Hirschkäfer-Flugzeit hat begonnen

Die Hirschkäfer-Population in der Region ist saisonbedingt unterwegs, die männlichen Käfer fliegen in den späten Abendstunden an warmen, meist südexponierten Waldrändern und Steilhängen herum. Sie suchen nach den Weibchen, oder nach Baumwunden, wo der schon lecker gärende Saft von Eiche und anderen Baumarten austritt und wo sich die Käfer auch schon mal in größerer Zahl treffen.

Lucanus cervus, Haan, Ittertal, 9. Juni 2017 (Foto: Armin Dahl). Die Haaner Hirschkäfer haben oft nur relativ kleine Zangen (forma capreolus).

Gute Chancen auf eine Hirschkäfer- Beobachtung hat man im Ittertal, in Düsseldorf-Gerresheim oder an den Hängen des Ruhrtals und der Seitentäler, zum Beispiel in Velbert-Langenberg. Aber im Prinzip kommt die bekannteste deutsche Käferart auch in vielen Gärten und kleineren Gehölzen vor, die Käferlarven leben dort häufig an unterirdischen Teilen von Wurzelstöcken, die seit Jahrzehnten im Boden stecken können.

So manch ein Tier verfliegt sich aber in den Siedlungsbereich, endet plattgefahren auf einem Weg, wird bei Gewitterregen in die Regenwassertonne gespült oder landet beim Grillfest im Bowlentopf: Alkohol und Käferfrauen ziehen sie an, so ein Hirschkäferleben ist kurz, und schon Ende Juni sind kaum noch Tiere zu beobachten.

Hirschkäfer-Beobachtungen sollten möglichst dokumentiert werden, ein halbwegs brauchbares Handyfoto reicht dafür. Am einfachsten gibt man seine Beobachtungen in eines der großen Beobachtungsportale wie naturgucker.de oder observation.org ein. Wer das nicht will kann die Funde allerdings auch per Mail schicken, an die Adresse hirschkaefer[ätt]agnu-haan.de.

Die Käfer selbst kann man bedenkenlos tagsüber in einem Karton verwahren, eventuell mit ein wenig Marmelade oder Malzbier (auf ein Pepiertaschentuch) aufpäppeln, und am Abend an einem schönen Waldrand wieder starten lassen.

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Kiebitz Kompakt – von Bienen, Klimawandel, Ökoprofit, und den Sünden der Vergangenheit

Der neue Kiebitz Kompakt ist da, Wildbienen, Öko-Profit, Klimawandel, das Verschwinden der letzten Haaner Kiebitze und ein gescheitertes Schulgarten-Projekt sind die Themen. Vielen Dank an das Redaktionsteam! Hier geht´s zum Download

In den nächsten Wochen soll ein erneuter Anlauf genommen werden, die Erkrather Straße vom Durchgangsverkehr zu befreien. Hintergrund ist dieses Mal die bevorstehende Eröffnung des Baumarkts an der Düsseldorfer Straße, und der zu befürchtende zusätzliche Verkehr von der Autobahn in Richtung Sandberg. Über zehn Jahre alt ist der folgende Text, der aus den Untiefen der Festplatte hervorkam, er erschien vor elf (11) Jahren in gedruckter Form in unserer Vereinszeitung „Kiebitz“. Schon damals wurde das Vorhaben kontrovers diskutiert.
Aus aktuellem Anlass, und damit sich jeder ein Bild davon machen kann, wie seinerzeit die Diskussionen liefen, stellen wir den hier erneut im Internet zur Verfügung: Wir wünschen viel Vergnügen beim Lesen des Kiebitz Kompakt, und starke Nerven bei allen aktuellen und kommenden Umweltproblemen!


Haan ohne Plan
VON ARMIN DAHL (aus dem Kiebitz 1 / 2006)
Das selbstverschuldete Chaos um Erkrather, Hochdahler und Dieker Straße nervt die Anwohner. Ein Ende ist nicht in Sicht.

Wir erinnern uns: Kurz nach der Wahl versprach der Uberraschungssieger Knut vom Bovert den Haanern ein Verkehrskonzept, bei dem der Verkehr sich auf die Hauptachsen konzentrieren sollte, bei gleichzeitiger Beruhigung der Wohn- und Nebenstraßen. Prima Idee!
Nun ist die Erkrather Straße gewiß nie als Hauptachse angedacht worden, hier grenzt das Erholungsgebiet im Stadtwald an, Kinder spielen im Wald, man geht mit dem Hund gassi. Es herrscht Tempo 30, auf die Flurstraße nach links abbiegen ist verboten, weil lebensgefährlich.
Umso lästiger war die ständige Raserei der Ortskundigen, besonders beliebt war die Erkrather Straße bei rücksichtslosen Paketdienstfahrern und eiligen Soldaten, die nach Dienstschluss zur sogenannten „Nato-Ralley“ von der Waldkaserne in Richtung Autobahn blasen Und wer auf seinem Navigationscomputer die Strecke Hochdahl-Hilden eingab, den schickte die Blechstimme am Ortseingang mit einem „nächste Straße rechts abbiegen“ durch das Wohngebiet.
Eher albern wirkten die Versuche der Polizei, mit Laserpistole und Radarfalle das Tempo in der Tempo 30–Zone zu drosseln: Damit konnte man nur Auswärtige fangen, und kurzsichtige Leute, die eine weiße Schirmmütze nicht auf 300 Meter Entfernung erkennen.

Geplantes Chaos

Wendemanöver vor dem Pfosten: Erkrather Straße im April 2006 (Foto: Armin Dahl)

Also kam eine alte Idee wieder auf den Tisch: Ein Pfosten sollte rein am Sandbach, erst mal zwei Monate zur Probe. Gesagt getan, die Bauarbeiter rückten an, und ein paar Tage später war es dann soweit: zwei rotweiße Pfosten verhinderten die Durchfahrt – und das Chaos regierte tagelang. Denn in der Eile der seit Monaten angekündigten Sperrung hatte man vergessen, ein paar ordentliche Hinweisschilder aufzustellen.
Und so amüsierten sich die Anwohner der Erkrather Straße über die Verzweifelten, die da vor dem Pfosten wenden mussten. Und manch einer der ganz Eiligen ließ mit grimmiger Miene und quietschenden Reifen den Pfosten und die Erkrather hinter sich.
Die Beschilderung kam mit Verspätung, der Verkehr auf der Hochdahler Straße nahm nicht spürbar zu, und nach ein paar Tagen hatte auch der letzte begriffen, dass die vermeintliche Abkürzung von Hilden über die Untere Bachstraße länger dauerte als der kleine Umweg über die Rewe-Kreuzung. Auch an anderer Stelle, an der es vorher oft kriminell zuging, tat sich Positives. Am Ginsterweg zum Beispiel: Hier war das Chaos an der Handelshof-Ausfahrt und auch an der Ecke Flurstraße deutlich geringer. Und das links abbiegen von der Erkrather- in die Flurstraße hatte ganz aufgehört.

Avanti Dilletanti
Alles prima? Weit gefehlt, denn wer hätte dem SPD-Mann Dürr, Bewohner des Schlehdornweges und Mit-Initiator des Pfostens, den Erfolg gegönnt? Flugs machten ein paar Anwohner der Unteren Bachstraße den Aufstand, die Lokalpresse bekleckerte sich auch nicht mit Ruhm, und die Feldjäger der Waldkaserne – sonst eher bekannt für einen bedächtigen Arbeitsrhythmus – beschwerten sich, dass sie nicht mehr durch die Erkrather Straße blasen konnten, „wenn´s mal brennt„. Und dann, ja dann, dann war da noch die Sache mit der Hochdahler Straße: Bei deren Ausbau hatte die Baufirma STRABAG dermaßen geschludert, dass die Stadtverwaltung die Abnahme der Baustelle verweigerte: Kanaldeckel standen zu hoch, der Rand war unegal und der Teer bröckelte schon nach wenigen Monaten.
Und so rückten die STRABAG-Bauigel erneut mit ihren Teermaschinen an, die Fahrbahndecke musste erneuert werden. Und dazu musste natürlich der Pfosten in der Erkrather wieder raus. Warum? Weil die Dieker Straße als Umleitung für LKW ausfällt, wegen Brücke kaputt, und das schon seit Jahren.
Und schwupps beendete der Technische Beigeordnete, Stadtratsentscheid und Pfosten-Probezeit hin oder her – den ganzen Spuk. Die Pfosten kamen raus, die leeren Pfostenlöcher wurden gleich feste mit Teer verfüllt. Und jetzt dürfen sie wieder rasen, die Anwohner und Abkürzer, und wir warten wieder auf die freundlichen Helfer mit den weißen Mützchen und den Laserpistolen, und auf die Vorstellung und Umsetzung des überfälligen Verkehrskonzeptes. Und dazu gibt’s von dieser Stelle ein freundliches „Mach hin, Knut!“

Nachtrag:
Der Schreiber dieser Zeilen hat momentan drei Kleinkinder im Kindergarten an der Bachstraße und kommt dort mindestens zweimal am Tag vorbei – in der Regel mit dem Auto. Mich persönlich kostet der Pfosten täglich ein paar hundert Meter Autofahrt, die ich gerne aufbringe für ein verkehrsberuhigtes Unterhaan.

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Eulenfalter: Nicht immer nur die Vögel füttern!

Das zeitige Frühjahr ist die Zeit der sogenannten „Kätzchen-Eulen“, das sind in unserer Region eine Handvoll Eulenfalter-Arten die sich Vorfrühling leicht in jedem halbwegs anständigen Garten finden lassen. Die Eulenfalter (lat. Noctuiden) gehören zu den Schmetterlingen, und haben mit den verächtlich „Motten“ genannten Kleinschmetterlingen nichts gemeinsam.

Man braucht eigentlich nur eine Taschenlampe, und wenn es an den März-Abenden richtig dunkel draussen ist, kann es schon losgehen. Abgesucht werden die frischen Schnittstellen der Heckensträucher, hier tritt vor dem Laubaustrieb immer ein wenig Pflanzensaft aus, und den lassen sich die Falter schmecken.
Noch einfacher geht es mit einer Köder-Mischung aus billigem Rotwein, Zucker, Apfelmus oder Banane, die man mit ein wenig Soßenbinder zu einer Pampe verrührt und mit dem Pinsel an Zaunpfosten oder Baumstämme streicht.  Zur Not klappt es auch mit einem in Rotwein oder Bier eingeweichten Küchenkrepp, das an einen Baum gepinnt wir. Hauptsache ein wenig Alkohol ist dabei, der trägt die Duftstoffe in die Landschaft und das lockt die Falter an.
An der „Eulenfütterung“ sammeln sich am Abend oft größere Menge an Faltern, und die Pampe wirkt wochenlang, wenn  sie nicht gerade vom Regen abgewaschen wurde.  Á propos Regen: Leichter Regen macht den Kätzcheneulen rein garnichts aus, im Gegenteil fliegen sie besonders gerne an milden Abenden mit Nieselregen, und lassen sich auch durch Wind nicht abhalten.

Da jetzt die Flugzzeit beginnt, hier mal eine kleine Auswahl der leichter erkennbaren Arten.

Übrigens: wer einmal mit der Taschenlampe blühende Obstbäume abgesucht hat, der weiß: Nachts wimmelt es an manchen Tagen dort geradezu von Eulenfaltern, die ebenso wie Bienen dort nach Nektar suchen. Da sowieso nur jede 50. Apfel- oder Kirschblüte einen Apfel ergeben kann (sonst würde der Baum zusammenbrechen), reicht die Bestäubung durch die Nachtfalter auch in von Honigbienen freien Zonen aus, um eine ordentliche Obsternte zu erreichen.
Nur das Umfeld sollte habwegs stimmen, die Raupen der Kätzcheneulen fressen an Gehölzen wie Weiden, Pappel, Eiche und Schlehe. Und wen das stört der denke mal an die Meisen und andere Gartenvögel, die ihre Brut mit Raupen versorgen müssen. Die Mär von der hohen Bedeutung der Honigbienen als Bestäuber ist wie so vieles in der Nutztier-Landwirtschaft – eben ein Marketing-Märchen.
Bestimmungshilfe für einheimische Nachtfalter gibt es im Internet unter www.lepiforum.de, und auch unter www.naturgucker.de werden Sie geholfen. Vorassetzung ist immer ein halbwegs ordentliches Digitalbild, aber das liefert heutzutage ja jedes Smartphone.

Viel Spaß beim Euenfüttern im Frühling!l

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Zaunbau vor der großen Krötenwanderung – Helfer gesucht!

Auch wenn es derzeit noch nicht so aussieht, aber der nächste Frühling kommt bestimmt und damit auch die Zeit, in der die Kröten wandern. Sie versuchen „ihren“ Teich (in dem sie zur Welt kamen) zu erreichen, um dort abzulaichen. Dazu müssen sie oftmals Straßen überqueren, die ihren Lebensraum durchschneiden. In Haan ist dies insbesondere die Straße „Hahnenfurther Weg“ (K17) am Osterholz und die von den Reitern und Anliegern benutzte Straße zum Reiterhof Hermgesberg.

Dort kommen die Kröten ohne unsere Hilfe nicht aus. Deshalb wird die Wanderung durch einen Krötenschutzzaun abgesichert. Zur täglichen Überwachung dieser Zäune werden Helfer benötigt und gesucht. Falls Sie Interesse daran haben, melden Sie sich bitte bei untenstehender Adresse. Bitte leeren Sie auf keinen Fall selbstständig die Fangeimer ohne Begleitung der AGNU!

Für abendliche Gänge müssen unbedingt pro Person gute länger leuchtende Taschenlampen mitgebracht werden!

Auch für den Aufbau des Krötenzaun brauchen wir Helfer. Wir werden ihn am Sonnabend, dem 4. März 2017 um 14 Uhr am Reiterhof Hermgesberg errichten
(Parken auf dem Wanderparkplatz Osterholz am Hahnenfurther Weg; bitte nicht direkt am Reiterhof!).

Werkzeug, wie Spaten, Gartenschippchen, eventuell Hacken und Arbeitshandschuhe können gerne mitgebracht werden. Sie sollten mit Namen gekennzeichnet werden.
Nach getaner Arbeit gibt es Kuchen und Getränke. Für Rückfragen wenden Sie sich bitte an: Beate Wolfermann, Telefon (0 21 29) 29 81.

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Leere am Futterhäuschen? Wintervögel zählen!

Aktuell melden Vogelbeobachter im ganzen Land, dass in den Gärten auffallend wenige Vögel zu sehen sind.
Auch innerhalb der AGNU wurde vom Ausbleiben häufiger Arten berichtet wie Blaumeise, Kohlmeise und Buchfink, die sich üblicherweise zu dieser Jahreszeit am Futterhäuschen einstellen würden. Eine erste Auswertung von Daten des Beobachtungsportals Naturgucker.de bestätigt, dass bei einigen Vogelarten, die im November aus Gärten gemeldeten Zahlen deutlich unter den November-Zahlen der Vorjahre liegen.
Wir haben bei kompetenten Stellen des NABU und der Vogelschutzwarte in NRW nachgefragt und es gibt verschiedene Vermutungen.
– Die Waldbäume haben in diesem Jahr reichlich Samen entwickelt – eine Snackbar für Eichhörnchen und Vögel, die davon lange knuspern können. In solch einem Mastjahr finden Meisen und Finken viel Futter in den Wäldern und halten sich weniger in Gärten zur Nahrungssuche auf.
– Andererseits könnte ein geringerer Bruterfolg in diesem Jahr bei uns und in den nördlich und östlich gelegenen Herkunftsgebieten unserer Wintergäste zu einer tatsächlich geringeren Zahl von Vögeln in diesem Winter geführt haben.
– Bruterfolge in diesem Frühjahr waren aufgrund nasser und kalter Witterung schlecht. In der Folge ist der Bestand diesjähriger Jungvögel in Herbst und Winter deutlich geringer als sonst.
– Schließlich ist der Zuzug aus Skandinavien und Sibirien möglicherweise auch durch schlechte Wetterbedingungen geringer als sonst.
– Einige Vogelarten wurden durch Seuchen geschwächt. Dennoch – der Amselbestand scheint stabil zu sein.
Den eigenen Garten attraktiv für Vögel zu machen ist zudem nicht schwer: Überlassen Sie „wilde Ecken“ sich selbst, pflanzen Sie einheimische Sträucher und vermeiden Sie – aber wem sagen wir das – „Insektenvertilger“!

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Birkenzeisig, Acanthis flammea. Quelle/Foto: GDFL-Lizenz: Cephas

Übrigens: man kann bei genauem Hinschauen auch in Haan Glück haben: vor einigen Jahren haben wir an einer Futterstelle auf dem katholischen Friedhof einen Trupp Birkenzeisige beobachtet, der gar nicht scheu war. Die Birkenzeisige haben ähnlich wie Bluthänflinge einen gegabelten Schwanz, sind aber an einer dunklen Streifung und einem kürzeren Schwanz zu unterscheiden. Die Weibchen haben bei beiden Arten keine rote Brustfärbung, wie auf dem Foto.

Bundesweite Zählaktion vom 6. bis 8. Januar 2017

Zum siebten Mal rufen NABU und LBV zur bundesweiten „Stunde der Wintervögel“ auf. Neben den „Standvögeln“, die das ganze Jahr über bei uns bleiben, lassen sich zusätzliche Wintergäste beobachten, die aus dem noch kälteren Norden und Osten nach Mitteleuropa ziehen. Nehmen auch Sie sich eine Stunde Zeit und beobachten die Vögel in Garten oder Park. (Genaueres unter: https://www.nabu.de/tiere-und-pflanzen/aktionen-und-projekte/stunde-der-wintervoegel/index.html)

Bei der Aktion 2017 gibt es übrigens folgendes zu gewinnen: Ein hochwertiges Zeiss-Fernglas sowie Ikea-Gutscheine, Bücher, Igelhäuser und Vogelnistkästen, Kosmos-Experimentierkästen, Vogelbücher und Naturstimmen-CDs.

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Erfassung der Großpilzarten der Grube 7

von Karl-Heinz Schmitz

Die Grube 7 ist ein ehemaliger Kalksteinbruch im Haaner Ortsteil Gruiten und seit 1997 als Naturschutzgebiet ausgewiesen. In der Grube 7 wurden beispielsweise schon die Bestände von Pflanzen, Flechten und Moosen erfasst. Die Bestandsaufnahme der vorkommenden Organismen wurde ab Oktober 2014 auf die Großpilze ausgeweitet, seither wurden zu diesem Thema fünf Exkursionen, durchgeführt, vier davon im Herbst/Spätherbst, eine im Frühjahr. Dabei wurden bisher 64 Großpilz-Arten nachgewiesen.

Vorgehensweise

Die meisten Großpilze bilden vergängliche Fruchtkörper, die sich schon nach wenigen Stunden oder Tagen einer Beobachtung entziehen.
Um möglichst das gesamte Artenspektrum zu erfassen, sollten Exkursionen zu jeder Jahreszeit durchgeführt werden. Lediglich niederschlagsarme Zeiträume und Frostperioden brauchen nicht berücksichtigt zu werden. Der Schwerpunkt der Begehungen sollte im Spätsommer bis Spätherbst stattfinden, da durch abnehmende Verdunstungsraten selbst bei geringen Niederschlagsmengen die meisten frischen Fruchtkörper aufzufinden sind.
Die Bestimmung der Fruchtkörper erfolgte, wenn möglich, durch Ansprechen der makroskopischen Merkmale am Fundort. In Zweifelsfällen erfolgte eine anschließende Absicherung mittels gängiger Bestimmungsliteratur. Einige Funde erforderten weitergehende mikroskopische Untersuchungen wie z. B. Sporenabwurfpräparate und Sporenvermessungen.

 Einteilung der Pilze
Stellt man die Frage, was überhaupt ein Pilz ist, so wird die Antwort einige Naturfreunde überraschen. Nicht bei dem was wir sehen handelt es sich um den Pilz, sondern bei dem was im Boden, in Laub- und Nadelstreu, hinter Baumrinde oder im Holz und sonstigen Substraten sitzt; eine Vielzahl dünner, meist weißer Fäden, die man Myzel nennt. Was man oberirdisch sieht, sind lediglich die Fruchtkörper. Pilze besitzen kein Blattgrün (Chlorophyll), mit dem sie Sonnenenergie zur Photosynthese nutzen können, sondern sie verwerten fremde, organische Substanzen.
Nach ihrer Ernährungsweise kann man die Großpilze in drei Gruppen einteilen. Die wohl umfangreichste hierunter bilden die
Zersetzer (Saprophyten). Sie ernähren sich überwiegend von pflanzlichen Substanzen wie Humus, Laub, Totholz, Dung oder sogar Holzkohle.
Mykorrhizapilze (Symbionten) hingegen bilden eine Lebensgemeinschaft mit grünen Pflanzen, meist Bäumen, wobei das Myzel eine Verbindung mit dem Wurzelwerk der ausgewählten Pflanze eingeht und wie ein vergrößertes Wurzelwerk die Nahrungsaufnahme dieser verbessert. Die Pflanze ihrerseits beliefert den Pilz mit den für ihn notwendigen Stoffen.
Schmarotzer (Parasiten) ernähren sich meist von lebenden Pflanzen und machen unter den Großpilzen nur einen kleinen Teil aus. Einige Arten, wie der bekannte Echte Zunderschwamm, wachsen zunächst parasitisch und leben nach dem Absterben des Wirtsbaumes oft noch jahrelang als Saprophyten, bis das Holz vollständig zersetzt ist.

Es folgt eine kleine Auswahl von Pilzen die bisher in der Grube 7 gefunden wurden:

Eine weitere Klassifizierung wird nach folgenden Gruppen vorgenommen:
Schlauchpilze – Ascomycetes
Nichtblätterpilze – Aphyllophorales
Bauchpilze – Gasteromycetes
Sprödblättler – Russulales
Röhrenpilze – Boletales
Blätterpilze – Agaricales
Schleimpilze – Myxomycetes

Fundliste
Es konnten in sämtlichen, vorher aufgezählten Gruppen, Funde verzeichnet werden. Angesichts der anhaltenden Trockenperiode in 2016 konnte die Herbstexkursion erst am 30. Oktober durchgeführt werden. Hierbei konnten dann erneut eine große Anzahl von Pilzen vorgefunden werden, darunter auch wieder einige Neufunde.

Gesamtfundliste 2014-2016
Gattung / Art Deutscher Name
Bovista pusilla Zwergbovist
Clitocybe dealbata Feldtrichterling
Clitocybe fragrans Langstieliger Dufttrichterling
Clitocybe inornata Grauweißer Trichterling
Coprinopsis atramentarius Faltentintling
Coprinopsis spec. Tintling
Coprinus comatus Schopftintling
Cortinarius alboviolaceus Weißvioletter Dickfuß
Cortinarius caninus Rostbrauner Dickfuß
Cortinarius flexipes Geranien-Gürtelfuß
Cortinarius spec. Gürtelfuß
Cortinarius spec. Schleierling
Cortinarius subbalaustinus Zimtblättriger Birkenwasserkopf
Cuphophyllus virgineus Schneeweißer Ellerling
Galerina marginata Gifthäubling
Galerina vittiformis Viersporiger Mooshäubling
Ganoderma applanatum Flacher Lackporling
Gymnopus peronatus Brennender Rübling
Hebeloma crustiliniforme Tongrauer Fälbling
Hebeloma mesophaeum Dunkelscheibiger Fälbling
Hebeloma sinapizans Rettichfälbling
Helvella acetabulum Hochgerippte Becherlorchel
Hygrocybe calciphila Kalkholder Saftling
Hygrocybe conica Schwärzender Saftling
Hygrocybe insipida Gelbrandiger Saftling
Hymenoscyphus spec. Stängelbecherling
Hypholoma fasciculare Grünblättriger Schwefelkopf
Inocybe spec. Risspilz
Kuehneromyces mutabilis Stockschwämmchen
Laccaria tortilis Verbogener Lacktrichterling
Lactarius pubescens Flaumiger Birkenmilchling
Leccinum scabrum Birkenpilz
Lepista nuda Violetter Rötelritterling
Lycogala epidendrum Blutmilchpilz
Lyophyllum decastes Brauner Büschelrasling
Mycena acicula Orangeroter Helmling
Mycena cinerella Aschgrauer Helmling
Mycena diosma Duftender Rettichhelmling
Mycena haematopus Großer Bluthelmling
Myxomycet spec. Schleimpilz
Oudemansiella mucida Beringter Schleimrübling
Oudemansiella radicata var.marginata Braunschneidiger-Wurzelschleimrübling
Panellus stipticus Herber Zwergknäueling
Paxillus involutus Kahler Krempling
Piptoporus betulinus Birkenporling
Plicaturopsis crispa Krauser Adernzähling
Polyporus brumalis Winterporling
Polyporus ciliatus Maiporling
Polyporus melanopus Schwarzfußporling
Polyporus varius Löwengelber Stielporling
Pycnoporus cinnabarinus Zinnoberrote Tramete
Russula parazurea Blaugrüner Reiftäubling
Russula spec. Täubling
Russula vesca Speisetäubling
Stereum subtomentosum Samtiger Schichtpilz
Stropharia aurantiaca Orangeroter Träuschling
Stropharia caerulea Blauer Träuschling
Suillus luteus Butterpilz
Trametes ochracea Zonentramete
Trametes hirsuta Striegelige Tramete
Trametes versicolor Schmetterlingstramete
Tricholoma myomyces Mausgrauer Erdritterling
Typhula filiformis Binsenkeule
Xylaria hypoxilon Geweihförmige Holzkeule
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Vorsicht ist die Mutter der Lachshäppchens

Rechtzeitig vor Weihnachten noch ein kleiner appetitanregender Beitrag aus der Verbraucherschutzecke:  Greenpeace hat Ende November/Anfang Dezember 2016 insgesamt 54 Fischprodukte im  Labor auf Ethoxyquin untersuchen lassen.

Das Resultat: In allen 38 Speisefischen, die aus konventioneller Aquakultur stammen, wurde Ethoxyquin nachgewiesen. Die Fischproben stammen aus deutschen Supermärkten und Biomärkten. Untersucht wurde Tiefkühlfisch sowie geräucherter und frischer Fisch aus Aquakultur, Bio-Aquakultur und Wildfänge.
Bei 32 Proben der Zuchtfische lag die Ethoxyquin-Belastung über dem gesetzlichen Grenzwert für Fleisch, d.h. es wurde Ethoxyquin von über 50 Mikrogramm pro Kilogramm (50 μg/kg) gefunden. Für Fisch gibt es bisher keinen Grenzwert.

Ethoxyquin ist eine Chemikalie, die früher als  Pflanzenschutzmittel verwendet wurde, aber für diesen Zweck EU-weit seit 2011 verboten ist. Ethoxyquin wird jedoch nach wie vor in großen Mengen konventionellem Tierfutter beigemengt, um dieses für den Transport haltbar zu machen. Wer sich über die Chemie des Ethoxyquins informieren will findet hier ein paar basale Informationen.

Die ganze Geschichte ist übrigens nicht neu, die Ethoxyquin-Diskussion gibt es schon lange, der europäische Lebensmittelbehörde EFSA Studien fehlen angeblich Studien zu Langzeitauswirkungen. Da kann man aus Verbraucherschutz-Sicht nur sagen: Vorsicht ist die Mutter der Lachshäppchen, wer die Wahl hat sollte lieber einen Bogen um cyclische Kohlenwasserstoffe machen, auch wenn sie „nur“ zur Konservierung eingesetzt werde. Verbotene Pflanzenschutzmittel haben in Fisch nichts zu suchen, Fische aus konventioneller (auch zertifizierter!) Aquakultur sollte man besser im Regal liegen lassen und Wildfische wählen.

Die komplette Greenpeace-Tabelle zum Anschauen und Ausdrucken vor dem Einkauf des Weihnachtsessens findet sich hier zum Download. Darin finden sich übrigens auch eine ganze Reihe unbelasteter Produkte, auch aus der Rubrik „Gut und günstig“.

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