12. September: Rhine Clean Up 2020 – Von der Quelle bis zur Mündung

Vermüllte Rheinufer führen zu Mikroplastik im Meer. Foto: Karsten Pleines

Die Biostation Haus Bürgel ruft zum Mitmachen beim internationalen Rhein Clean Up auf, in Kooperation mit den Bürgervereinen Monheim-Baumberg und Düsseldorf-Urdenbach. Über 30.000 Menschen haben in den letzten beiden Jahren am RhineCleanUp teilgenommen!

Wir räumen in Monheimer Rheinbogen, Baumberg und der Urdenbacher Kämpe die Rheinufer auf.

Anmeldung unter https://www.rhinecleanup.org/en/rhinecleanup/baumberg-und-urdenbach-raumen-auf
Ansprechpartner bei der Biostation: Sabrina Bucken, sabrina.bucken@bsdme.de

Treffpunkt Urdenbach: Wanderparkplatz „Piels Loch“, Baumberger Weg, 40593 Düsseldorf (Ansprechpartner: Allgemeiner Bürgerverein Urdenbach e. V.)  >> zur Karte

Treffpunkt Baumberg: Aalschokker, Klappertorstraße 38, 40789 Monheim am Rhein (Ansprechpartner: Baumberger Allgemeiner Bürgerverein e. V.)  >> zur Karte

Treffpunkt Monheimer Rheinbogen: Am Werth 2, 40789 Monheim am Rhein (Ansprechpartnerin Claudia Schmidt)  >> zur Karte

Spontane Helfer sind herzlich willkommen!

Abschluss der Sammelaktion ist auf Haus Bürgel. Bitte unbedingt eigene Handschuhe mitbringen! Zahlreiche weitere Cleanup-Aktionen im Raum Düsseldorf und die Karte aller Aktionen findet Ihr unter rhinecleanup.org/

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Raps unter Druck – endlich!

Dörfliches Idyll oder Kampf um jede Laterne: Gruiten im Wahlkampfmodus, August 2020 (Foto: Dahl)

Umweltschutz fängt vor der eigenen Haustür an: Am 13. September sind Kommunalwahlen in Nordrhein-Westfalen, kommunale Parlamente und viele Bürgermeister und Landräte werden neu gewählt.  Jede*r sollte sich vorab im Klaren sein, welche Parteien oder Einzelpersonen die dringend nötigen Anpassungen im Umweltschutz und beim Erhalt der Artenvielfalt vor unserer Haustür ernsthaft anpacken – und welche nicht! Ohne Hintergrundinformationen kann man die flotten Schlagworte auf den vielen Plakaten aber nicht kritisch hinterfragen. Macht Euch selbst ein Bild!

Der Raps war hier schon öfters Gegenstand von Diskussionen, spätestens seit dem Beitrag „Das Gelbe Leichentuch“ aus dem Jahr 2013. Damals war das Insektensterben noch nicht in aller Munde, und der Klimawandel nicht so direkt erlebbar wie in den vergangenen drei Jahren, die von Dürre und Hitzewellen geprägt waren. Am Raps scheiden sich die Geister, die schöne gelbe Pflanze ist neben dem Mais ein Sinnbild für so ziemlich alles was in der Landwirtschaft schief läuft.

Im Raps wird mit allen Mitteln der konventionellen Agrarindustrie gearbeitet, mit standardmäßigem Einsatz von Insektengift und Unkrautvernichtungsmitteln. Die rasche Zunahme resistenter Schädlinge und sogenannter „Unkräuter“ war die Folge. Der Gebrauch von Ultragiften, den Neonikotinoiden, wurde eingeschränkt oder ganz verboten. Mittlerweile ist der Fachwelt klar dass „die ackerbaulichen und politischen Probleme im Rapsanbau zunehmen“, und fast jeder hat begriffen was sich hinter dem Wort „Pflanzenschutzmittel“ verbirgt: der massive Gifteinsatz in der freien Landschaft.

Man könnte sich jetzt auf die Schulter klopfen und sagen: „Siehste! Haben wir schon vor Jahren gewusst„. Das hilft allerdings nicht weiter, und löst die Probleme nicht. Eine andere Bodenbearbeitung muss her, mit weniger Gift, Dünger und sinnlos vergeudeten Steuergeldern. Heute redet man in Agrar-Profikreisen von Zonierungsversuchen, veränderten Fruchtfolgen und „Grünen Korridoren“, um den Rapsanbau zu retten. Hoffentlich dauert es nicht weitere sieben Jahre, bis sich die gar nicht so neuen neuen Erkenntnisse bei den Landwirten herumsprechen.

Hier folgt eine Pressemitteilung des Thünen-Instituts vom 20. August 2020 zum Thema Raps.  Das Johann Heinrich von Thünen-Institut, Bundesforschungsinstitut für Ländliche Räume, Wald und Fischerei gehört zum Geschäftsbereich des aktuell von der CDU geführten Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) und hat seinen Sitz in Braunschweig. Der dazugehörige Bericht „Challenges and Perspectives in Global Rapeseed Production“ steht auf der agri benchmark Website zum Download zur Verfügung: https://bit.ly/3iEDs5v


Raps unter Druck – besonders in Europa

Raps wirtschaftlich zu produzieren wird in Europa zunehmend schwieriger. Vor diesem Hintergrund hat das Netzwerk agri benchmark Cash Crop jetzt zusammen mit externen Experten und mit finanzieller Unterstützung des Thünen-Instituts einen Bericht über die Herausforderungen und Perspektiven der Rapsproduktion in Deutschland, Frankreich, Polen, Großbritannien, Australien und Kanada veröffentlicht. Erste Ergebnisse wurden auf dem Internationalen Rapskongress 2019 diskutiert, der von der Union zur Förderung von Öl- und Proteinpflanzen (UFOP) ausgerichtet wurde.

Der Bericht enthält einen umfassenden Überblick über alle Fragen des Rapsanbaus sowie über die jeweiligen Alternativen zu den derzeitigen Methoden des Pflanzenschutzes.

In Europa gerät die Wirtschaftlichkeit des Rapsanbaus durch die rasche Zunahme resistenter Schädlinge – vor allem seit dem Verbot eines sehr potenten, aber ökologisch als problematisch eingestuften Insektizids – unter Druck. Hinzu kommen neue Herausforderungen durch Unkrautresistenzen, Düngebeschränkungen sowie schwierige klimatische Bedingungen, die ebenfalls zu Ertragseinbußen geführt haben. Diese Probleme haben dazu geführt, dass die Landwirte den Anteil von Raps in den Fruchtfolgen reduzieren.

Alternativen zu Raps sind in Europa oft wenig profitabel

Allerdings zeigt die Analyse typischer agri benchmark Betriebe, dass andere Blattfrüchte, die den Raps ersetzen könnten, wirtschaftlich in Europa eher schlecht abschneiden: Die Erträge von Raps müssen um mehr als 20 % unter das Durchschnittsniveau von 2016-18 fallen, damit die nächst beste Alternative rentabler wird. Die mit einem verringerten Rapsanbau einhergehenden Gewinn-Einbußen werden von den Landwirten zunehmend in Kauf genommen, weil ein „Weiter so“ mit Fruchtfolgenanteilen von bis zu 33 % als nicht mehr machbar und zu riskant gilt.

Interessanterweise zeigen die agri benchmark Daten, dass sowohl in Kanada als auch in Australien die innerbetriebliche Wettbewerbsfähigkeit von Raps deutlich schwächer ist. Alternative Kulturpflanzen wie zum Beispiel Erbsen wären dort schon profitabler als Raps, wenn die Rapserträge nur um ca. 10 % zurückgehen würden.

Zonierungsversuche und „grüne Korridore“ als Weg in die Zukunft

Auf dem Internationalen Rapskongress wurden auch politische Maßnahmen zur Stabilisierung der Rapsproduktion diskutiert. Eine Option ist die Durchführung eines groß angelegten Zonierungsversuchs, bei dem Raps für mehrere Jahre nicht angebaut wird. Auf diese Weise könnten die Potenziale von erweiterten Fruchtfolgen und einer strengeren Re-Infektionskontrolle beurteilt werden.

Eine weitere Anregung ist, das von der kanadischen Schwesterorganisation der UFOP vorgeschlagene Konzept der „grünen Korridore“ umfassend zu testen: Ist es möglich, die natürlichen Gegenspieler der Rapsschädlinge durch die Einrichtung spezifischer Biotope so zu unterstützen, so dass die Ertragsverluste im Raps signifikant reduziert werden?

Zusammenarbeit und Austausch sind weltweit notwendig

Tom Arthey, Projektkoordinator für agri benchmark, erklärte: „Die Studie liefert einen ersten Schritt zum Verständnis der gemeinsamen Herausforderungen, denen sich zunächst vor allem die europäischen Erzeuger gegenübersehen. Sie zeigt die wirtschaftlichen Auswirkungen, die sich ergeben würden, wenn der Raps aus unseren Produktionssystemen verdrängt würde. Es muss mehr gemeinsame Arbeit geleistet werden, um diese Herausforderungen zu meistern. Während Europa bei diesem Thema an vorderster Front steht, machten unsere australischen und kanadischen Partner deutlich, dass auch dort die ackerbaulichen und politischen Probleme im Rapsanbau zunehmen.“

Pressemitteilung zum Download


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Haaner Bachtal: Asphalt und Turngeräte für Senioren?

Glänzende Augen bekam die Haaner Verwaltung, als aus Düsseldorf die Zusage zu einem Zuschuss über 1,9 Millionen Euro für die „Sanierung“ des Bachtals erfolgte. Sanierung war aber eigentlich nicht das Thema, sondern Bildung und Begegnung .

Die Mittel für das Projekt stammen aus dem „Investitionspakt Soziale Integration im Quartier“, welches das Bundesbauministerium gemeinsam mit den Ländern gestartet hat. Im Fokus stehen – in allerfeinstem Behördendeutsch – „bauliche Maßnahmen zum Erhalt und zum Ausbau von sozialen Infrastruktureinrichtungen im Wohnumfeld“. Es sollen laut Ministerium „Räume für Bildung und Begegnung geschaffen werden, um vor Ort die Teilhabe und Integration aller Menschen unabhängig von ihrem Einkommen, ihrem Alter, ihrer Herkunft und Religion zu ermöglichen.“

Es gab vorab eine öffentliche Veranstaltung im Haaner Rathaus, mit reger Beteiligung der Bürger. Und dann entwickelte das Büro ST-Freiraum einen Plan. Dieser stand nun im Juni 2020 zur Abstimmung im Umweltausschuss der Stadt Haan, und die Abstimmung wurde gerade noch rechtzeitig wegen einiger Bedenken verschoben. Die Bedenken kamen im Vorfeld auch von der AGNU, obwohl die Pläne NICHT ÖFFENTLICH waren. Auch die Ratsmitglieder sollten abstimmen, ohne den Plan im Detail zu kennen!

Viele Dinge könnte man ausführen, die dem Plan entgegenstehen. Schließlich liegen Welten zwischen den Ausführungen des Planers und der Realität. Das Haaner Bachtal ist geprägt durch den tiefen Einschnitt des Haaner Bachs (der eigentlich nur ein Rinnsal ist) und durch die beiden Bereiche „oben“ und „unten“. Dazwischen liegen 38 Höhenmeter – also nicht so einfach zu bewältigen für Menschen mit Behinderung.

Die von dem Planer aufgeführte Barrierefreiheit besteht weder auf dem Weg von „unten“ nach „oben“ noch auf den Treppenzugängen. Zugänge sollen barrierefrei werden (toll), „sofern es die örtlichen Gegebenheiten zulassen“. Ach ja, da ist der Haken! Kurz zusammengefasst: An den Zugängen wird sich außer der nötigen Sanierung der Treppenanlagen fast nichts ändern. Rampen barrierefrei zu gestalten scheidet schon aus topografischen Gründen aus.

Großer Auftrieb bei der Ortsbesichtigung im Haaner Bachtal. Foto: Sylke Jacobs

Die Politik – im Wahlkampfmodus vor der Kommunalwahl am 13. September – hat das Thema aufgegriffen. Die AGNU durfte an einem Online-Meeting teilnehmen und auch da unsere Position vertreten. Ein Marktstand der CDU brachte wohl vor allem die Erkenntnis, dass die Bürger die vorgesehene Asphaltierung NICHT wollen. Zu einer Begehung des Bachtals auf Einladung der CDU kamen am 20. Juli 2020 rund 70 Menschen, die sich für den naturnahen Erhalt des Bachtals und gegen die Asphaltierung einsetzen!

Wie geht es weiter?

Wir hoffen, dass die vielen Anregungen – auch von der AGNU – bei der weiteren Planung berücksichtigt werden. So wünschen wir uns z.B. keinen technischen Spielplatz für die Kinder, sondern einen mit naturnahem Material wie z.B. im Neandertal. Keine Fünf Meter lange kommunikationsfeindliche Bänke,  und auch die Sportgeräte für die Jugend sind zu hinterfragen. Auf dem Acki oder an der Millrather Straße bei KRONENBERG/ AMADA kann man sehen, wie wenig Interesse solche Installationen finden! Nur weil ein Planer das modern und schön findet…? Und ob die Geräte für die Senioren großen Anklang finden? Vielleicht wird aus dem Haaner Bachtal noch der „Sunset Boulevard des Kreises Mettmann“ mit vielen kraftstrotzenden, glänzenden Oberkörpern und fitten Senioren?

Von der Verwaltung wünschen wir uns jetzt einen offenen Prozess. Die Bürger zeigen sich engagiert und sollten „mitgenommen“ werden. Vielleicht kann der „Neue“ Landschaftsplaner Jens Gabe ja andere Aspekte in der Zusammenarbeit setzen?

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Flower power in the city: Mehr Insekten, weniger Kosten

So kann’s gehen: Blühstreifen statt exotischer Gehölze. Quelle: journals.plos.org)

In städtischen Gebieten ist die Schaffung einheimischer Wildblumenwiesen eine Option, um Insekten zu fördern und die Unterhaltungskosten für städtische Grünflächen zu senken. Eine neue Studie der TU Darmstadt zeigt die Auswirkungen der Umwandlung von Pflanzungen am Straßenrand – von exotischen Sträuchern in Wildblumenwiesen.

Die Autoren der Studie untersuchten die Häufigkeit von 13 Arthropodentaxa – u.a. Spinnen, Heuschrecken, Bienen und Ameisen, Zikaden, Käfer sowie die Änderung der Unterhaltungskosten. Untersuchungsgebiet war Riedstadt im Kreis Groß-Gerau im südlichen Rhein-Main-Gebiet, eine Kleinstadt mit knapp 24.000 Einwohnern

In der Untersuchung wurde der Einfluss des Vegetationstyps (Wiese / Gehölze), des Alters der Wiese, der Größe, des Standorts (Entfernung zur Stadtgrenze) und des Mähregimes bewertet. Untersucht wurde mittels Bodenfallen und Saugproben. Die Anzahl der Arthropoden auf Wiesen war in Bodenfallen um 212% und in Saugproben um 260% höher als in den Gehölzflächen. Die erhöhte Anzahl von Arthropoden auf Wiesen war für die meisten Taxa unabhängig von der Größe und Isolation der Grünflächen. Das Mähregime wirkte sich jedoch stark auf mehrere Insektengruppen aus, wobei die Arthropodendichte im Vergleich von ungemähten zu gemähten Wiesenflecken um 63% zunahmen. Die Kosten für die Pflege von Grünflächen waren auf Wiesen fünfmal niedriger als auf Vergleichsflächen.

Die komplette Studie:
Mody K, Lerch D, Müller A-K, Simons NK, Blüthgen N, Harnisch M (2020) Flower power in the city: Replacing roadside shrubs by wildflower meadows increases insect numbers and reduces maintenance costs. PLoS ONE 15(6): e0234327. https://doi.org/10.1371/journal.pone.0234327

Eine niederländische Zusammenfassung findet sich im Newsletter „Nature Today“ vom 13. Juli 2020

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Turmfalke mit gutem Bruterfolg

Junge Turmfalken kurz vor dem Ausfliegen, Haan, 2. Juli 2020 (Foto: Krause)

Hier mal nur eine kurze Momentaufnahme vom Sommer 2020: Das trockene Frühjahr hat der Region einen Menge Mäuse und Großinsekten beschert, und in der Folge profitieren die „Endverbraucher“ wie Graureiher, Greifvögel und Eulen. Im AGNU-Artenschutzturm an der Ellscheid hat sich daher reichlich Nachwuchs bei Familie Turmfalke eingestellt, fünf Jungvögel sind am Start, beziehungsweise kurz vor dem Ausfliegen aus dem Nest.

Anbei ein paar Bilder vom heutigen Beringungseinsatz, durchgeführt vom Düsseldorfer „Vogelflüsterer“ Tobias Krause. Drei Jungvögel saßen schon draußen auf dem Sims, entgingen so der kurzfristigen Belästigung. Als drinnen der Falkenkasten geöffnet wurde kamen sie neugierig angeflattert und schauten dem Beringer zu. Die beiden kleinsten waren noch nicht so weit und tragen jetzt einen schicken Ring, und ihre Daten wandern in die Kartei der Vogelwarte.

Die Kleinen fängt man, die Großen lässt man fliegen„. (Foto: Dahl)

Turmfalken brüten ab dem ersten Ei, die Jungvögel sind unterschiedlich weit entwickelt. (Foto: Dahl)

 

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15 Jahre Hirschkäfer und Konsorten

Lucanus cervus, Haan, 9. Juni 2017. Die Haaner Hirschkäfer haben oft nur relativ kleine Zangen. (Foto: Armin Dahl).

Ist man einmal der Insektenkunde verfallen, lässt sie einen nie mehr los. Insekten liefern immer wieder faszinierende Bilder, manchmal muss man noch nicht mal selbst auf den Auslöser drücken.

Das Internet ist ein komisches Ding: Vor mehr als 15 Jahren haben wir begonnen die Hirschkäfer in der Region zu kartieren, daraus wurde der „Hirschkäfer-Steckbrief der AGNU Haan“ im Internet. Die Sache brachte mir über mehrere Jahre hunderte von Mails und Bildern ein,  im Sommer klingelte spätabends praktisch jeden Abend das Telefon, weil ich im Übermut meine Nummer angegeben hatte.

Irgendwann wurde mir das dann zu viel, die Sache schlief ein wenig ein, eine Menge Behörden in verschiedenen Bundesländern kümmern sich heute offiziell um die Erforschung und Dokumentation der Vorkommen. Der Hirschkäfer ist ja eine geschützte „FFH-Art“, und hat im Gegensatz zu anderen Großinsekten ein positives Image.

Was die Umgebung von Haan betrifft, so stellte sich über die Jahre heraus, dass die Hirschkäfer in der Region +/- ungefährdet an ein paar ausgesuchten Standorten leben, und dort nicht gerade selten zu finden sind. Alles liegt natürlich mitten im Siedlungsraum, in Düsseldorf zum Beispiel im Ostpark, und am Hang hinter dem Bauhaus in Gerresheim. Nachweise gibt es auch aus vielen Gärten der Region, wo die Larven offenbar alte Baumstümpfe bewohnen, die nicht gerodet wurden. So weit so gut, damit war das Projekt für mich persönlich abgeschlossen, Schluss mit der Hirschkäferpirsch.

Seit ein paar Wochen allerdings ist mein Postfach wieder voll mit Mails, aus allen möglichen Teilen der Republik kommen neue Nachweise. Zuerst hat mich das gewundert, aber nach einem kurzen Ausflug zu Suchmaschine Google weiß ich jetzt auch wo die Meldungen herkommen: Gibt man bei Google „Hirschkäfer gefunden“ ein, steht in der Trefferliste auf Platz 1:  Die AGNU-Webseite zum Hirschkäfer.

Mittlerweile gebe ich übrigens alle Funddaten an einen befreundeten Kollegen weiter, der schon seine Doktorarbeit über die Hirschkäfer geschrieben hat, und einen eigenen Verein gegründet hat, der sich mit dem Tier beschäftigt: Markus Rink aus Alf an der Mosel. Unter www.hirschkaefer-suche.de kann man sich eine aktuelle Karte mit den Verbreitungsdaten anschauen und vieles mehr.

Weil es aber so schön ist, hier noch ein Bild von einem anderen Käfer, welches mir zugesandt wurde. Man sieht darauf einen Balkenschröter (Dorcus parallelipipedus), auch Zwerg-Hirschkäfer genannt. Der Ärmste dient als Reisebus für eine Menge Käfermilben, die wie Zecken an ihm hängen.

Balkenschröter mit Käfermilben, Kusterdingen bei Tübingen, 6/2020. ©: Uschi Münster

Käfermilben leben unter anderem räuberisch von Fadenwürmern,  droht das Futter knapp zu werden, besteigen die sogenannten Deutonymphen in Massen Mistkäfer oder auch andere Großinsekten und lassen sich zu einem neuen Substrat tragen. Das ganze Phänomen der Transportgesellschaft nennt man wissenschaftlich Phoresie, darin steckt das griechische Wörtchen φέρειν phérein – „tragen“, bekannt von der Amphore.  Abgestiegen wird übrigens nur wenn der „Träger“ in der Nähe von frischem Futter landet. Bis dahin saugen die Milben das Blut der Käfer, genau wie die besser bekannte Varroa-Milbe, die Bienenvölker befällt.

 

 

 

 

 

 

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Pfingst-Samstag ist Haaner Wiesentag!

Die AGNU-Wiesen an der Niederbergischen Allee in Gruiten dürfen  normalerweise nicht betreten werden. Aber auf einer begrenzten Fläche machen wir in diesem Jahr am Pfingstsamstag eine Ausnahme!

Wissenschaftliche Studien belegen, dass die moderne Landwirtschaft eine der Hauptursachen für das weltweite Insektensterben ist. Insbesondere der massenhafte Einsatz von Pflanzengiften und Düngemittel führt dazu, dass zuerst die Blütenpflanzen und danach die Bienen und andere Insekten sterben.
Auch auf dem Stadtgebiet von Haan wird weiter fleißig gespritzt und gedüngt, um die Erträge von Landwirtschaft und Pferdebetrieben zu maximieren. Ackerwildkräuter und Wiesenblumen werden ausradiert, Verlust an Artenvielfalt ist die Folge: Keine Blüten bedeutet auch keine Schmetterlinge und Bienen.
Aber es geht auch anders! Die von der AGNU Haan e. V. gepachteten, ungespritzten und ungedüngten Ausgleichsflächen an der Niederbergischen Allee in Gruiten stehen prächtig in Blüte. Ein Meer von Margeriten, Lichtnelken und anderen Wiesenblumen wartet darauf, zu duftendem Wiesenheu geschnitten zu werden.

Einen Wiesen-Blumenstrauß umsonst!


Wer? Jede(r) Haaner BürgerIn kann sich am Wiesentag einen Blumenstrauß selbst pflücken.
Wann? Pfingstsamstag, 30. Mai 2020, 10.00 – 15.00 Uhr
Wo? Niederbergische Allee, zwischen Kreisverkehr Gruitener Straße und Firma Aperam

Die Straße ist im Bereich der Wiesen nicht mit PKW befahrbar! Der Einlass ist am bestens zu Fuß oder mit dem Fahrrad erreichbar. Parken kann man z.B. bei Aperam.

 

Mitbringen?
Gute Laune! Messer oder Schere zum Blumenschneiden. Bitte Corona-bedingte Sicherheitsabstände einhalten! Spenden sind willkommen!

AGNU Haan e.V. Stadtsparkasse Haan: IBAN-Nr.: DE37 3035 1220 0000 2210 85

Datei Wiesentag als .pdf zum Download

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Der Garten im Klimawandel

Text: Joop van de Sande

Schon im Vorbeigehen erlebt man manch einen Garten wie eine grüne Oase. Aber wie dieses Wunderwerk der Natur bewahren in Zeiten des Klimawandels?

In ihrem kürzlich erschienen Buch „Klimawandel: Fluch oder Chance“ beschreiben Reinhard Witt und Katrin Kaltofen, wie sie seit Jahren eben dies erforschen.
Spätestens nach der Dürre im April ist jetzt jedem klar: der Klimawandel ist da. Vertrocknete Rasen, Sträucher und gar Bäume – wie geht man damit um? Weiter wie bisher mit hohem Arbeits- und Wasseraufwand? Auch Kommunen stehen vor diesem Problem. Aber nicht nur mit Dürre-Perioden müssen die Pflanzen zurechtkommen. Auch Starkregen gehört zu den Herausforderungen. Probleme haben vor allem die Zuchtformen, die in Regel-Saatgut-Mischungen für z.B. Rasen Verwendung finden. Sie sind auf viel Wasser und Dünger angewiesen und deswegen für Dürre anfällig.

Moschus-Malve

Das Gute ist: Für unsere einheimische Natur sind diese Herausforderungen aber nichts Neues – sie hat dies über die Jahrtausende öfters erlebt und „gelernt“, damit umzugehen. Gebietsheimisches Saatgut – wie vom Verband deutscher Wildsamen- und Wildpflanzenproduzenten (VWW) zertifiziert – hat deswegen wesentlich bessere Voraussetzungen. Dieses enthält allein Arten, die sich in unserer Region an die unterschiedlichsten klimatischen Bedingungen angepasst haben.

Die beiden Grünplaner berichten aus ihrer naturgärtnerische Praxis, z.B. über die unterschiedliche Entwicklung vergleichbarer Flächen in den letzten beiden trockenen Jahren, Strategien der Pflanzen, um mit extremen klimatischen Bedingungen fertig zu werden und mögliche Lösungen. Das alles ist reichlich dokumentiert mit mehr als 500 Fotos. Ein spannendes, sehr persönliches Buch von den beiden Autoren. Einen Link zur Bestellung des Buches finden sie unter dem Text.

KLIMA-ANPASSUNG DES GARTENS

Aussaat in Rasen-Löcher

Eine Möglichkeit, Ihren Rasen oder Ihre Wiese für den Klimawandel zu rüsten, wäre es, diese schrittweise mit einheimischen Wildblumen anzureichern. Man nehme einen plattgemachten Maulwurfshügel, eine kahle Stelle oder Sie stechen ganz einfach ein Stück Rasen aus und füllen das „Pflanzloch“ mit etwas Mutterboden auf. Dann säen Sie dies recht dicht mit einer Art von Wildblüten ein – jedoch keiner Samenmischung. Grund: die Konkurrenz innerhalb der eigenen Art ist deutlich geringer als die mit anderen Arten. So sind dann genügend Jungpflanzen da, die sich gegenseitig vor herandrängendem Graswuchs schützen können.
Die Blumenwiese kann 2-4-mal jährlich nach Bedarf gemäht werden. Schön für die Insekten ist es, wenn nur Teilbereiche der Blumenwiese gemäht werden, die nicht gemähten Flächen dann zwei Wochen später. So sind immer blühende Blumen vorhanden. Das Mahdgut sollten Sie von der Fläche abräumen. Bitte nicht kürzer als 5 cm mähen, um die bereits ausgelaufenen Wildblumen nicht zu beschädigen.

Sie können ein Startpaket mit Saatgut von 8 Wiesenwildblumen (Wiesen-Margerite, -Storchschnabel, -Bocksbart, Acker-Witwenblume, Moschus-Malve, Wirtgenes Labkraut, Hornklee und Gewöhnliche Schafgarbe) per E-Mail kostenlos bestellen:

kiebitz.redaktion [ätt] AGNU-Haan.de

Wir schicken Ihnen dann dieses, solange der Vorrat reicht, mit weiteren Infos zu. Wir freuen uns über eine Spende!


Literatur

Reinhard Witt/ Katrin Kaltofen: Klimawandel – Fluch oder Chance? Erfahrungen & Lösungen aus naturgärtnerischer Praxis
Verlag Naturgarten, 1. Auflage 2020.  188 Seiten, 539 Fotos, Softcover. In D: € 27,00; in EU: € 30,00; in CH: € 35,00.
ISBN 978-3-98-185733-7

Online-Shop: https://shop.reinhard-witt.de/home/17-das-wildpflanzen-topfbuch.html

 

Der Artikel „GARTEN IM KLIMAWANDE“ steht auch im neuen  Kiebitz Kompakt!

weitere Themen:

  • MEINE ERSTE ERFAHRUNGEN IM NATURSCHUTZ
  • SILVESTER
  • EIN RIESENSTEINPILZ AM ZAUNHOLZBUSCH
  • LIEBE ABFALLPRODUZENTEN
  • ÄNDERUNG DER ZULASSUNGSPROZEDUR VON PESTIZIDEN DRINGEND NOTWENDIG
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    Haaner Müll-Challenge – www.dreckweghaan.net

    Umwelt in Zeiten von Corona – Zeit sich an Sekundärtugenden wie Ordnung und Sauberkeit zu erinnern und diese wieder wachzurufen: In einigen Teilen des Stadtgebietes und in den Außenbezirken sieht es einigermaßen fürchterlich aus, Müll und Abfälle finden sich überall. Die folgende Aktion von Charlotte Schmitz übernehmen wir deshalb hier auf der AGNU – Webseite, mit der ausdrücklichen Bitte um Beteiligung!

    „Liebe Haaner und Haanerinnen, liebe Mitmenschen, liebe Umwelt-Schützende, liebe Müllsammelnde, in Zeiten, in denen das Corona-Virus die Gesundheit der Menschen weltweit bedroht, sind der Schutz vor Infektionen und angemessene hygienische Maßnahmen wichtiger den je.

    Dabei sollte die Natur und unsere Umwelt nicht vergessen werden. Denn nicht nur der Müll der Winterzeit, aktuell bleiben auch immer mehr benutzte Taschentücher und Einweg-Handschuhe auf unseren Straßen und Wegen liegen.

    Deshalb rufe ich zur Haaner Corona-Müllsammel-Challenge auf!

    Schaffen wir es, 100 Säcke Straßenmüll (gerne auch mehr) während der Einschränkung des öffentlichen Lebens zu sammeln? Für jeden von euch gesammelten Sack Straßenmüll werde ich 1 Euro für einen guten Zweck an die Bürgerstiftung Haan spenden.

    Weitere Infos und Anmeldung zur Corona-Müllsammel-Challenge findet ihr auf der Website www.dreckweghaan.net

    Bitte gebt die Info auch an eure Freunde / Familie / Nachbarn / Interessierte weiter.
    Ich freue mich über rege Teilnahme, Kommentare, Anregungen.

    Bleibt gesund und viele Grüße!

    Charlotte Schmitz


    An dieser Stelle der Hinweis, dass die AGNU für jeden im Rahmen der Dreck-Weg-Challenge gesammelten Sack Müll einen weiteren Euro als Spende drauflegen wird! Der Betriebshof der Stadt Haan unterstützt die Aktion ebenfalls, näheres findet Ihr in der Anmeldung zur Challenge, siehe oben. Bitte beachtet beim Müllsammeln die „Spielregeln“ – bitte geht nur alleine, haltet Abstand zu anderen Passanten! Unbedingt Handschuhe tragen und nach dem Sammel-Einsatz gründlich die Hände waschen.

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    Das Märchen vom schönen Müll und den bösen Lastern


    Es war einmal vor gar nicht so langer  Zeit, da suchte eine Menge Fuhrleute jede Nacht ihren Übernachtungsplatz an der Hauptstraße oder in einem Industriegebiet. Das waren meist ungehobelte arme Kerle vom Balkan, denn in Deutschland wollte keiner die langweilige Arbeit machen, Waren quer durch Europa zu karren, beinahe rund um die Uhr und dazu noch mies bezahlt.

    Abends rollten diese Burschen gemütlich den Schlafsack in ihren Kutschen aus, machten danach in einer Kiste ein Feuerchen, mit ein paar Gleichgesinnten tranken sie ein Bierchen und wärmten dabei ein paar Dosen auf. Kleinere und größere Geschäfte verrichteten sie an der Böschung, den Müll in den Straßengraben geschmissen, ein paar Stunden friedlich geschlummert und morgens in aller Frühe waren alle Kutschen wieder weg zur Arbeit.

    Kaum hatte es sich herumgesprochen, dass man an diesem Platz von der Polizei in Ruhe gelassen wird, da standen schon die nächsten Kollegen mit ihren Kutschen da.  Das Ordnungsamt schlief nachts seinen wohlverdienten Schlaf, in Kleinstädten, schon gar im Außenbereich, konnte man nachts landauf landab bekanntlich tun und lassen was man wollte.

    Und so verteilten sich weggeworfene Plastikverpackungen, Müll und übler Geruch über die Gegend, nach wenigen Wochen sah die Straßenböschung aus wie eine philippinische Müllkippe, und roch auch ebenso lecker. Die Anlieger freuten sich herzlich über den Besuch und das Plastik machte die langweiligen Felder und Wiesen ein wenig bunter. Und schaffte sogar noch Arbeit, denn der Landwirt kam regelmäßig vorbei und sammelte den Müll wieder auf, bevor er untergepflügt wurde oder am Ende gar im Heu landete.

    Niederbergische „Allee“, 16. Februar 2020 (Foto: Dahl)

    Von ferne rauschte Tag und Nacht der Verkehr, der seit Jahren kontinuierlich zunahm, angelockt von vierspurigen Autobahnen und nahegelegenen Gewerbegebieten. Die heimische Wirtschaft brummte zufrieden, die Firmen rieben sich wegen niedriger Transportkosten die Hände, und in Osteuropa warteten viele Frauen wochenlang auf ihre Männer, die auf Deutschlands Straßen das Geld einfuhren. Und wenn die nicht gestorben sind, dann wächst die Müllkippe im Außenbereich weiter, den Zustand nannte man „Schöne Sch… – äääh – Vollbeschäftigung“.

    In Deutschland ist so etwas unvorstellbar? Nein, tägliche Realität! Bis zu 30 mehr oder weniger heimatlose Lastwagenfahrer kann man an manchen Abenden entlang der Niederbergischen Allee zählen, Fahrer die dort ihre Ruhezeiten verbringen. Ob die alle zum schicken Edelstahlhändler mit den polierten Fassaden fahren, um dort just in time ihre Ladung abzuholen, sei mal dahingestellt.

    Ein WC oder gar einen Duschraum, wie man ihn in dem kleinsten Segelboothafen findet, sucht man dort jedenfalls vergebens. Und die Männer, die die LKW fahren, haben mit Mülltrennung nicht so viel am Hut. Wie denn auch, es gibt dort nicht mal einen Mülleimer! Und mit ein paar Betonklötzen oder Steinen das Parken einfach zu verhindern, unterstützt vielleicht von einem Verkehrssschild – unmöglich! Ebenso undenkbar, dass das Unternehmen, vor dessen Werkstoren sich das alles abspielt, mal über seinen Zaun schaut und die Verantwortung für seine Zulieferer übernimmt.

    Schuld daran ist angeblich niemand, auf den unrasierten Fernfahrer zu schimpfen ist leicht, Geld für sanitäre Anlagen, Mülleimer oder gar einen Autohof aber keines eingeplant. Das kann man bekanntlich nur einmal ausgeben, in Haan werden dann lieber mal ein paar Blumenbeete an den Ortseingängen hergerichtet, da wo die Leute hinschauen. Vielen Dank, Gartenstadt!


     Vorsicht: Ironie! Alle im Text genannten Volks- und Berufsgruppen, Ämter, Firmen, Tatsachen usw. sind natürlich wie immer frei erfunden und die ganze Geschichte an den Haaren herbeigezogen! Bis auf das Foto, das hier entstand, falls sich jemand selbst ein Bild machen möchte.
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