Insekten und Vögel sagen Danke – die AGNU auch!

Vielen Dank an die großzügigen großen und kleinen Spender/-innen, die in den vergangenen Monaten den Insekten- und Vogelschutz durch ihre Spende an die AGNU Haan unterstützt haben.

Wir werden das Geld in verschiedene Projekte zur Unterstützung der Insekten- und Vogelvielfalt in Haan und Gruiten investieren, wie zum Beispiel

  •  die Pflege unserer Ökowiese Kriekhausen
  •  die Pflege von artenreichen Trockenrasenstandorten in den Biotopen in Grube 7 und 10
  • dem Kauf von regionalem Wildpflanzensaatgut zur Bereicherung der Blütenvielfalt in den Gärten unserer Gartenstadt
  • der Anschaffung von neuen Nistkästen für Singvögel, Waldkauz, Siebenschläfer und Co.

Und an all diejenigen, die uns und den Naturschutz in Haan und Gruiten zukünftig mit einer Spende oder ihrer tatkräftigen Mithilfe unterstützen wollen, sagen wir jetzt schon einmal ein herzliches Dankeschön!

Werbeanzeigen
Veröffentlicht unter Tiere und Pflanzen | Kommentar hinterlassen

Grünzug mit Aufenthaltsqualität?

Haan, Spörkelnbruch, 10. September 2019. Im Hintergrund dampfen die Kühltürme im Rheinischen Kohlerevier (Foto: Armin Dahl)

Der Sommer 2019 ist vorbei, und er war der heißeste den ich jemals erlebt habe. Über 40°C im Garten, die Fichten in Nachbars Garten haben alle Nadeln gelassen, wie lange mein Trinkwasserbrunnen nach monatelanger Dürre noch Wasser liefert ist ungewiss. Jetzt kommt der heiße Herbst 2019.

Weltweit streiken Kinder und Jugendliche seit Monaten jeden Freitag für ihre Zukunft. Jetzt ruft #FridaysForFuture auch die Erwachsenen auf, gemeinsam auf die Straße gehen – alle zusammen für das Klima!

Was das alles Haan angeht? Naja, die Stadt liegt sozusagen im Auge des Sturms, hier mal ein paar Punkte aus der direkten Nachbarschaft:

  • In Haan kreuzen sich zwei aus dem Ruder laufende Verkehrsadern (A 46 und A 3). Die A3 scheint mit fünf Streckenabschnitten in den Top 10 der vollsten Autobahnen Deutschlands auf, vier der Streckenabschnitte liegen in NRW.
  • In Haan liegt das Rheinische Braunkohlerevier in Sichtweite – siehe Bild oben
  • In Haan dreht der ausufernde Flugverkehr Abend für Abend seine Warteschleifen über der Stadt, im Jahr 2018 wurden auf dem Flughafen Düsseldorf unfassbare 218.818 Flugbewegungen gezählt, hinzu kommen 144.200 Starts und Landungen in Köln.
  • Der Flächenverbrauch in der Region geht ungebremst weiter, nicht nur im neuen Technopark, auch in der Innenstadt sollen weitere Flächen versiegelt werden

Ein kleines Beispiel: Die Stadt Haan hat einen Förderantrag für einen Fuß-/Radweg durch das Sandbachtal vom Schillerpark bis zur Erkrather Straße beim Bundesumweltministerium eingereicht. Der Radweg soll die Verbindung für den Rad-Freizeitverkehr zwischen dem Bergischen Land und dem Rheinland darstellen. Der Kreis Mettmann lehnt das Vorhaben mit Blick auf das bestehende Landschaftsschutzgebiet aus ökologischen Gründen ab.

Als ein Lösungsvorschlag wird von derselben Kreisverwaltung (!) die Aufstellung eines Bebauungsplans angeregt, mit dem man das Landschaftsschutzgebiet (das über den Landschaftsplan gesichert ist) ganz einfach aushebelt. Wenn das alles so durchgeht haben wir hinterher eine 3 Meter breite geteerte Piste im Sandbachtal, wo vorher ein schmaler ungeteerter Fußweg war.

Ob das Sandbachtal auf Dauer ein „Grünzug mit Aufenthaltsqualität“ bleibt, ist ungewiss. Ähnlich läuft das alles übrigens im Haaner Bachtal, auch da hingen die Pläne für überregional zusammenhängende – und natürlich asphaltierte – Radwege schon im Rathaus an der Wand. Auch dort soll angeblich der „Erholungswert“ des Tals verbessert werden, fragt sich nur für wen?

Das alles lässt sich sicher noch irgendwie schönreden, bedeutet aber eine weitere Versiegelung ausgerechnet in den Kaltluftschneisen zwischen Innenstadt und Unterhaan bzw. Ittertal. Das sind zwar nur zwei kleine asphaltierte Mosaiksteinchen von vielen, der Druck auf die verbliebenen Rest-Freiflächen ist jedenfalls enorm, und keine Umkehr des Trends in Sicht. Die Stadtratsmitglieder werden es voraussichtlich so beschließen, übrigens die gleichen die sich vorher an den Ständen und Mahnwachen der Fridays-For-Future-Schüler eifrigst herumgetrieben haben.

Zusammen mit Fridays for Future auf die Straße!

Nicht zuletzt aufgrund solcher Manöver in der Lokal- und Bundespolitik verspricht die Bewegung #FridaysForFuture der Bundesregierung einen ziemlich heißen Herbst mit zahlreichen Aktionen: Am 20. September tagt das sogenannte Klimakabinett, und dann sollen endlich Beschlüsse gefasst werden, um die Klimakrise zu bändigen. Doch die Jugendlichen spüren, dass sie es allein nicht schaffen können. Sie rufen die Erwach­senen zu einer Solidaritätsaktion am Freitag, 20. September auf: „Der Kampf gegen die Erderwärmung sei keine Aufgabe für einzelne Genera­ti­o­nen […] Wir haben das Gefühl, dass viele Erwachsene noch nicht verstanden haben, dass wir jungen Leute die Klimakrise nicht allein aufhalten können“.

Die meisten umweltpolitischen Forderungen der neueren Zeit sind übrigens schon ziemlich alt, nur leider niemals umgesetzt worden. Wer´s nicht glaubt kann mal einen Blick in den KIEBITZ von 1995 werfen, mit dem Titel: „Hafenstadt Haan“. Die beiden großen hinter der AGNU Haan stehenden Naturschutzverbände NABU und BUND rufen jebenfalls zum Mitmachen bei den Demonstrationen auf. Wir sollten die Jugendlichen nicht allein lassen!

Die nächste Kundgebung in Haan startet am 20. September um 12 Uhr am Park Ville d’Eu, der Zugweg geht über die Umleitung für die Haaner Kirmes, so gegen 13:30 Uhr gibt es eine Zwischenkundgebung, dann geht es über die Nordstraße zurück zum Park Ville d’Eu wo eine Abschlusskundgebung stattfinden wird.

Die AGNU Haan ruft alle erwachsene Bürgerinnen und Bürger auf, sich solidarisch mit den Jugendlichen zu zeigen und am Freitag, den 20. September ihr Anliegen zu unterstützen!

„Normale“ Naturschutzarbeit geht weiter
Der Arten- und Biotopschutz sollte bei allem natürlich nicht zu kurz kommen, die von der AGNU betreuten Flächen sind echte Pflegefälle die jeden Herbst und Winter unseren Einsatz fordern

Zum Abschluss deshalb noch der Hinweis auf den nächsten Pflegeeinsatz am kommenden Samstag und noch ein paar paar „schöne“ Bilder aus der frühherbstlichen Grube 7.


Links

Beschlussvorlage: Einfacher Bebauungsplan Nr. 202 nach § 30 (3) BauGB „Sandbachtal zwischen der Erkrather Straße und dem Weg Schiensbusch“

Hafenstadt Haan: Fast 25 Jahre alte Ausgabe des „Kiebitz“ von 1995

Veröffentlicht unter Übern Rand, Flächenverbrauch, Klimawende, Sandbach -Kesselsweier, Umweltzerstoerung, Verkehr | 1 Kommentar

Ex und Hopp – vom Blick in den Straßengraben

Zum störungsfreien Betrieb der deuschen Gesellschaft gehören angeblich die sogenannten Sekundärtugenden wie zum Beispiel  Pünktlichkeit, Zuverlässigkeit, Ordnungsliebe, Höflichkeit, und nicht zuletzt die Sauberkeit. Mit letzterer geht es ständig abwärts.

Viele Mitbürger werfen ihren Müll während der Fahrt aus dem Autofenster, man weiß nicht was dabei überwiegt, Dummheit oder Faulheit? Die Kreisbehörden sparen sich zudem aus Kostengründen seit Jahren das teure Aufsammeln des Mülls an ihren Straßen, und nach jeder Mulch-Mahd des Straßengrabens sieht es so dann dort aus wie früher an der Brenner-Passtraße in Richtung Italien.

Raucher sind dabei ganz besondere Umweltferkel. Nicht genug dass überall ihre Kippen herumliegen, was die Umwelt mit Nikotin, Arsen, Blei, Cadmium, Benzol, und anderen Umweltgiften belastet. Weil das so ist, herrscht neuerdings in Urlaubsregionen Rauchverbot an Stränden, so zum Beispiel an sechs Stränden auf Deutschlands 17. Bundesland – Mallorca.

Müll aus zwei Kilometern Straßengraben an der Kreisstraße 20 N, August 2019. Foto: Kübler

Aber auch hierzulande hinterlassen die Raucher und andere Umweltferkel eine Menge Spuren. So sammelte Gruitens engagierter Naturschutzwächter Hans Friebe auf zwei Kilometern Straßengraben insgesamt 40 leere Feuerzeuge, dazu einen Berg Dosen, Flaschen und vier große Tüten Restmüll. Hier einmal malerisch zusammengestellt, ohne weiteren Kommentar.

Veröffentlicht unter Ärgerliches, Umweltzerstoerung | Kommentar hinterlassen

Massenflug von Eintagsfliegen Anfang August

Eintagsfliegen satt: Ephoron virgo, Haan, 5. August 2019 (Foto: Armin Dahl)

Haan liegt im Rheinland, oder etwa nicht? Aus Naturschutzsicht betrachtet liegt das Städtchen genau auf der Grenze zwischen den Naturräumen Rheinische Bucht (II) und Bergisches Land (VIa). Diese Naturräume haben im Naturschutz ziemliche Bedeutung, zum Beispiel durch regionalisierte Rote Listen, Förderkulissen für  Naturschutzprojekte, die Berichtspflicht der Behörden zur FFH-Richtlinie und vieles mehr.

Die Grenze zwischen den Naturräumen verläuft in Haan ungefähr auf der 100m-Höhenlinie, markiert durch die Steigung zwischen Spörkelnbruch und Erkrather Straße in Unterhaan. Der größte Teil von Haan liegt also im Bergischen Land, und keine 50 der mehr als 30.000 Haaner Einwohner – unter anderem der Autor dieser Zeilen – sind „echte“ Rheinländer.

Was die Tier- und Pflanzenwelt angeht, strahlt der Rhein allerdings weit ins Bergische hinein. Beispiele sind die Zauneidechsen, die sich entlang der Bahnlinie bis nach Wuppertal ausbreiten, und Wärme liebende Heuschreckenarten wie die Blauflügelige Ödlandschrecke, die neuerdings in den Haaner Steinbrüchen (z.B. Grube 10) aufgetaucht ist.

Ein Spektakel der ganz besonderen Art findet alljährlich Anfang August statt, wenn die Wassertemperaturen im Rhein besonders hoch sind, und die Nächte schwül-warm. Dann findet eine der größten Massenwanderungen von Tieren statt: Der Schlupf der Eintagsfliegen. Die Larven der 3-4 cm Spannweite messenden „Augustfliege“ Ephoron virgo leben im Rhein, filtrieren dort Algen und andere Schwebstoffe aus dem Flusswasser.  Die Entwicklung der Larven dauert zwei Jahre, und dann schlüpfen die Tiere alle auf einmal aus, paaren sich und steigen in ganzen Wolken über dem Fluss auf. Mit dem meist aus Südwesten wehenden Wind werden sie danach weit ins  Bergische Land verdriftet, und erscheinen dort dann mitten in der Nacht in ungeheuren Mengen.

Ein solches Schneegestöber aus Eintagsfliegen war letzte Nacht in Haan, Erkrath und Umgebung zu beobachten, in meinem Garten zusätzlich angefeuert durch die Lockwirkung der UV-Lampe, mit der ich dort Nachtfalter beobachte. Um 23.00 kam das erste Tier, innerhalb weniger Minuten war der Boden um die Leuchtanlage von Tieren bedeckt, tausende von Weibchen pressten noch schnell die gelblichen Eipakete aus ihrem Körper, um dann das Leben auszuhauchen: um 02.00 Uhr waren praktisch keine lebenden Eintagsfliegen mehr zu finden – Insektensterben auf ganz natürliche Art und Weise.

Nach dem Massaker letzte Nacht waren heute morgen die Spatzen, Hornissen und Ameisen in meinem Garten mit dem Aufräumen der Insektenleichen beschäftigt. Das Phänomen des Massenflugs findet allabendlich über einen Zeitraum von ein bis zwei Wochen statt, im Jahr 2019 übrigens zwei Wochen später als 2018 . Dabei werden astronomische Mengen an Insekten übers Land verteilt, die meisten davon verenden ohne ein neues Gewässer zur Eiablage erreicht zu haben.

Davon profitieren andere Auenbewohner, Fische,Vögel, Fledermäuse können sich ohne großen Aufwand den Bauch vollschlagen und Energiereserven für Wanderungen und das Winterhalbjahr anlegen. Das periodische Auftreten großer Mengen von lebender oder auch toter Biomasse rund um die Flüsse ist ein normaler Vorgang und macht nicht zuletzt den Wert der großen Auenlandschaften aus.

Mehr Infos:  Eintagsfliegen – Manna der Flüsse

Veröffentlicht unter Tiere und Pflanzen, Wasser | Kommentar hinterlassen

Insekten auf der Ökowiese in Kriekhausen

Im Hochsommer,  wenn die Kräuter und Gräser nach dem ersten ersten Schnitt wieder austreiben, zeigt sich, was an Insekten in einer Wiese wirklich drinsteckt.

Jetzt ist die Zeit der Grashüpfer gekommen, und wenn die Mähmethode stimmt, dann springt oder fliegt bei jedem Schritt irgend so ein Tierchen vor den Füßen weg. Auf Flächen die etwas höher als normal geschnitten werden – wie in Kriekhausen – treiben die Kräuter besonders schnell wieder aus, und als eine der ersten Pflanzen kommt der Hornklee (Lotus corniculatus) erneut zur Blüte. Die Pflanze gehört zu den Hülsenfrüchtlern (Fabaceae) und viele Schmetterlingsarten saugen am Hornklee, der sehr viel Nektar produziert. Den Namen hat die Pflanze von den Samen, die ein auffallendes Horn tragen. Hornklee ist eine gute Nahrungspflanze für Wildbienen, sein Nektar enthält nach Angaben aus der Wikipedia durchschnittlich 40 % Zucker.

Hornklee, Wilde Möhre, Altgras: Bei Neuanlage von Wiesen sollten unbedingt einige Brachestreifen ausgenommen werden. Dort überleben die Tierarten, die bereits auf der Fläche vorkamen. Haan, Ökowiese Kriekhausen. 29. Juli 2019 (Foto: Armin Dahl)

Hornklee ist eine mehrjährige Staude, wurzelt bis zu einem Meter tief, und schiebt deshalb auch bei großer sommerlicher Trockenheit nach dem Schnitt schnell wieder Blätter und Blüten aus der unterirdischen Reserve nach. An diesen Zeitpunkt haben sich verschiedene Schmetterlingsarten angepasst, zum Beispiel der bekannteste und häufigste einheimische Bläuling Polyommatus icarus. Dessen Sommergeneration ist in den vergangenen Tagen in erfreulich großen Zahlen geschlüpft. Die Raupen von P. icarus leben an Blüten und Blättern von Hornklee, Rotklee, Hauhechel und anderen Schmetterlingsblütlern.

Viel unauffälliger ist der Hornklee-Glasflügler Bembecia ichneumoniformis, der ebenfalls in der Region häufig und an vielen Stellen zu finden ist. Die kleinen, wespenartig gezeichneten Tierchen fliegen in langsamem Flug in den Hornkleebeständen herum, und lassen sich mit etwas Geduld leicht beobachten. Wer dafür keine Zeit hat, der kann sich ein Pheromonpräparat besorgen, und dann gibt es bei sonnigem Wetter in „guten“ Wiesen eine wilde Party: Die Männchen von B. ichneumoniformis stürzen sich, kaum ist das Präparat ausgelegt, in Schwärmen auf das vermeintliche Weibchen und versuchen sich mit dem Gummistöpsel, in dem das Pheromon steckt, zu paaren. Nach kurzer Zeit folgt dann die Erkenntnis, dass hier irgendwas nicht stimmen kann, und die ganze Bande verschwindet wieder. Dann muss der faule Entomologe ein paar Meter weiterlaufen, und die Show beginnt von vorne, siehe Video.

Die Raupen des Hornklee-Glasflüglers entwickeln sich unterirdisch in den Wurzeln von Lotus corniculatus, die Falter fliegen von Mitte Juni bis in den August hinein. Auf den Flächen in Kriekhausen wuchs der Hornklee schon vor der Übernahme durch die AGNU, und auch die ichneumoniformis-Raupen müssen eigentlich schon auf der Fläche vorhanden gewesen sein.

Prinzip der Entwicklung: Nie alles auf einmal!

Die üblichen Empfehlungen für eine neu angelegte „Ökowiese“ haben alle einen Schwerpunkt auf der optimalen Entwicklung der Pflanzenwelt, und das was dort an sogenannter „Bodenvorbereitung“ empfohlen wird, zerstört durch Pflügen, Fräsen, Säen, Walzen und Pflegeschnitte zuerst einmal fast die komplette Tierwelt. Um die bereits in der Fläche vorhandenen Insekten-Populationen bei der Neueinsaat zu erhalten, haben wir bei der Anlage der Wiese in mehreren Schritten gearbeitet, verteilt über zwei Jahre: Und außerdem haben wir ein paar breite Streifen von der Neueinsaat ausgenommen. Bricht man alles auf einmal um, dauert die (Wieder-)Besiedelung erfahrungsgemäß viel länger!


Links

Hornklee-Glasflügler bei observation.org

Anleitung für Neuanlage von Blühwiesen

Veröffentlicht unter Alles wird besser, Pflege, Technopark, Tiere und Pflanzen | Kommentar hinterlassen

Naturschutzwacht ohne Rückhalt – der Kreis resigniert

Jährlich versammelt die Untere Naturschutzbehörde des Kreises Mettmann die 22 bestellten Naturschutzwächter zu einer Besprechung. Alle Jahre wieder gibt es die immer gleichen Klagen, passieren tut – nichts!

Die Naturschutzwächter bemängeln vor allem:

  • nicht angeleinte Hunde in FFH- und Naturschutzgebieten und auf landwirtschaftlichen Flächen
  • Pferde ohne Reitmarken
  • Reiter mit frei laufenden Hunden
  • Mountainbiker abseits der Wege

Die Aufgabe der Naturschutzwacht wird so beschrieben:
„Die Naturschutzwacht soll die zuständigen Behörden über nachteilige Veränderungen in der Landschaft benachrichtigen und darauf hinwirken, dass Schäden von Natur und Landschaft abgewendet werden (§ 69 Landesnaturschutzgesetz NRW).

Dieser Aufgabe wird die Naturschutzwacht dadurch gerecht, dass sie über die Ziele von Naturschutz und Landschaftspflege aufklärt, etwaige Störer an Ort und Stelle auf die tatsächlichen und rechtlichen Folgen ihres Tuns hinweist oder im Falle uneinsichtiger Störer Vorgänge zur Anzeige bringt, sowie dadurch, dass sie der Naturschutzbehörde Vorschläge über Schutz-, Pflege- und Entwicklungsmaßnahmen in der Landschaft macht.“

Keine Seltenheit: Querfeldein mit den Hunden durch das frisch gemähte Heu. (Foto: A. Dahl, 2005)

In der Praxis zeigt es sich aber immer häufiger, dass die „Störer“ sich nicht an Gebote halten und immer egoistischer, ja sogar aggressiver werden. Ansprachen und Anzeigen helfen scheinbar wenig. Der Vorschlag einer Kontrolle der Gebiete und Durchsetzung der Gebote durch Ordnungskräfte (Polizei) lehnt die Verwaltung ab. Ebenso lehnt sie eine bessere Darstellung der Naturschutzwächter beispielsweise durch (grüne?) Westen mit großem Abzeichen der Naturschutzwacht ab.

Für mich sieht es so aus, dass man pro forma eine Naturschutzwacht im gesamten Kreisgebiet hat, man die ehrenamtlich tätigen Mitarbeiter dort aber allein und ohne wirkliche Befugnis lässt. Der Wunsch, dass sie Fehlverhalten vor Ort erklären sollen, ist in der Regel wirkungslos – ja, die Naturschutzwächter sind eher Beschimpfungen und Bedrohungen ausgesetzt. Oder sie werden einfach ignoriert!

Warum wird in der Stadt das Fehlverhalten (Parkverbot) geahndet und durchgesetzt? Warum klappt es beispielsweise in Berlin, Hamburg oder im benachbarten Düsseldorf in den Parks, dass Verbote (Radfahren untersagt, Hunde nicht angeleint) mit Geldstrafen geahndet werden und daher auch beachtet werden?

Auch wenn der Leiter der Unteren Naturschutzbehörde in Mettmann keinen „Polizeistaat“ will, so sollte man sich doch fragen, warum es dann überhaupt Gebote und Verbote gibt. Es ist einfach, ein Hunde-Anleingebot in Naturschutzgebieten festzusetzen, wenn man es ohnehin nicht kontrollieren will! Das hat aber nichts mit Polizeistaat zu tun. Auch bei Aktivitäten in freier Natur gilt, dass Ge- und Verbote zu beachten sind und es eine klare Verpflichtung der Behörde geben sollte, das auch durchzusetzen.

Warum „kneift“ die Untere Landschaftsbehörde?
Kein Personal – gut, das wäre ein Argument. Aber da sollte doch dann der Landrat, der ansonsten gern auf Recht und Ordnung setzt, Mittel und Wege zur Unterstützung finden! Untermauert mit Pressearbeit sollte es möglich sein, die sogenannten Störer zu einem angemessenen Umgang mit der Natur anzuhalten. Täglich gibt es in der Zeitung Blitzer-Warnungen. Warum nicht auch die Warnung: Heute Kontrollen auf den Wanderwegen im Düsseltal und auf dem Neanderlandsteig?

Veröffentlicht unter Ärgerliches, Lokalpolitik | Kommentar hinterlassen

Der BRW setzt Zeichen für den Insektenschutz

Sicherlich nicht zu vergleichen mit der 7,5 ha großen, von der AGNU Haan gepflegten Ökowiese Kriekhausen, aber ein ebenso begrüßenswertes Zeichen für den Insektenschutz in und um Gruiten: Das neue Wildstaudenbeet vor der Hauptverwaltung des Bergisch-Rheinischen Wasserverbandes (BRW) ist angelegt!

In den vergangenen Wochen hatte der Wasserverband eine geschätzt 30 Quadratmeter große, sonnenexponierte Teilfläche der Wiese unmittelbar vor seinem Verwaltungsgebäude in der Düsselberger Straße in Gruiten in ein Wildstaudenbeet umgestaltet. Dazu wurde der Oberboden samt Grasnarbe entfernt und durch ein nährstoffarmes Substrat aus Kalksteinschotter mit geringer Kompostbeimischung ersetzt. Als Initialpflanzung wurden verschiedene, meist trockenheitsliebende heimische Wildstauden auf der Fläche gepflanzt. Von Wegwarte und Schwarzer Königskerze über Wiesenstorchenschnabel, Flockenblume und Wiesenwitwenblume bis hin zu Natternkopf und Gemeiner Odermennig ist alles dabei, um nur einige der fachmännisch ausgewählten ein- und mehrjährig wachsenden Wildpflanzen zu nennen. Und da die Insekten und insbesondere die Wildbienen vermutlich nicht lange auf sich warten lassen, wurde die passende Wildbienennisthilfe am Rande des Wildstaudenbeetes gleich mit aufgestellt.

Ein paar Meter weiter, an der „BRW-Villa“ in der Bahnstraße, wird auch für den Insektenschutz gearbeitet. Hier hatten Mitarbeiter des BRW, die über die Woche dienstlich für den Gewässerschutz und für eine ökologische Gewässerentwicklung im Verbandsgebiet zuständig sind, bereits im Frühjahr einen kleinen Blühstreifen im Bürogarten angelegt, der Insekten und Vögeln, wie aktuell dem Distelfink, Unterschlupf und Nahrung bietet. In einer kleinen „Nach-dem-Feierabend-Aktion“ wurde nun auch noch die restliche Wiese rund um das Bürogebäude komplett CO2-neutral mit der Handsense gemäht und das Mahdgut mit tatkräftiger Unterstützung der AGNU mit dem Handrechen abgeräumt. Mit dem Ziel, durch leicht geänderte Pflege über die Jahre eine artenreichere Blühwiese zu entwickeln. Der zweite Mahdtermin Ende September / Anfang Oktober wurde schon ins Auge gefasst, dann sicherlich mit dem passenden Feierabend(malz)bier für die Männer an Sense und Rechen.

Die Aktionen des BRW zeigen sehr gut, dass auch auf kleinen Flächen im Siedlungsbereich und mit vertretbarem Aufwand sinnvolle Beiträge zum Insektenschutz geleistet werden können. Die AGNU freut sich sehr, dass der BRW hier mit gutem Beispiel vorangeht und wird die weitere Entwicklung des Wildstaudenbeetes mit Interesse verfolgen. Und: Wir hoffen auf zahlreiche Nachahmer im öffentlichen sowie privaten Bereich, denn jeder Quadratmeter für die Natur zählt!

AGNU Haan e.V., Uwe Rabe, 13.07.2019

Veröffentlicht unter Alles wird besser, Insektensterben, Pflege, Tiere und Pflanzen | Kommentar hinterlassen