelschutzwarte in NRW nachgefragt und es gibt verschiedene Vermutungen.
– Die Waldbäume haben in diesem Jahr reichlich Samen entwickelt – eine Snackbar für Eichhörnchen und Vögel, die davon lange knuspern können. In solch einem Mastjahr finden Meisen und Finken viel Futter in den Wäldern und halten sich weniger in Gärten zur Nahrungssuche auf.
– Andererseits könnte ein geringerer Bruterfolg in diesem Jahr bei uns und in den nördlich und östlich gelegenen Herkunftsgebieten unserer Wintergäste zu einer tatsächlich geringeren Zahl von Vögeln in diesem Winter geführt haben.
– Bruterfolge in diesem Frühjahr waren aufgrund nasser und kalter Witterung schlecht. In der Folge ist der Bestand diesjähriger Jungvögel in Herbst und Winter deutlich geringer als sonst.
– Schließlich ist der Zuzug aus Skandinavien und Sibirien möglicherweise auch durch schlechte Wetterbedingungen geringer als sonst.
– Einige Vogelarten wurden durch Seuchen geschwächt. Dennoch – der Amselbestand scheint stabil zu sein.
Den eigenen Garten attraktiv für Vögel zu machen ist zudem nicht schwer: Überlassen Sie „wilde Ecken“ sich selbst, pflanzen Sie einheimische Sträucher und vermeiden Sie – aber wem sagen wir das – „Insektenvertilger“!

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Birkenzeisig, Acanthis flammea. Quelle/Foto: GDFL-Lizenz: Cephas

Übrigens: man kann bei genauem Hinschauen auch in Haan Glück haben: vor einigen Jahren haben wir an einer Futterstelle auf dem katholischen Friedhof einen Trupp Birkenzeisige beobachtet, der gar nicht scheu war. Die Birkenzeisige haben ähnlich wie Bluthänflinge einen gegabelten Schwanz, sind aber an einer dunklen Streifung und einem kürzeren Schwanz zu unterscheiden. Die Weibchen haben bei beiden Arten keine rote Brustfärbung, wie auf dem Foto.

Bundesweite Zählaktion vom 6. bis 8. Januar 2017

Zum siebten Mal rufen NABU und LBV zur bundesweiten „Stunde der Wintervögel“ auf. Neben den „Standvögeln“, die das ganze Jahr über bei uns bleiben, lassen sich zusätzliche Wintergäste beobachten, die aus dem noch kälteren Norden und Osten nach Mitteleuropa ziehen. Nehmen auch Sie sich eine Stunde Zeit und beobachten die Vögel in Garten oder Park. (Genaueres unter: https://www.nabu.de/tiere-und-pflanzen/aktionen-und-projekte/stunde-der-wintervoegel/index.html)

Bei der Aktion 2017 gibt es übrigens folgendes zu gewinnen: Ein hochwertiges Zeiss-Fernglas sowie Ikea-Gutscheine, Bücher, Igelhäuser und Vogelnistkästen, Kosmos-Experimentierkästen, Vogelbücher und Naturstimmen-CDs.

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Erfassung der Großpilzarten der Grube 7

von Karl-Heinz Schmitz

Die Grube 7 ist ein ehemaliger Kalksteinbruch im Haaner Ortsteil Gruiten und seit 1997 als Naturschutzgebiet ausgewiesen. In der Grube 7 wurden beispielsweise schon die Bestände von Pflanzen, Flechten und Moosen erfasst. Die Bestandsaufnahme der vorkommenden Organismen wurde ab Oktober 2014 auf die Großpilze ausgeweitet, seither wurden zu diesem Thema fünf Exkursionen, durchgeführt, vier davon im Herbst/Spätherbst, eine im Frühjahr. Dabei wurden bisher 64 Großpilz-Arten nachgewiesen.

Vorgehensweise

Die meisten Großpilze bilden vergängliche Fruchtkörper, die sich schon nach wenigen Stunden oder Tagen einer Beobachtung entziehen.
Um möglichst das gesamte Artenspektrum zu erfassen, sollten Exkursionen zu jeder Jahreszeit durchgeführt werden. Lediglich niederschlagsarme Zeiträume und Frostperioden brauchen nicht berücksichtigt zu werden. Der Schwerpunkt der Begehungen sollte im Spätsommer bis Spätherbst stattfinden, da durch abnehmende Verdunstungsraten selbst bei geringen Niederschlagsmengen die meisten frischen Fruchtkörper aufzufinden sind.
Die Bestimmung der Fruchtkörper erfolgte, wenn möglich, durch Ansprechen der makroskopischen Merkmale am Fundort. In Zweifelsfällen erfolgte eine anschließende Absicherung mittels gängiger Bestimmungsliteratur. Einige Funde erforderten weitergehende mikroskopische Untersuchungen wie z. B. Sporenabwurfpräparate und Sporenvermessungen.

 Einteilung der Pilze
Stellt man die Frage, was überhaupt ein Pilz ist, so wird die Antwort einige Naturfreunde überraschen. Nicht bei dem was wir sehen handelt es sich um den Pilz, sondern bei dem was im Boden, in Laub- und Nadelstreu, hinter Baumrinde oder im Holz und sonstigen Substraten sitzt; eine Vielzahl dünner, meist weißer Fäden, die man Myzel nennt. Was man oberirdisch sieht, sind lediglich die Fruchtkörper. Pilze besitzen kein Blattgrün (Chlorophyll), mit dem sie Sonnenenergie zur Photosynthese nutzen können, sondern sie verwerten fremde, organische Substanzen.
Nach ihrer Ernährungsweise kann man die Großpilze in drei Gruppen einteilen. Die wohl umfangreichste hierunter bilden die
Zersetzer (Saprophyten). Sie ernähren sich überwiegend von pflanzlichen Substanzen wie Humus, Laub, Totholz, Dung oder sogar Holzkohle.
Mykorrhizapilze (Symbionten) hingegen bilden eine Lebensgemeinschaft mit grünen Pflanzen, meist Bäumen, wobei das Myzel eine Verbindung mit dem Wurzelwerk der ausgewählten Pflanze eingeht und wie ein vergrößertes Wurzelwerk die Nahrungsaufnahme dieser verbessert. Die Pflanze ihrerseits beliefert den Pilz mit den für ihn notwendigen Stoffen.
Schmarotzer (Parasiten) ernähren sich meist von lebenden Pflanzen und machen unter den Großpilzen nur einen kleinen Teil aus. Einige Arten, wie der bekannte Echte Zunderschwamm, wachsen zunächst parasitisch und leben nach dem Absterben des Wirtsbaumes oft noch jahrelang als Saprophyten, bis das Holz vollständig zersetzt ist.

Es folgt eine kleine Auswahl von Pilzen die bisher in der Grube 7 gefunden wurden:

Eine weitere Klassifizierung wird nach folgenden Gruppen vorgenommen:
Schlauchpilze – Ascomycetes
Nichtblätterpilze – Aphyllophorales
Bauchpilze – Gasteromycetes
Sprödblättler – Russulales
Röhrenpilze – Boletales
Blätterpilze – Agaricales
Schleimpilze – Myxomycetes

Fundliste
Es konnten in sämtlichen, vorher aufgezählten Gruppen, Funde verzeichnet werden. Angesichts der anhaltenden Trockenperiode in 2016 konnte die Herbstexkursion erst am 30. Oktober durchgeführt werden. Hierbei konnten dann erneut eine große Anzahl von Pilzen vorgefunden werden, darunter auch wieder einige Neufunde.

Gesamtfundliste 2014-2016
Gattung / Art Deutscher Name
Bovista pusilla Zwergbovist
Clitocybe dealbata Feldtrichterling
Clitocybe fragrans Langstieliger Dufttrichterling
Clitocybe inornata Grauweißer Trichterling
Coprinopsis atramentarius Faltentintling
Coprinopsis spec. Tintling
Coprinus comatus Schopftintling
Cortinarius alboviolaceus Weißvioletter Dickfuß
Cortinarius caninus Rostbrauner Dickfuß
Cortinarius flexipes Geranien-Gürtelfuß
Cortinarius spec. Gürtelfuß
Cortinarius spec. Schleierling
Cortinarius subbalaustinus Zimtblättriger Birkenwasserkopf
Cuphophyllus virgineus Schneeweißer Ellerling
Galerina marginata Gifthäubling
Galerina vittiformis Viersporiger Mooshäubling
Ganoderma applanatum Flacher Lackporling
Gymnopus peronatus Brennender Rübling
Hebeloma crustiliniforme Tongrauer Fälbling
Hebeloma mesophaeum Dunkelscheibiger Fälbling
Hebeloma sinapizans Rettichfälbling
Helvella acetabulum Hochgerippte Becherlorchel
Hygrocybe calciphila Kalkholder Saftling
Hygrocybe conica Schwärzender Saftling
Hygrocybe insipida Gelbrandiger Saftling
Hymenoscyphus spec. Stängelbecherling
Hypholoma fasciculare Grünblättriger Schwefelkopf
Inocybe spec. Risspilz
Kuehneromyces mutabilis Stockschwämmchen
Laccaria tortilis Verbogener Lacktrichterling
Lactarius pubescens Flaumiger Birkenmilchling
Leccinum scabrum Birkenpilz
Lepista nuda Violetter Rötelritterling
Lycogala epidendrum Blutmilchpilz
Lyophyllum decastes Brauner Büschelrasling
Mycena acicula Orangeroter Helmling
Mycena cinerella Aschgrauer Helmling
Mycena diosma Duftender Rettichhelmling
Mycena haematopus Großer Bluthelmling
Myxomycet spec. Schleimpilz
Oudemansiella mucida Beringter Schleimrübling
Oudemansiella radicata var.marginata Braunschneidiger-Wurzelschleimrübling
Panellus stipticus Herber Zwergknäueling
Paxillus involutus Kahler Krempling
Piptoporus betulinus Birkenporling
Plicaturopsis crispa Krauser Adernzähling
Polyporus brumalis Winterporling
Polyporus ciliatus Maiporling
Polyporus melanopus Schwarzfußporling
Polyporus varius Löwengelber Stielporling
Pycnoporus cinnabarinus Zinnoberrote Tramete
Russula parazurea Blaugrüner Reiftäubling
Russula spec. Täubling
Russula vesca Speisetäubling
Stereum subtomentosum Samtiger Schichtpilz
Stropharia aurantiaca Orangeroter Träuschling
Stropharia caerulea Blauer Träuschling
Suillus luteus Butterpilz
Trametes ochracea Zonentramete
Trametes hirsuta Striegelige Tramete
Trametes versicolor Schmetterlingstramete
Tricholoma myomyces Mausgrauer Erdritterling
Typhula filiformis Binsenkeule
Xylaria hypoxilon Geweihförmige Holzkeule
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Vorsicht ist die Mutter der Lachshäppchens

Rechtzeitig vor Weihnachten noch ein kleiner appetitanregender Beitrag aus der Verbraucherschutzecke:  Greenpeace hat Ende November/Anfang Dezember 2016 insgesamt 54 Fischprodukte im  Labor auf Ethoxyquin untersuchen lassen.

Das Resultat: In allen 38 Speisefischen, die aus konventioneller Aquakultur stammen, wurde Ethoxyquin nachgewiesen. Die Fischproben stammen aus deutschen Supermärkten und Biomärkten. Untersucht wurde Tiefkühlfisch sowie geräucherter und frischer Fisch aus Aquakultur, Bio-Aquakultur und Wildfänge.
Bei 32 Proben der Zuchtfische lag die Ethoxyquin-Belastung über dem gesetzlichen Grenzwert für Fleisch, d.h. es wurde Ethoxyquin von über 50 Mikrogramm pro Kilogramm (50 μg/kg) gefunden. Für Fisch gibt es bisher keinen Grenzwert.

Ethoxyquin ist eine Chemikalie, die früher als  Pflanzenschutzmittel verwendet wurde, aber für diesen Zweck EU-weit seit 2011 verboten ist. Ethoxyquin wird jedoch nach wie vor in großen Mengen konventionellem Tierfutter beigemengt, um dieses für den Transport haltbar zu machen. Wer sich über die Chemie des Ethoxyquins informieren will findet hier ein paar basale Informationen.

Die ganze Geschichte ist übrigens nicht neu, die Ethoxyquin-Diskussion gibt es schon lange, der europäische Lebensmittelbehörde EFSA Studien fehlen angeblich Studien zu Langzeitauswirkungen. Da kann man aus Verbraucherschutz-Sicht nur sagen: Vorsicht ist die Mutter der Lachshäppchen, wer die Wahl hat sollte lieber einen Bogen um cyclische Kohlenwasserstoffe machen, auch wenn sie „nur“ zur Konservierung eingesetzt werde. Verbotene Pflanzenschutzmittel haben in Fisch nichts zu suchen, Fische aus konventioneller (auch zertifizierter!) Aquakultur sollte man besser im Regal liegen lassen und Wildfische wählen.

Die komplette Greenpeace-Tabelle zum Anschauen und Ausdrucken vor dem Einkauf des Weihnachtsessens findet sich hier zum Download. Darin finden sich übrigens auch eine ganze Reihe unbelasteter Produkte, auch aus der Rubrik „Gut und günstig“.

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Artenschutz durch Habitatmanagement – Der Mythos von der unberührten Natur.

cover_kunz_artenschutzLandauf und landab machen alle aktiven Naturschutzgruppen im Winterhalbjahr das Gleiche: Sie verhindern, daß der Wald weiter vordringt, sie sägen, mähen Magerrasen und verbuschte Hänge, räumen ab und stellen Fels- und Lösswände frei. Weil sie den Wert der Offenland-Flächen für den Artenschutz kennen!
Dabei gibt es immer mal Widerstand aus der Bevölkerung, die Maßnahmen werden als Naturzerstörung wahrgenommen (was sie ja auch sind) und erregen Unverständnis und Empörung. Man erinnere sich nur an die elende Diskussion um die Pflege- und Verkehrsssicherungsmaßnahmen im Neandertal vor ein paar Jahren.
Großflächiges technisches Biotop-Management ist gegenwärtig politisch kaum durchsetzbar, und wo es stattfindet gibt es Proteststürme der (zunehmend ahnungslosen) Bevölkerung.

Dabei ist der Fachwelt seit langem klar: […] Das Problem des gegenwärtigen Artenschwundes in Mitteleuropa kann nur unzureichend dadurch gelöst werden, dass bestimmte Habitate, in denen seltene Arten noch vorkommen, der Bewirtschaftung entzogen werden, zu Naturschutzgebieten erklärt werden und im Wesentlichen sich selber überlassen werden. Stattdessen müssen die unter Schutz gestellten Gebiete vor der Natur geschützt werden. […]
Wer das sagt? Der Autor Werner Kunz ist emeritierter Professor am Institut für Genetik der Uni Düsseldorf, und vielen durch engagierte Vorträge zu Naturschutzthemen bekannt. Zum Thema Artenschutz hat er jetzt ein neues Buch vorgelegt, das hier als Lesetipp für Weihnachten oder die restlichen „langen Winterabende“ vorgestellt wird.
Werner Kunz – Artenschutz durch Habitatmanagement: Der Mythos von der unberührten Natur

Lange als unumstößlich geglaubte Thesen gegebenenfalls neu überdenken: Das ist das Motto von Josef Reichholf, der im Vorwort zum Buch geschrieben hat: „Die Beispiele, die Werner Kunz aus seiner langen Praxis in der Artenschutzforschung in diesem Buch zusammengestellt hat, eröffnen eine neue Sicht und zukunftsträchtige Ansätze. Vorurteilsfrei und sorgfältig studiert, kann sein Buch ein ähnlicher Meilenstein und Wendepunkt für den Naturschutz werden, wie Rachel Carsons Stummer Frühling
Vielleicht hat der eine oder andere noch Zeit und Interesse sich das Werk unter den Weihnachtsbaum zu legen, als wichtigen Beitrag zur Debatte über die Zukunft des Natur- und Artenschutzes:

Werner Kunz – Artenschutz durch Habitatmanagement: Der Mythos von der unberührten Natur – Mit einem Vorwort von Josef H. Reichholf. 314 Seiten,

Wiley-VCH-Verlag, November 2016
ISBN: 9783527342402, Preis 59,90 €
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Exkursion zu den Orchideen der Eifel

Am 17. Mai 2016 unternahm die Naturfoto AG der AGNU Haan eine Exkursion in die Naturschutzgebiete bei Bad Münstereifel, um Orchideen zu fotografieren. Die Fotografen fanden elf sehr unterschiedliche Orchideen-Arten.

Kuttenberg

Orchideenreicher Magerrasen am Kuttenberg bei Eschweiler (Foto: Dick Schakel)

Frühling ist Orchideenzeit. Nicht für die gezüchteten, die wir im Baumarkt kaufen können, die eigentlich im tropischen Regenwald zu Hause sind, sondern für unsere heimischen, hier wild wachsenden Orchideen. 41 Arten dieser Orchideen gibt es in Nordrhein-Westfalen, sie sind selten und alle geschützt. Sie stehen auf der Roten Liste der in NRW gefährdeten Farn- und Blütenpflanzen (Fassung 1999).
Gleich zu Beginn der Wanderung war die Begeisterung perfekt, als sich der Blick auf die Orchideen-Wiese am Kuttenberg auftat. Herrliches Purpur-Knabenkraut stand dutzendweise in voller Blüte da. Der Grasbewuchs dieser Wiese ist im Mai noch kurz, so dass diese Orchideen wie purpurfarbene Kerzen dort standen – 50 bis 60 cm hohe Pflanzen über die ganze Wiese verteilt.
Eine Orchideenblüte besteht aus fünf Blütenblättern und einer Lippe. Die Blütenblätter beim Purpur-Knabenkraut sind außen dunkel purpur bis rotbraun und innen rötlich. Sie bilden zusammen über der Lippe einen Helm. Die größere dreigeteilte Lippe ist weißlich-rosa mit vielen kleinen braunroten Papillenbüschen. Das Purpur-Knabenkraut wird von Insekten bestäubt. Es ist aber eine Nektartäuschblume, die die Insekten mit Farbe und Duft lockt, sie aber täuscht, denn Nektar hat sie keinen zu bieten.
c-Expedition-Eiffel-100_01c-Expedition-Eiffel-101_01Am Boden hat diese Orchidee einige grüne Blätter, aus denen heraus wächst der prächtige Blütenstand mit den vielen Einzelblüten.


Eine ganz andere Orchidee ist die Fliegen-Ragwurz, eine zierlich-schlanke Pflanze, die 20 cm hoch wird. Sie hat am Grund einige grüne Laubblätter, aus denen der Stängel mit nur wenigen Blüten herauswächst.
Die Lippe ist braun mit einem hellen Mal in der Mitte. Selten gibt es von dieser Orchideenart eine Pflanze, die gelbe Blüten ausbildet. Wir hatten auf unserer Exkursion das Glück, eine solche zu finden.
Hunderte von Exemplaren wuchsen verstreut auf dieser Wiese. Aber sie fallen nicht ins Auge. Eigentlich sind bei ihr 3 Blütenblätter grün und 2 braun und schmal.
Die Fliegen-Ragwurz ist eine Sexualtäuschblume. Sie täuscht Männchen einer Grabwespenart mit Duft und Behaarung ein Weibchen vor. Bei dem vermeintlichen Versuch, sich mit einer artgleichen Partnerin zu paaren, bestäubt das Wespenmännchen die Orchideenblüte.
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Das Männliche Knabenkraut fanden wir am hinteren Teil der Wiese. Dort wuchsen etwa 50 kräftige und robuste, ca. 20 cm hohe Exemplare. Diese Orchidee hat auch am Grund einige Laubblätter, die grün oder braun gefleckt sein können. Der Blütenstand mit vielen Blüten erhebt sich in einer Ähre über die Blätter.
Die Farbe der Blüten des Männlichen Knabenkrautes kann stark variieren. Kräftig purpurfarbene Blüten, aber auch sehr viel hellere kommen vor. Wir hatten das Glück, eine albiflora – eine weiß blühende Pflanze – zu finden. Sie sind selten.
Auch sie ist eine Nektartäuschblume, die Hummeln und Bienen durch Duft und Farbe anlockt aber keinen Honig bietet.
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In einer Hecke, die an die Wiese grenzt, fanden wir eine ganz andere Orchidee: die Vogel-Nestwurz. Das ist ein Parasit, eine Pflanze, die sich nicht selbst ernährt, denn sie hat kein Blattgrün, kann folglich nicht assimilieren, um sich selbst zu ernähren. Das ist der einzige Parasit unter unseren heimischen Orchideen. Die Pflanze wird bis zu 35 cm hoch, hier aber waren es nur 15 cm. Die ganze Pflanze ist gelblich-braun, sie hat keine Blätter aber einen reichblütigen Stängel.
Schön ist weder die ganze Pflanze noch die Blüte, aber sie bietet ihren Bestäubern tatsächlich Nektar an den Blüten. Bestäuber sind Ameisen.


Sieben weitere Orchideen-Arten haben wir auf dieser Exkursion fotografieren können: An einem Tag eine solche Menge an heimischen Orchideen in der freien Natur zu finden, ist schon außergewöhnlich. Die Exkursion war halt zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort.

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Fotos und Text: Dr. Hans Maier-Bode, Mitglied der Naturfoto AG der AGNU Haan


Link: Kuttenberg im WEB

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Lebensraum der Kreuzkröte

Die Kreuzkröten aus der Grube 7 haben sich nach meiner Einschätzung wegen der nicht mehr passenden Gewässerstruktur schlicht und einfach verzogen. Dabei legen die Tiere manchmal viele Kilometer zurück, wie sich das für Pionierarten gehört.

Der Juni 2016 ist schon fast rum, und endlich kommt so etwas wie Sommerwetter auf. Ein kleiner Trost: Nicht für alle Tierarten war das Wetter der letzten Wochen schlecht. Die Kreuzkröte Bufo calamita ist eine Pionier-Art, die für ihre Vermehrung unbedingt auf temporäre, also austrocknende Gewässer angewiesen ist. Stark mit Pflanzen bewachsene Stillgewässer, in dem Libellenlarven und andere Amphibien wie dem Erdkröte ablaichen, werden von Kreuzkröten gemieden.
Hier noch mal rasch ein paar Bilder zur ewig währenden Diskussion über die Kreuzkröte und ihr ehemaliges Vorkommen in der Grube 7 in Haan. Die Fotos stammen aus der Wahner Heide, wo die Kreuzkröte riesige kopfstarke Vorkommen hat, könnten in gleicher Weise von Industriebrachen im Ruhrgebiet und in Betrieb befindlichen Steinbrüchen und Sandgruben (z.B. Erkrath-Bruchhausen) stammen. Durch die starken Niederschläge der letzten Wochen stehen dort große Pfützen an vielen Stellen, wo normalerweise überhaupt kein Gewässer vorhanden ist. Dort haben offenbar in den letzten Wochen die Kreuzkröten abgelaicht.

Und mit ein bisschen Wetterglück werden an solchen Pfützen viele Quappen auch die Metamorphose erreichen: Bufo calamita hat eine extrem kurze Entwicklungszeit von nur 3-10 Wochen von der Eiablage bis zum Verlassen des Wassers.

Aktuell sind im Umfeld von Haan auf der Gleisbrache in Vohwinkel kleine, neu angelegte Teiche besiedelt worden Und übrigens einige Großbaustellen in Düsseldorf, wo die letzten Nachweise schon viele Jahre zurücklagen.

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Fünf gehäufte Esslöffel Gift pro Nase

Das wichtigste verbraucherpolitische Prinzip in Europa lautet: „Im Zweifel nein.“ Gibt es Hinweise, dass ein Stoff gesundheitsschädlich ist, dann darf er in der Europäischen Union nicht zugelassen werden. Im Falle des Unkrautvernichters Glyphosat liegen mehr als konkrete Hinweise auf dem Tisch, dass das Mittel Krebs erregt.

Was soll man zu einem Berufsstand sagen, der einen gut Teil seiner Zeit damit zubringt, die Artenvielfalt bei Tieren und Pflanzen zu bekämpfen, die Strukturvielfalt der Landschaft plattzuwalzen und die Belastung der Umwelt mit Giftstoffen zu erhöhen? Richtig: Die konventionelle Landwirtschaft hat die Berechtigung verspielt, sich über Naturschutzfragen zu äußern!

Daß die Bauern schon zu allen Zeiten das maximal mögliche an Ertrag aus ihren Flächen herausholen, ist ja nichts Neues, das war schon immer so. Neu – betrachtet man die letzten Jahrzehnte – ist lediglich, dass sich die Methoden stark verändert und heute fast ausschließlich rabiate chemische Methoden zum Einsatz kommen. Während früher die ausbeuterische Landwirtschaft zu höherem Artenreichtum führte – Stichworte sind z.B. extensive Hütehaltung, Niederwaldwirtschaft, Dreifelderwirtschaft – ist es heute umgekehrt: Die Landschaft wird den Großmaschinen angepasst, die Nutzpflanzen-Konkurrenz mit Gift niedergehalten. Und alles was sich nicht mit Großmaschinen und Gift bewirtschaften lässt – Bachtäler, Steilhänge ind steinige magere Böden –  wurde aufgegeben und wird in kurzer Zeit vom Wald zurückerobert.

Das Ergebnis ist der schon in den 60er Jahren von der Biologin Rachel Carson prognostizierte „Stumme Frühling“: Im Kreis Mettmann keine erfolgreiche Kiebitzbrut mehr, Schafstelze sehr selten, Feldlerche fast ausgerottet, Feldsperling verschwunden. Von den Schmetterlingen und anderen Insekten erst gar nicht zu reden, deren Zahl und Biomasse nimmt seit vielen Jahrzehnten dramatisch ab: Experten schätzen die Zahl der Schmetterlinge auf heute unter 1 Prozent, verglichen mit der Zeit vor etwa 100 Jahren.
Aktuell ist zum Beispiel ein dramatischer Aufruf der Österreichischen Schmetterlingsexperten unter dem Titel „Ausgeflattert: Der stille Tod der österreichischen Schmetterlinge„. Ein Zitat aus der Einleitung der Studie: „Der massive Einsatz von unspezifisch wirksamen Insektiziden und Pflanzenschutz-Mitteln ist ein wichtiges Gefährdungspotenzial für Schmetterlinge. Durch Verdriftung sind auch Bereiche abseits der intensiv genutzten Agrikulturflächen und selbst Schutzgebiete bedroht. Einschränkungen des Pestizideinsatzes im Nahbereich zu naturnahen Ökosystemen oder extensiv bewirtschafteten Agrarökosystemen sowie generell ein möglichst minimierter, sorgsamer Umgang mit Pestiziden bzw. der Verzicht auf chemisch-synthetische Wirkstoffe sind ein Gebot der Stunde.

Nachdem das Aussterben der Tiere des Offenlandes jahrelang eigentlich keinen ausser ein paar Umweltspinnern interessiert hat, ist in den letzten Monaten erstaunliches passiert: Glyphosat, der meist verwendete Unkrautvernichter überhaupt, geriet zuerst in die Muttermilch, dann ins Bier und danach in die Schlagzeilen. Und als die Aufregung richtig groß wurde entdeckte die SPD das Thema. Lässt sich doch damit herrlich der bräsige Bundeslandwirtschaftsminister Schmidt von der CSU vorführen, und eine Sollbruchstelle in der Großen Koalition holt die Wähler vielleicht aus der Apathie. Die weitere Zulassung für das Supergift Glyphosat – in Deutschland werden 6.000 Tonnen ausgebracht, wurde zum As im Pokerspiel zwischen den Parteien, Agrarkonzernen und der Europäischen Kommision. Die EU-Kommission hat die Verlängerung der Glyphosat-Zulassung am 6. Juni nach meheren Probeabstimmungen zur Abstimmung gestellt. Das Ergebnis: Keine Mehrheit für Glyphosat. Deutschland enthielt sich der Stimme. Eine herbe Niederlage für die EU-Kommission und die Glyphosat-Hersteller. Wie die Geschichte am Ende ausgeht ist allerdings noch offen: Die Entscheidung liegt jetzt im Berufungsausschuss, wenn der sich ebenfalls nicht einigt, muss die EU-Kommission im Alleingang entscheiden.

Tief enttäuscht zeigte sich der europäische Branchenverband ECPA, der große Agrochemie-Konzerne vertritt: Wenn es nicht gelinge, Glyphosat weiter zuzulassen, „hätte das erhebliche negative Folgen für die Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Landwirtschaft, die Umwelt und die Fähigkeit der Bauern, sichere und erschwingliche Lebensmittel herzustellen„, warnte der Verband. Den Passus mit der Umwelt glauben diese Unbelehrbaren von der Giftindustrie nicht einmal selbst. Die Lebensmittelpreise sind in Deutschland so tief wie nirgendwo anders in Europa. Und daß Konzerne wie Monsanto Rücksicht auf die Gesundheit und Sicherheit der Menschen nehmen, das glaubt überhaupt niemand! Nicht umsonst hat der Konzern wegen rabiater Methoden seit Jahrzehnten den Spitznamen „Monsatan“.

Eine kleine Rechnung: 6000 Tonnen = 6000.000.000 Gramm geteilt durch 80.000.000 Einwohner in Deutschland = 75 Gramm Glyphosat, die jedes Jahr pro Einwohner auf die Fläche der Bundesrepublik ausgebracht werden. Das sind nach der alten Küchenregel fünf gehäufte Esslöffel Unkrautvernichtungsmittel, für jedes Kleinkind, jede Oma, und auch für jeden Konzernvorstand in Deutschland. Wer sich ein wenig mit den Wirkungen solcher Stoffklassen beschäftigt, der weiß, daß alle Substanzen, die in den Grundstoffwechsel eingreifen, nicht wirklich gesund sein können. In sofern ist es ein Wunder, dass es so lange dauert bis bei Stoffen, die in Massen ausgebracht werden, auch massive gesundheitliche Schäden beim Menschen nachgewiesen werden können. Eine Diskussion die übrigens bei unseren nächsten Nachbarn schon ganz anders entschieden wurde: In Frankreich sind Krankheiten wie Parkinson und Leukämie (Non-Hodgkin-Lymphom) längst als Berufskrankheiten bei Landwirten anerkannt.

Aktuell liegt der Ball, was die Zulassung von Glyphosat angeht, im Vermittlungsausschuss der EU-Kommission. Ob dieser sich über das negative Votum der EU-Staaten hinwegsetzt, ist fraglich, die Herren wollen ja auch wiedergewählt werden.
Was kann jeder einzelne tun? Hier mal nach meiner Ansicht drei wichtigsten Punkte:

  • Kauft anständig ein, bei Lebensmitteln aus Industrieproduktion ist Vorsicht die Mutter der Porzellankiste.
  • Sprecht mit euren Landwirten, die müssen endlich mit der Giftwirtschaft aufhören, es gibt gute Alternativen!
  • Nehmt Einfluss auf Eure Volksvertreter, auch Lokalpolitiker aller Partein sind lernfähig!

Links: Monsatan bei Twitter
Kampagne: Glyphosat muss vom Tisch!

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