Ex und Hopp – vom Blick in den Straßengraben

Zum störungsfreien Betrieb der deuschen Gesellschaft gehören angeblich die sogenannten Sekundärtugenden wie zum Beispiel  Pünktlichkeit, Zuverlässigkeit, Ordnungsliebe, Höflichkeit, und nicht zuletzt die Sauberkeit. Mit letzterer geht es ständig abwärts.

Viele Mitbürger werfen ihren Müll während der Fahrt aus dem Autofenster, man weiß nicht was dabei überwiegt, Dummheit oder Faulheit? Die Kreisbehörden sparen sich zudem aus Kostengründen seit Jahren das teure Aufsammeln des Mülls an ihren Straßen, und nach jeder Mulch-Mahd des Straßengrabens sieht es so dann dort aus wie früher an der Brenner-Passtraße in Richtung Italien.

Raucher sind dabei ganz besondere Umweltferkel. Nicht genug dass überall ihre Kippen herumliegen, was die Umwelt mit Nikotin, Arsen, Blei, Cadmium, Benzol, und anderen Umweltgiften belastet. Weil das so ist, herrscht neuerdings in Urlaubsregionen Rauchverbot an Stränden, so zum Beispiel an sechs Stränden auf Deutschlands 17. Bundesland – Mallorca.

Müll aus zwei Kilometern Straßengraben an der Kreisstraße 20 N, August 2019. Foto: Kübler

Aber auch hierzulande hinterlassen die Raucher und andere Umweltferkel eine Menge Spuren. So sammelte Gruitens engagierter Naturschutzwächter Hans Friebe auf zwei Kilometern Straßengraben insgesamt 40 leere Feuerzeuge, dazu einen Berg Dosen, Flaschen und vier große Tüten Restmüll. Hier einmal malerisch zusammengestellt, ohne weiteren Kommentar.

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Massenflug von Eintagsfliegen Anfang August

Eintagsfliegen satt: Ephoron virgo, Haan, 5. August 2019 (Foto: Armin Dahl)

Haan liegt im Rheinland, oder etwa nicht? Aus Naturschutzsicht betrachtet liegt das Städtchen genau auf der Grenze zwischen den Naturräumen Rheinische Bucht (II) und Bergisches Land (VIa). Diese Naturräume haben im Naturschutz ziemliche Bedeutung, zum Beispiel durch regionalisierte Rote Listen, Förderkulissen für  Naturschutzprojekte, die Berichtspflicht der Behörden zur FFH-Richtlinie und vieles mehr.

Die Grenze zwischen den Naturräumen verläuft in Haan ungefähr auf der 100m-Höhenlinie, markiert durch die Steigung zwischen Spörkelnbruch und Erkrather Straße in Unterhaan. Der größte Teil von Haan liegt also im Bergischen Land, und keine 50 der mehr als 30.000 Haaner Einwohner – unter anderem der Autor dieser Zeilen – sind „echte“ Rheinländer.

Was die Tier- und Pflanzenwelt angeht, strahlt der Rhein allerdings weit ins Bergische hinein. Beispiele sind die Zauneidechsen, die sich entlang der Bahnlinie bis nach Wuppertal ausbreiten, und Wärme liebende Heuschreckenarten wie die Blauflügelige Ödlandschrecke, die neuerdings in den Haaner Steinbrüchen (z.B. Grube 10) aufgetaucht ist.

Ein Spektakel der ganz besonderen Art findet alljährlich Anfang August statt, wenn die Wassertemperaturen im Rhein besonders hoch sind, und die Nächte schwül-warm. Dann findet eine der größten Massenwanderungen von Tieren statt: Der Schlupf der Eintagsfliegen. Die Larven der 3-4 cm Spannweite messenden „Augustfliege“ Ephoron virgo leben im Rhein, filtrieren dort Algen und andere Schwebstoffe aus dem Flusswasser.  Die Entwicklung der Larven dauert zwei Jahre, und dann schlüpfen die Tiere alle auf einmal aus, paaren sich und steigen in ganzen Wolken über dem Fluss auf. Mit dem meist aus Südwesten wehenden Wind werden sie danach weit ins  Bergische Land verdriftet, und erscheinen dort dann mitten in der Nacht in ungeheuren Mengen.

Ein solches Schneegestöber aus Eintagsfliegen war letzte Nacht in Haan, Erkrath und Umgebung zu beobachten, in meinem Garten zusätzlich angefeuert durch die Lockwirkung der UV-Lampe, mit der ich dort Nachtfalter beobachte. Um 23.00 kam das erste Tier, innerhalb weniger Minuten war der Boden um die Leuchtanlage von Tieren bedeckt, tausende von Weibchen pressten noch schnell die gelblichen Eipakete aus ihrem Körper, um dann das Leben auszuhauchen: um 02.00 Uhr waren praktisch keine lebenden Eintagsfliegen mehr zu finden – Insektensterben auf ganz natürliche Art und Weise.

Nach dem Massaker letzte Nacht waren heute morgen die Spatzen, Hornissen und Ameisen in meinem Garten mit dem Aufräumen der Insektenleichen beschäftigt. Das Phänomen des Massenflugs findet allabendlich über einen Zeitraum von ein bis zwei Wochen statt, im Jahr 2019 übrigens zwei Wochen später als 2018 . Dabei werden astronomische Mengen an Insekten übers Land verteilt, die meisten davon verenden ohne ein neues Gewässer zur Eiablage erreicht zu haben.

Davon profitieren andere Auenbewohner, Fische,Vögel, Fledermäuse können sich ohne großen Aufwand den Bauch vollschlagen und Energiereserven für Wanderungen und das Winterhalbjahr anlegen. Das periodische Auftreten großer Mengen von lebender oder auch toter Biomasse rund um die Flüsse ist ein normaler Vorgang und macht nicht zuletzt den Wert der großen Auenlandschaften aus.

Mehr Infos:  Eintagsfliegen – Manna der Flüsse

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Insekten auf der Ökowiese in Kriekhausen

Im Hochsommer,  wenn die Kräuter und Gräser nach dem ersten ersten Schnitt wieder austreiben, zeigt sich, was an Insekten in einer Wiese wirklich drinsteckt.

Jetzt ist die Zeit der Grashüpfer gekommen, und wenn die Mähmethode stimmt, dann springt oder fliegt bei jedem Schritt irgend so ein Tierchen vor den Füßen weg. Auf Flächen die etwas höher als normal geschnitten werden – wie in Kriekhausen – treiben die Kräuter besonders schnell wieder aus, und als eine der ersten Pflanzen kommt der Hornklee (Lotus corniculatus) erneut zur Blüte. Die Pflanze gehört zu den Hülsenfrüchtlern (Fabaceae) und viele Schmetterlingsarten saugen am Hornklee, der sehr viel Nektar produziert. Den Namen hat die Pflanze von den Samen, die ein auffallendes Horn tragen. Hornklee ist eine gute Nahrungspflanze für Wildbienen, sein Nektar enthält nach Angaben aus der Wikipedia durchschnittlich 40 % Zucker.

Hornklee, Wilde Möhre, Altgras: Bei Neuanlage von Wiesen sollten unbedingt einige Brachestreifen ausgenommen werden. Dort überleben die Tierarten, die bereits auf der Fläche vorkamen. Haan, Ökowiese Kriekhausen. 29. Juli 2019 (Foto: Armin Dahl)

Hornklee ist eine mehrjährige Staude, wurzelt bis zu einem Meter tief, und schiebt deshalb auch bei großer sommerlicher Trockenheit nach dem Schnitt schnell wieder Blätter und Blüten aus der unterirdischen Reserve nach. An diesen Zeitpunkt haben sich verschiedene Schmetterlingsarten angepasst, zum Beispiel der bekannteste und häufigste einheimische Bläuling Polyommatus icarus. Dessen Sommergeneration ist in den vergangenen Tagen in erfreulich großen Zahlen geschlüpft. Die Raupen von P. icarus leben an Blüten und Blättern von Hornklee, Rotklee, Hauhechel und anderen Schmetterlingsblütlern.

Viel unauffälliger ist der Hornklee-Glasflügler Bembecia ichneumoniformis, der ebenfalls in der Region häufig und an vielen Stellen zu finden ist. Die kleinen, wespenartig gezeichneten Tierchen fliegen in langsamem Flug in den Hornkleebeständen herum, und lassen sich mit etwas Geduld leicht beobachten. Wer dafür keine Zeit hat, der kann sich ein Pheromonpräparat besorgen, und dann gibt es bei sonnigem Wetter in „guten“ Wiesen eine wilde Party: Die Männchen von B. ichneumoniformis stürzen sich, kaum ist das Präparat ausgelegt, in Schwärmen auf das vermeintliche Weibchen und versuchen sich mit dem Gummistöpsel, in dem das Pheromon steckt, zu paaren. Nach kurzer Zeit folgt dann die Erkenntnis, dass hier irgendwas nicht stimmen kann, und die ganze Bande verschwindet wieder. Dann muss der faule Entomologe ein paar Meter weiterlaufen, und die Show beginnt von vorne, siehe Video.

Die Raupen des Hornklee-Glasflüglers entwickeln sich unterirdisch in den Wurzeln von Lotus corniculatus, die Falter fliegen von Mitte Juni bis in den August hinein. Auf den Flächen in Kriekhausen wuchs der Hornklee schon vor der Übernahme durch die AGNU, und auch die ichneumoniformis-Raupen müssen eigentlich schon auf der Fläche vorhanden gewesen sein.

Prinzip der Entwicklung: Nie alles auf einmal!

Die üblichen Empfehlungen für eine neu angelegte „Ökowiese“ haben alle einen Schwerpunkt auf der optimalen Entwicklung der Pflanzenwelt, und das was dort an sogenannter „Bodenvorbereitung“ empfohlen wird, zerstört durch Pflügen, Fräsen, Säen, Walzen und Pflegeschnitte zuerst einmal fast die komplette Tierwelt. Um die bereits in der Fläche vorhandenen Insekten-Populationen bei der Neueinsaat zu erhalten, haben wir bei der Anlage der Wiese in mehreren Schritten gearbeitet, verteilt über zwei Jahre: Und außerdem haben wir ein paar breite Streifen von der Neueinsaat ausgenommen. Bricht man alles auf einmal um, dauert die (Wieder-)Besiedelung erfahrungsgemäß viel länger!


Links

Hornklee-Glasflügler bei observation.org

Anleitung für Neuanlage von Blühwiesen

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Naturschutzwacht ohne Rückhalt – der Kreis resigniert

Jährlich versammelt die Untere Naturschutzbehörde des Kreises Mettmann die 22 bestellten Naturschutzwächter zu einer Besprechung. Alle Jahre wieder gibt es die immer gleichen Klagen, passieren tut – nichts!

Die Naturschutzwächter bemängeln vor allem:

  • nicht angeleinte Hunde in FFH- und Naturschutzgebieten und auf landwirtschaftlichen Flächen
  • Pferde ohne Reitmarken
  • Reiter mit frei laufenden Hunden
  • Mountainbiker abseits der Wege

Die Aufgabe der Naturschutzwacht wird so beschrieben:
„Die Naturschutzwacht soll die zuständigen Behörden über nachteilige Veränderungen in der Landschaft benachrichtigen und darauf hinwirken, dass Schäden von Natur und Landschaft abgewendet werden (§ 69 Landesnaturschutzgesetz NRW).

Dieser Aufgabe wird die Naturschutzwacht dadurch gerecht, dass sie über die Ziele von Naturschutz und Landschaftspflege aufklärt, etwaige Störer an Ort und Stelle auf die tatsächlichen und rechtlichen Folgen ihres Tuns hinweist oder im Falle uneinsichtiger Störer Vorgänge zur Anzeige bringt, sowie dadurch, dass sie der Naturschutzbehörde Vorschläge über Schutz-, Pflege- und Entwicklungsmaßnahmen in der Landschaft macht.“

Keine Seltenheit: Querfeldein mit den Hunden durch das frisch gemähte Heu. (Foto: A. Dahl, 2005)

In der Praxis zeigt es sich aber immer häufiger, dass die „Störer“ sich nicht an Gebote halten und immer egoistischer, ja sogar aggressiver werden. Ansprachen und Anzeigen helfen scheinbar wenig. Der Vorschlag einer Kontrolle der Gebiete und Durchsetzung der Gebote durch Ordnungskräfte (Polizei) lehnt die Verwaltung ab. Ebenso lehnt sie eine bessere Darstellung der Naturschutzwächter beispielsweise durch (grüne?) Westen mit großem Abzeichen der Naturschutzwacht ab.

Für mich sieht es so aus, dass man pro forma eine Naturschutzwacht im gesamten Kreisgebiet hat, man die ehrenamtlich tätigen Mitarbeiter dort aber allein und ohne wirkliche Befugnis lässt. Der Wunsch, dass sie Fehlverhalten vor Ort erklären sollen, ist in der Regel wirkungslos – ja, die Naturschutzwächter sind eher Beschimpfungen und Bedrohungen ausgesetzt. Oder sie werden einfach ignoriert!

Warum wird in der Stadt das Fehlverhalten (Parkverbot) geahndet und durchgesetzt? Warum klappt es beispielsweise in Berlin, Hamburg oder im benachbarten Düsseldorf in den Parks, dass Verbote (Radfahren untersagt, Hunde nicht angeleint) mit Geldstrafen geahndet werden und daher auch beachtet werden?

Auch wenn der Leiter der Unteren Naturschutzbehörde in Mettmann keinen „Polizeistaat“ will, so sollte man sich doch fragen, warum es dann überhaupt Gebote und Verbote gibt. Es ist einfach, ein Hunde-Anleingebot in Naturschutzgebieten festzusetzen, wenn man es ohnehin nicht kontrollieren will! Das hat aber nichts mit Polizeistaat zu tun. Auch bei Aktivitäten in freier Natur gilt, dass Ge- und Verbote zu beachten sind und es eine klare Verpflichtung der Behörde geben sollte, das auch durchzusetzen.

Warum „kneift“ die Untere Landschaftsbehörde?
Kein Personal – gut, das wäre ein Argument. Aber da sollte doch dann der Landrat, der ansonsten gern auf Recht und Ordnung setzt, Mittel und Wege zur Unterstützung finden! Untermauert mit Pressearbeit sollte es möglich sein, die sogenannten Störer zu einem angemessenen Umgang mit der Natur anzuhalten. Täglich gibt es in der Zeitung Blitzer-Warnungen. Warum nicht auch die Warnung: Heute Kontrollen auf den Wanderwegen im Düsseltal und auf dem Neanderlandsteig?

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Der BRW setzt Zeichen für den Insektenschutz

Sicherlich nicht zu vergleichen mit der 7,5 ha großen, von der AGNU Haan gepflegten Ökowiese Kriekhausen, aber ein ebenso begrüßenswertes Zeichen für den Insektenschutz in und um Gruiten: Das neue Wildstaudenbeet vor der Hauptverwaltung des Bergisch-Rheinischen Wasserverbandes (BRW) ist angelegt!

In den vergangenen Wochen hatte der Wasserverband eine geschätzt 30 Quadratmeter große, sonnenexponierte Teilfläche der Wiese unmittelbar vor seinem Verwaltungsgebäude in der Düsselberger Straße in Gruiten in ein Wildstaudenbeet umgestaltet. Dazu wurde der Oberboden samt Grasnarbe entfernt und durch ein nährstoffarmes Substrat aus Kalksteinschotter mit geringer Kompostbeimischung ersetzt. Als Initialpflanzung wurden verschiedene, meist trockenheitsliebende heimische Wildstauden auf der Fläche gepflanzt. Von Wegwarte und Schwarzer Königskerze über Wiesenstorchenschnabel, Flockenblume und Wiesenwitwenblume bis hin zu Natternkopf und Gemeiner Odermennig ist alles dabei, um nur einige der fachmännisch ausgewählten ein- und mehrjährig wachsenden Wildpflanzen zu nennen. Und da die Insekten und insbesondere die Wildbienen vermutlich nicht lange auf sich warten lassen, wurde die passende Wildbienennisthilfe am Rande des Wildstaudenbeetes gleich mit aufgestellt.

Ein paar Meter weiter, an der „BRW-Villa“ in der Bahnstraße, wird auch für den Insektenschutz gearbeitet. Hier hatten Mitarbeiter des BRW, die über die Woche dienstlich für den Gewässerschutz und für eine ökologische Gewässerentwicklung im Verbandsgebiet zuständig sind, bereits im Frühjahr einen kleinen Blühstreifen im Bürogarten angelegt, der Insekten und Vögeln, wie aktuell dem Distelfink, Unterschlupf und Nahrung bietet. In einer kleinen „Nach-dem-Feierabend-Aktion“ wurde nun auch noch die restliche Wiese rund um das Bürogebäude komplett CO2-neutral mit der Handsense gemäht und das Mahdgut mit tatkräftiger Unterstützung der AGNU mit dem Handrechen abgeräumt. Mit dem Ziel, durch leicht geänderte Pflege über die Jahre eine artenreichere Blühwiese zu entwickeln. Der zweite Mahdtermin Ende September / Anfang Oktober wurde schon ins Auge gefasst, dann sicherlich mit dem passenden Feierabend(malz)bier für die Männer an Sense und Rechen.

Die Aktionen des BRW zeigen sehr gut, dass auch auf kleinen Flächen im Siedlungsbereich und mit vertretbarem Aufwand sinnvolle Beiträge zum Insektenschutz geleistet werden können. Die AGNU freut sich sehr, dass der BRW hier mit gutem Beispiel vorangeht und wird die weitere Entwicklung des Wildstaudenbeetes mit Interesse verfolgen. Und: Wir hoffen auf zahlreiche Nachahmer im öffentlichen sowie privaten Bereich, denn jeder Quadratmeter für die Natur zählt!

AGNU Haan e.V., Uwe Rabe, 13.07.2019

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Ha(a)nebüchen!

Schon 2007 formulierte die Stadt Haan ihr 10-Punkte-Klimaschutzprogramm. Im November 2018 wurde es zuletzt aktualisiert. Gespickt mit Formulierungen wie „Empfehlungen“, „könnten“, „möglichst“ macht es denn Eindruck, dass man sich ja nicht zu irgendetwas verpflichten will.

Das hat dann auch dazu geführt, dass nichts Wesentliches passierte, bestenfalls das, was ohnehin gesetzlich vorgeschrieben war. Wenn dann, wie im Gewerbegebiet Höfgen, ganz mutig Grünbedachung vorgeschrieben wurde, wurde im Nachhinein nicht kontrolliert. Und Sie raten es: Kein einzige Grünbedachung wurde realisiert!

Punkt 5 des Konzepts ist ja aktuell interessant. „Die Stadt Haan wird zukünftig im Rahmen ihrer Beschaffung verstärkt auf Klimaschutzgesichtspunkte achten…“ „Bei Sitzungsvorlagen erfolgen grundsätzlich entsprechende Hinweise zu möglichen Klimaschutzgesichtspunkten und deren Bewertung“.

Letzte Woche konnte man lesen, dass die zur Auswahl stehenden Pflastersteine beim Schwimmbad zur Ansicht ausgelegt werden, mit – jawohl – Steinen aus Vietnam. Dieser Transport wird wohl nicht am wenigsten Energie verbrauchen! Hat da keiner die Hinweise gelesen?

Fazit: Hauptsache, auf dem Papier hat man was getan… Fällt ja keinem auf.

Das Umweltbundesamt publiziert seit Jahren den Newsletter „Klimafolgen & Anpassung“. Da findet man zahlreiche Berichte über Klimaanpassungsprojekte, die deutsche Städte erfolgreich umgesetzt haben mit dem Ziel, die Belastungen durch hochsommerliche Extremtemperaturen für den Bürger zu verringern. Schon im Hitzesommer 2003 starben in Europa 70.000 Menschen an der Hitzewelle. Eine der Hauptgründe ist bekanntlich die zunehmende Versiegelung der Städte.

Jetzt steht in Haan ein umfangreicher Umbau der Innenstadt bevor. Im „Integrierten Handlungskonzept Innenstadt“ wird dieses Problem kaum erwähnt. In allen Fachpublikationen zum Thema Hitzeinseln in Städten wird Entsieglung und Begrünung von größeren versiegelten Flächen als eine der wichtigsten Maßnahmen aufgeführt, um die Stadt an den Klimawandel anzupassen. In der Planung der Stadt ist diese Maßnahme für den Neue Markt nicht vorgesehen. Jetzt ist aber die Stadt Haan Eigentümer der allergrößten Flächen des Neue Marktes. Da soll die Stadt doch das gute Vorbild geben und die Fläche großflächig entsiegeln und begrünen!

Auch in den neuen Plänen zum Haaner Bachtal und der Sandbach ist Klimaanpassung ein Fremdwort. Beides sind wichtige sog. Kaltluftschneisen, die kühle Luft ins Zentrum bringen. Aber asphaltieren möchte man!

Die Stadt und auch jeder einzelne Vertreter der Bürger im Haaner Stadtrat sollten sich dieses Thema einmal zu Herzen nehmen. Da haben andere Städte sich einiges mehr für ihre Bürger eingesetzt. Es ist nämlich wirklich ein Notzustand! Ha(a)nebüchen…!

Text: Joop van de Sande


Zum Nach- und Einlesen:

https://www.umweltbundesamt.de/newsletter-klimafolgen-anpassung

http://www.staedtetag.de/publikationen/materialien/088394/index.html

Innenstadtkonzept für Haan

 

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Ökowiese Kriekhausen – das Kleine Haaner Insektenparadies

Die Konzepte für eine insektenfreundliche Pflege in landwirtschaftlich genutzten Flächen sind seit Jahrzehnten bekannt. Umgesetzt wird davon nur selten etwas. Aber jetzt!

Artensterben und „Stummer Frühling“ sind in den vergangenen nur einem kleinen Kreis von Menschen wichtig gewesen, die breite Bevölkerung versinkt dagegen in der Ahnungslosigkeit. Wer einmal mit einer Schulklasse durch eine blühende Wiese gegangen ist, der weiß wovon ich rede: Artenkenntnis steht nicht auf dem Lehrplan, und schon die Elterngeneration kennt nur eine Handvoll besonders auffällige Tier- und Pflanzenarten. Ein Landwirt, der nicht weiß wie eine Margerite aussieht? Kein Witz, sondern selbst erlebt!  Wozu sollte er sie auch kennen, die Pflanze zeigt ja „mageren“ nährstoffarmen  Boden an, und welcher Bauer braucht das? Die allermeisten Zeitgenossen glauben mittlerweile das Reh sei das Weibchen vom Hirsch, oder etwa nicht?

Und auch die Behörden haben jahrzehntelang das Klassenziel verfehlt, anders kann man die jüngste Pressemitteilung aus dem Landesamt für Umwelt nicht verstehen: Wie das Amt in Essen mitteilte, sei unklar, wie es um die große Mehrzahl der rund 25.000 Insektenarten in NRW bestellt ist. Deshalb sollen in Zusammenarbeit mit Universitäten in den nächsten drei Jahren die Bestände von Heuschrecken und Tagfaltern erfasst werden. Das Ganze wirft Fragen auf, sind doch die Tagfalter und Heuschrecken neben den Libellen die am besten bekannten, und auch vergleichsweise artenarme Tiergruppen. Die Universität Osnabrück soll´s jetzt richten, für 570.000 Euro. Man darf gespannt sein was davon wirklich bei den – bislang vor allem ehrenamtlich tätigen – Kartierern ankommt.

Aber sei es wie es will, die AGNU hat im Sinne einer insektenfreundlichen Umwelt ganz gut vorgelegt. Zum Beispiel mit der Pflege der Steinbrüche, die mittlerweile ein Pilgerziel für Liebhaber des Kaisermantels sind. Und seit vergangenem Jahr mit der Ausgleichsfläche zwischen Autobahn A46, der Hofschaft Kriekhausen und dem neuen Haaner Technopark.

Das Projekt ging bislang eher geräuschlos über die Bühne, so lange es dort nicht viel zu sehen gab. Aber ein wenig Glück gehört dazu, und so waren Frühjahr und Sommer 2018 für die Entwicklung der Insektenfauna optimal. Mittlerweile hat sich auf den Flächen ein spektakuläres Blütenangebot eingestellt, und die Biomasse an Insekten ist beachtlich. Mit eigentlich ziemlich einfachen Mitteln  haben wir nach Ansicht der Rheinischen Post ein „kleines Insektenparadies“ erschaffen. Und von wegen klein: mit über sieben Hektar Fläche erfordert die Ökowiese auch eine Menge an „machine power“, alleine mit Handarbeit ist das nicht zu schaffen.

Die Bunte Wiese ist jetzt offiziell: Pressetermin mit der Stadt Haan . v.l.: Sven Kübler, Armin Dahl (AGNU), Engin Alparslan, Bettina Warnecke, Peter Kannemann (Stadt Haan). Foto: Sonja Kunders

Nach einem Pressetermin der Stadt Haan ist das Projekt jetzt offiziell.  Und deshalb habe ich eine spezielle Seite dafür eingerichtet, die ab jetzt mit Inhalten gefüllt wird. Der Fortgang der Arbeiten, die Entwicklung der Fläche, besondere Beobachtungen: Ein Teil davon wird in Zukunft unter der Rubrik Themen / Ökowiese Kriekhausen zu finden sein.

Projekte wie der Aufbau einer stabilen blütenreichen Wiese und besonders der darin lebenden Tierwelt brauchen erfahrungsgemäß mehrere Jahre: Pläne sind schnell gemacht, aber sie müssen auch durchgehalten und nachjustiert werden, und dafür brauchen wir Geduld, und werden unsere Erfahrungen machen. Aber bereits jetzt hat die Wiese eine ganz eigene Faszination entwickelt, schon alleine wegen ihrer schieren Ausdehnung.

Und zum Schluß noch ganz aktuell: wenn nichts schiefgeht, wird in dieser Woche zum ersten Mal auf der 2018 eingesäten Fläche Blumenwiesen-Heu gemacht. Drückt die Daumen für gutes Wetter!

 

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