Vorsicht, keine Schlange!

Das Sommerwetter 2021 hat etwas vom Tropischem Regenwald, der Juni war sehr warm, der Juli bisher schwül und nass, und die Insektenwelt entwickelt sich prächtig, auch an ungewöhnlichen Plätzen.

Vor ein paar Jahren gab es eine Anfrage aus dem neuen Industriegebiet an der Niederbergischen Allee. Eine Blumenwiese sollte es sein, rund um eine seeehr schicke kleine Industriehalle. Verschiedene AGNUrianer halfen bei der Anlage und Beratung, die Eigentümer sind eher keine Gärtner, einerseits sollte es schön bunt sein, dann aber auch ein wenig repräsentativ, und vor allem nicht unordentlich.

Das Ganze entwickelte sich nur mühsam, durch die Dürre verzögerte sich die Keimung der Samen, das Wiesenstück sag ein wenig gerupft aus, jedenfalls nicht so schön wie auf den Bildern der Saatgut-Firma. Der Huflattich wuchs prächtig auf dem nackten Lehm, aber spätestens als er seine seine Samenschirmchen verstreute, da wollte man´s doch lieber etwas aufräumen. Immerhin behielten die Eigentümer die Nerven, und holten nicht den Landschaftsgärtner mit dem Rollrasen. 2020 sah das Stückchen schon ganz schön aus, aber so richtig Schwung kam erst im Regensommer 2021 in die Sache. Die Wiese blühte toll und bunt und es wurden Fotos aus dem Bürofenster geschossen, auf denen man bildfüllend sieht, wie die Hasen in Armeslänge Entfernung in aller Ruhe die Blumen wegmümmeln.

Die Nachtkerze wurde um das Jahr 1620 als Zierpflanze von Amerika nach Europa eingeführt. (Foto: Dahl)

Heute dann die Nachricht; „Was ist das?“ Ein braunes fingerlanges Ungetüm, das bei Beunruhigung wild mit dem Hinterende wedelte, wollte aus der Wiese kommend ausgerechnet in die Büroräume eindringen. Eine Schlange? Natürlich nicht! Das Tierchen wurde in ein Glas gesperrt und in den Schatten gestellt, und der „Experte“ zu Hilfe gerufen.

Nachtkerzenschwärmer entwickeln sich bevorzugt auf jüngeren Brachflächen und und Wiesen, an deren Rändern und Böschungen Weidenröschen und Nachtkerzen blühen und wo nicht alle Vegetation bekämpft wird. Die Falter fliegen im Mai/Juni, legen ihre Eier an die erwähnten Pflanzen, und die erwachsenen, vollgefressenen Raupen suchen sich im Juli einen Verpuppungsplatz. Dabei laufen sie weit herum und geraten dann auch an Stellen, an denen sie eigentlich nichts zu suchen haben.

Und wenn dann solch ein Untier vom Format einen Rostbratwürstchens quer durchs Büro wandert, haben manche Menschen zum ersten Mal Kontakt mit einem Respekt einflößenden Großinsekt. Dabei ist die Raupe völlig harmlos, kann vielleicht mit ihren Augenflecken einen Kleinvogel erschrecken, hat aber weder Stachel noch Beißzangen, und ist zudem streng geschützt! Der Nachtkerzenschwärmer gehört zu den Arten nach Anhang IV der FFH-Richtlinie, die umfasst ingesamt 16 Schmetterlingsarten, die in der Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie gelistet und deshalb nach Bundesnaturschutzgesetz streng geschützt sind.

Das hilft dem Tier natürlich garnichts, wenn es in ein Bürogebäude gelaufen ist! Und deshalb wurde die Raupe „gerettet“, darf sich jetzt in einer Kiste mit Erde und Sägespänen verpuppen, und im nächsten Jahr als Falter die Umgebung erkunden. Vorher gab es aber noch einen ordentlichen Fototermin mit der stolzen Besitzerin der Raupe, auch wenn die „Schlange“ partout nicht auf die bloße Hand gesetzt werden durfte.

Leicht skeptisch: „Raupenmutter“ Claudi Ha (Foto: Dahl)
Macht einen auf Schlange: Die Raupe des Nachtkerzenschwärmers hat täuschend echte Scheinaugen. (Foto: Dahl)

An der Niederbergischen Allee entwickeln sich auf den frisch bebauten Grundstücken – wenn sie entsprechend angelegt und gepflegt werden – blütenreiche und damit insektenfreundliche Flächen mit zahlreichen seltenen Arten. Was den besagten Nachtkerzenschwärmer betrifft, so sollten die vorhandenen Bestände der Weidenröschen oder Nachtkerzen über den Sommer zumindest teilweise bestehen bleiben, um den Raupen eine vollständige Entwicklung zu ermöglichen.

Der Nachtkerzenschwärmer fliegt in der Dämmerung. Sitzt er in der Vegetation, ist er perfekt getarnt und kaum zu entdecken (Niederbergische Allee, 19. Juni 2020, Foto: Dahl)

Einsaat mit Regionalsaatgut, Streifenmahd mit Refugien z.B für die Insekten und Hasen, Erhaltung des Blütenangebots über einen möglichst langen Zeitraum, kein Dünger und vor allem kein Mulchmäher: Mit ein paar wenigen Kniffen kann praktisch jeder Grundstücksbesitzer seine Flächen in ein kleines oder großes Insektenparadies verwandeln. Eine ganz gute Vorlage bietet dazu die Broschüre des Landesamts für Naturschutz „Blühende Vielfalt am Wegesrand – Lanuv NRW – Land NRW“, die man umsonst beim Land NRW bestellen kann. Ein wenig Artenkenntnis bei den Pflanzen schadet dabei nichts, sonst hat man am Ende doch versehentlich die falschen Pflanzen abgesäbelt.

Bunt UND insektenfreundlich UND ordentlich aufgeräumt geht aber nicht immer zusammen. Eine lebendige Wiese ändert im Jahresverlauf ihr Gesicht, und ist für Freunde des Kurzrasens ein Graus. Umgekehrt ist der wöchentlich gemähte Rasen für Insektenkundler ein Schandfleck. Hier muss sich jede(r) entscheiden, wo die Reise hingehen soll!

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Artenvielfalt kommt auf sechs Beinen daher

Am 22. Mai war Internationaler Tag der biologischen Vielfalt. Der Gedenktag erinnert an den 22. Mai 1992, an dem der Text des Übereinkommens über die biologische Vielfalt von den Vereinten Nationen offiziell angenommen wurde. Das Übereinkommen über die biologische Vielfalt (CBD) ist wohl das wichtigste internationale Abkommen im Bereich Naturschutz und nachhaltige Nutzung der natürlichen Ressourcen. Der Tag geht seit fast dreißig Jahren an den den meisten Naturschutzorganisationen spurlos vorbei. Die Praktiker feiern Mitte Juni, wenn es auch was zu sehen gibt.

Mehr als 450 Arten sind mittlerweile auf der AGNU-Ökowiese gefunden worden. (Bild: observation.org)

Mitte Mai ist als fester Termin bei Naturfreunden, Artenkennern und Fotografen unbeliebt, die Gefahr, dass Veranstaltungen buchstäblich ins Wasser fallen, ist sehr groß. Hier hält man sich lieber an etablierte Termine wie den GEO-Tag der Natur (2. Wochenende im Juni) oder startet es gleich als neumodischen „Bioblitz“ bei stabiler Wetterlage. Jedenfalls ist um Mitte Juni herum die Phase, in der man in der freien Natur die meisten Arten finden kann, und die artenreichsten Tiergruppen finden sich bei den Insekten. Zu den „Big Five“ der artenreichsten Organismengruppen zählen Käfer, Fliegen und Mücken, Hautflügler, Schmetterlinge und die Schnabelkerfe (Wanzen und Zikaden).

Wie siehts in der Region aus?

Das Insektensterben ist in aller Munde, und auch im Rheinland und im Bergischen rund um Haan wird fleißig gestorben. Landwirtschaft die ihren Namen nicht verdient, Flächenverbrauch für Verkehr und Bebauung, falsche Pflege und sinnlose Zerstörung der Restbiotope, die Liste der Gründe ist lang, die Artenlisten im Gebiet entsprechend kurz. Wer sich dafür interessiert, der kann sich das für die einzelnen Biotoptypen genauer anschauen, die Region ist ziemlich gut untersucht und die Datenlage reicht mehr als 160 Jahre zurück.

In den vergangenen Jahrzehnten haben wir viele Arten in der Region verloren, besonders im Offenland, in den Wäldern sieht es viel besser aus. Der Klimawandel bringt uns gleichzeitig neue oder lange verschollene Tierarten zurück, zum Beispiel den Eichenprozessionsspinner. Die Globalisierung spendet auch immer wieder Formen, auf die man gerne verzichten würde. Als Beispiel sei hier der Buchsbaumzünsler genannt.

Naturschutz im Ballungsraum

Die AGNU Haan e.V. betreut und entwickelt seit Jahrzehnten etliche Flächen auf Haaner Gebiet, unter anderen die ehemaligen Steinbrüche Grube 7 und Grube 10. Die Mitglieder organisieren Streuobstwiesen- und Kopfweidenpflege, betreuen zahllose Nisthilfen, führen Exkursionen durch, sammeln Müll und engagieren sich darüber hinaus in zahlreiche naturwissenschaftlichen Vereinen wie dem Naturwiss. Verein Wuppertal. Als sogenannte „Träger öffentlicher Belange“ nimmt der Verein zudem Stellung zu vielen Planungsvorhaben und versucht damit der weiteren Umweltzerstörung, dem massiven Flächenverbrauch, dem Klimawandel und Artensterben die Stirn zu bieten.

An dieser Stelle wollen wir diese Frage mal umkehren und fragen, was OHNE den Einsatz der AGNU-Mitglieder auf Haaner Gemarkung an erlebbarer Landschaft, Artenvielfalt und Lebensraum für Tiere und Pflanzen noch übrig wäre. Im Durchschnitt gehen in Nordrhein-Westfalen noch immer mehr als 10 Hektar Freiraum durch neue Wohn- und Gewerbegebiete, Straßenbau, Tagebau, Kies-Abbau und andere Abgrabungen unwiederbringlich verloren. Tag für Tag! Und nach vielen Jahren unter SPD-Regierungen machen es Schwarze und Gelbe nicht besser: Mit der Streichung des Fünf-Hektar-Zieles aus dem Landesentwicklungsplan haben CDU und FDP 2019 auch die Aussicht auf Besserung beerdigt.

Der Kreis Mettmann ist mit 485.000 Einwohnern auf gut 400 Quadratkilometern Kreisfläche der Landkreis mit der höchsten Bevölkerungsdichte in Deutschland. Überall im Außenbereich wimmelt es von Spaziergängern und Joggern, Pferden und Reitern, Mountainbikern, Hundespaziergängern samt Hinterlassenschaften. Für den Naturschutz bleibt nur Restflächenverwaltung, da hilft auch kein Neanderlandsteig (der übrigens auffallend oft an den von der AGNU gepflegten Gebieten entlang führt).

Bringt das denn was?

Am Beispiel der „Ökowiese Kriekhausen“ möchte ich an dieser Stelle einmal etwas tiefer einsteigen. Zur Erinnerung: Der Stadtrat von Haan hat im Jahr 2007 beschlossen, eine etwa 13 Hektar große Fläche zwischen Gruiten und der A46 zu „entwickeln“, wie das so schön heißt. Die Planung stammte noch aus den 90er Jahren. Heute stehen dort, wo früher Kiebitz und Schafstelze brüteten, einige mehr oder weniger hübsche Industriehallen.

Die AGNU hat 2018 die Pacht einer ehemaligen Ackerfläche übernommen, als sogenannte „Ausgleichsfläche“ für den 2. Bauabschnitt des Industriegebiets, das einmal,  vermarktungsförderlich, „Technologiepark Champagne 2“ heißen sollte. Die Stadt als Planungsträger half bei der Einsaat, sicherte das Gelände mit einem Zaun gegen ungebetene Besucher, 2018, 2019 und 2020 gabe es durch die trockenen Frühjahrsmonate reichlich Insekten, dafür um so weniger Heu-Ertrag.

Die Fläche liegt zwischen Industriegebiet und Autobahn, nachts strahlen die Flutlichter des Industriegebiets, es gibt massig Lärm, Müll und – überraschend hohe Artenvielfalt.

Woher wir das wissen? Seit Beginn der Einsaat versuchen wir den Zustand der Ökowiese Kriekhausen zu erfassen und dokumentieren, unterstützt von Botanikern der Biostationen und des Bochumer Botanischen Vereins. Schon bei der Einsaat wurde auf sogenanntes „Regional-Saatgut“ geachtet, wer Details dazu wissen möchte, der findet sie auf den Seiten von Rieger-Hofmann, dem größten Anbieter von zertifiziertem Wildsaatgut.

Von Acker-Witwenblume bis Wilde Möhre waren so schon mal mehr als 30 Gefäßpflanzen-Arten im Saatgut enthalten, hinzu kamen zahlreiche Ackerwildkräuter, die der Glyphosatspritze der Vornutzer entgangen waren. Der Acker-Schachtelhalm beispielsweise und viele andere „Unkräuter“ waren schon in der Fläche zu finden, Arten wie der Zottige Klappertopf wurde zusätzlich eingebracht, das Saatgut stammt aus Dormagen. Momentan sind auf der Gesamtfläche mehr als 130 Pflanzenarten kartiert worden, besonders spektakulär ist der Blütenaspekt der Margeriten, der sich sogar auf Satellitenbildern durch die weiße Farbe hervorhebt.

Insgesamt erfüllte die Fläche praktisch aus dem Stand heraus die Kriterien des Landesamts für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz Nordrhein-Westfalen (LANUV) für hochwertiges Grünland. Das ist allerdings keine große Kunst, man kauft es sich praktisch mit der Samenmischung. Die Kartieranleitungen des LANUV sind im übrigen ein hüscher Hokuspokus, und nur etwas für hartgesottene, man muss Lizenzgebühren zahlen um die überkomplexe Software installieren zu dürfen, und die dahinter liegende Datenbank ist nicht öffentlich zugänglich.

Digitales Notizbuch

Das alles geht einen ehrenamtlich tätigen Verein nichts an, und so haben wir uns nach einer Möglichkeit umgeschaut, die Entwicklung der Fläche und Erfolgskontrolle der Maßnahmen transparent und frei zugänglich zu dokumentieren. Die Antwort lautet: observation.org. Die Webseite mit dahinter liegender Datenbank bietet Laien und Profis fast alle Möglichkeiten, ihre Beobachtungen und Fotos zusammen mit den Verbreitungsdaten zu einem Digitalen Notizbuch zusammenzustellen. Zugehörige Handy-Apps bieten Bestimmungshilfe, Schulungs-Videos, professionelle Betreuung der Tier- und Pflanzengruppen durch ein Expertenteam .- und alles umsonst!

Ökowiese Kriekhausen: Entwicklung der bei observation.org registrierten Artenzahlen

Wie man aus der Grafik oben ersehen kann sind mittlerweile mehr als 450 Arten auf dem Gelände der Ökowiese dokumentiert worden, sehr viele davon mit Fotos. Man sieht die Artenzahlen über die vergangenen Jahre wie in Treppenstufen ansteigen, im Sommerhalbjahr steigen die Zahlen rasch, im Winterhalbjahr kommt oft monatelang nichts neues dazu. Die Hauptverdächtigen AGNU-Mitglieder, die diese Beobachtungen zuliefern, sind Sigrid und Joop van de Sande, Uwe Raabe, Dick Schakel und der Autor dieser Zeilen. Hinzu kamen ein paar Profi-Botaniker vom Bochumer Verein und Mitarbeiter von verschiedenen Biostationen.

Fuchs, Hase, Dachs, Reh, ein paar Mäusearten, bei den Säugetieren kommt man nicht auf große Zahlen, es sind nur etwa 80 Arten in NRW nachgewiesen, inclusive der Fledermäuse. Was in der Wiese irgendwie fehlt sind Allerweltsarten wie der Maulwurf, der einfach den Weg noch nicht gefunden hat. 37 Vogelarten machen den Kohl auch nicht fett, bemerkenswert führen Turmfalke, Mäusebussard und Graureiher die Liste der Beobachtungen auf der Ausgleichsfläche an, die leben gut von den bereits erwähnten Mäusen. Auf dem Zug ist das Braunkehlchen regelmäßig zu sehen, nutzt die Fläche für ein paar Tage. Eine einsame Feldlerche brütet im dritten Jahr hintereinander am Rand unserer Fläche, wahrscheinlich sind auf Haaner Gebiet weniger als fünf Brutpaare übrig, eine Schande der besonderen Art. Kiebitz und Schafstelze haben wie erwartet den Abgang gemacht, der „Ausgleich“ muss auf andere Weise erfolgen, das lässt sich nicht schönreden.

Knapp 40 Arten nachgewiesene Fliegen, die meisten davon Schwebfliegen: Hier zeigt sich die Tücke der Objekte. Fliegen zu bestimmen ist nicht gerade einfach, es gibt tausende von Arten, und kaum jemand kennt sich aus damit. Das betrifft auch das gute Dutzend nachgewiesenen Käferarten, hier haben wir die Oberfläche der Artenvielfalt erst angekratzt. Auf die 29 Tagfalterarten, die in Kriekhausen nachgewiesen wurden, können wir schon ein wenig stolz sein! Mehr geht im Kreis Mettmann kaum. Aber Glück war auch dabei, der Schwalbenschwanz zum Beispiel vermehrte sich in den trockenen Jahren 2018-2020 ganz prächtig und wurde vielfach fotografiert. Die Tagaktiven Insekten nutzen das gigantische Blütenangebot der Wiese, und sei es auch nur auf der Durchreise, wie zum Beispiel beim Distelfalter, der riesige Entferungen zurücklegen kann.

Etwas besser sieht es bei den Nachtfaltern aus, das ist mein Spezialgebiet, und auch da ist über die Jahre mit dem drei- bis vierfachen der bisher nachgewiesenen 140 Arten zu rechnen. Die meisten Nachtschmetterklinge („Motten“) kartiert man mittels Lichtfang, undwir haben erst ein paar wenige Abende genutzt um das Spektrum an Arten zu erfassen. Immerhin gelangen dabei ein paar bemerkenswerte Nachweise, zum Beispiel vom Nachtkerzenschwärmer oder der Gelben Leimkrauteule, von der es erst drei Nachweise aus NRW gibt. Zwei davon stammen aus dem üppig blühenden Randstreifen entlang der „Ökowiese“.

Vermehrt sich im Randstreifen entlang der Niederbergischen Allee: Gelbe Leimkrauteule Conisanio luteago. 20. Juni 2020 (Foto: Dahl)

Insgesamt muss man damit rechnen dass die Artenvielfalt weiter zunimmt, jedenfalls wenn wir die Fläche weiter so behandeln wie geplant: Später und hoher Wiesenschnitt inklusive Refugialflächen und Altgrasstreifen, keine Düngung, kein Walzen und Schleppen, großzügige jährlich wechselnde Brachstreifen rundum. Und natürlich reichlich Beobachtungszeit und Dokumentation.

Aus vielen Organismengruppen haben wir noch keinerlei Daten, die Pilze zum Beispiel versprechen noch eine lange Artenliste, wenn sich mal ein Spezialist der Sache annimmt. Eine wenig beachtete Gemeinschaft von Land-Gehäuseschnecken sind typische Wiesenbewohner, aber diese Arten müssen wir wohl künstlich einbringen, die kommen nicht so leicht über die A46 ins Gebiet wie die Fluginsekten. Nicht alles vom Saatgut ist aufgegangen, und einige Arten müssen wir wohl in Töpfen vorziehen und auspflanzen. Und alles soll nach Möglichkeit aus der Region kommen, ohne Faunen- und Florenverfälschung, mit genetisch an die hiesigen Bedingungen angepasstem Saatgut. Aber woher nehmen und nicht stehlen? Wer hier eine Idee hat oder mit Mahdgut aus der Region helfen kann, oder „nur“ eine Spende in die AGNU-Kasse leistet: Wir sagen Danke und bleiben dran!

Wir sehen uns dann!

Der Sommer 2021 hat sich Zeit gelassen, aber jetzt ist er da! Am kommenden Sonntag (13.6.2021) geben wir bei der 2. Haaner Wiesenlust Gelegenheit, sich die Wiese am Rande von Gruiten aus der Nähe anzuschauen. Zum Abschluss noch ein paar Bilder von Schmetterlingen, die seit Anfang Juni 2021 auf der Ökowiese in Kriekhausen festgestellt wurden. Mit dem Handy abgelichtet, oder wie das heute heißt: out of cam, zum Durchklicken. Es muss ja nicht immer gleich ein Korallenriff sein, die Farben- und Formenvielfalt der einheimischen Arten ist ebenfalls phantastisch!

Literatur und Links:

Tim Laussmann, Armin Dahl & Armin Radtke (2021: Lost and found: 160 years of Lepidoptera observations in Wuppertal (Germany). Journal of Insect Conservation 25: 273–285

Dahl, Armin & G. Swoboda (2020): Ein Nachweis der Braungelben Leimkrauteule Luteohadena luteago (Denis & Schiffermüller, 1775) im Bergischen Land. Melanargia 32 (3): 150-154

Observation.org – die größte Naturbeobachtungsplattform Europas. Ihr digitales Notizbuch!

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2. Haaner Wiesenlust, Sonntag, 13. Juni 2021

Die AGNU-Wiesen an der Niederbergischen Allee in Gruiten dürfen normalerweise nicht betreten werden. Einmal im Jahr öffnen wir jedoch die Pforten zur Wildblumenwiese!

Wann: am kommenden Sonntag, 13. Juni 2021 von 10-13 Uhr

Wo: an der Niederbergischen Allee in Haan-Gruiten

Jeder ist herzlich eingeladen, sich einen Strauß Blumen zu pflücken und den Zauber einer kleinen Oase für Mensch, Tier und Pflanzen zu genießen. Wer sich so eine Wildblumenwiese nach Hause holen möchte, wird gerne von uns beraten.

ÖPNV: Bus Linie 742, Nächste Haltestelle ist Millrather Straße / Hochstraße

Der Zugang zur Oase ist in Gruiten an der Niederbergische Allee in Höhe des Kreisverkehrs.

Parken kann man am Rand der Niederbergischen Allee östlich von Kriekhausen.

Besucher werden gebeten, zu Fuß oder mit dem Rad zu kommen!

Es gelten die üblichen Regeln des Kreises Mettmann zum Schutz vor der Corona-Pandemie.




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Vom Rasen zur Wildblumen-Oase

Vielleicht haben Sie es die letzten Sommer auch so erlebt. Man sprengt seinen Rasen währen der Hitzeperiode fast täglich, und trotzdem sieht er nach einigen Wochen ziemlich mitgenommen aus. Der Grund: Die Grassorten in den gängigen Regelsaatmischungen sind abhängig von viel Dünger und viel Wasser.

Nur so sind die Gräser in der Lage, alle anderen Pflanzen zu verdrängen. Man sieht jetzt nach einigen Hitzesommern immer mehr Rasenflächen, in denen diese Gräser gelitten haben. Vor allem bei älteren Rasen ergeben sich dann Lücken, die bald von ersten Pionieren wie Schafgarbe, Gänseblümchen, Vogelmiere oder Behaartem Schaumkraut genützt werden.

Behaartes Schaumkraut (Cardamine hirsuta): Gutes Bienenfutter im Frühling. (Foto: Dahl)

Das freut vor allem unsere Wildbienen. Die letzten drei Arten sind Frühblüher und blühen schon, wenn die ersten Wildbienen schlüpfen. Den Rasen neu einzusäen ist aufwendig und nicht nötig. Man kann diese Entwicklung zu einem farbenfrohen Blumenrasen auch unterstützen.

Das Gute ist: Für unsere einheimische Natur sind diese klimatischen Herausforderungen nichts Neues – sie hat dies über die Jahrtausende öfters erlebt und „gelernt“, damit umzugehen. Gebietsheimisches Saatgut – wie vom Verband deutscher Wildsamen- und Wildpflanzenproduzenten (VWW) zertifiziert – hat deswegen wesentlich bessere Voraussetzungen. Dieses enthält nur Arten, die sich in unserer Region an die unterschiedlichsten klimatischen Bedingungen angepasst haben.

Aussaat in Rasenlöcher (Foto: agnukiebitz)

Ein plattgemachter Maulwurfshügel ist eine gute Aussaatstelle. Auch eine kahle Stelle im Rasen. Oder Sie stechen ganz einfach ein Stück Rasen – z.B. 30 x 30 cm – aus und füllen es mit etwas Mutterboden auf. Oben auf ein feinkrümeliges Saatbeet säen Sie dies recht dicht (40 bis 50 Samen) mit einer Art von Wildblüten ein – jedoch keiner Samenmischung. Der Grund: die Konkurrenz innerhalb der eigenen Art ist deutlich geringer als die mit anderen Arten. So sind dann genügend Jungpflanzen da, die sich gegenseitig vor herandrängendem Graswuchs schützen können. Festklopfen des Bodens nicht vergessen: Blumensamen brauchen Bodenschluss, jedes Samenkorn sollte dicht von Erde umgeben sein. Die ersten 8 Wochen nicht austrocknen lassen!

Der Blumenrasen kann 8-15-mal jährlich nach Bedarf gemäht werden. Wenn die Fläche nur dreimal gemäht wird, entwickelt sie sich zur Blumenwiese – auch eine schöne Möglichkeit.

Abschnittsweise mähen, Mahdgut abräumen!

Margerite mit Brauner Tageule (Euclidia glyphica). Foto: agnukiebitz

Schön für die Insekten ist es, wenn nur Teilbereiche der Blumenrasen gemäht werden, die nicht gemähten Flächen dann beim nächsten oder übernächsten Mal. So sind immer blühende Blumen vorhanden und kann jedes Mal eine neu geformte Blumeninsel entstehen. Das Mahdgut sollten Sie von der Fläche abräumen, so können Sie den Boden abmagern, was wiederum den Wildblumen gefällt. Bitte nicht kürzer als 8 cm mähen, um die bereits aufgelaufenen Wildblumen nicht zu beschädigen.

Die AG Natur und Umwelt e.V. Haan (AGNU) bietet wieder wie im vergangenen Jahr ein kostenloses Saatgut-Set von zertifiziertem regionalem Saatgut von einheimischen Wildpflanzen an, die sich in einem Blumenrasen wohl fühlen. Die Zusammenstellung ist nicht dieselbe wie im Vorjahr, so dass man sie auch als „Erweiterungsset“ nützen kann.

Eine Art, die neu im Paket ist, ist die Vogelwicke. Wie viele Schmetterlingsblütler ist sie beliebt bei Faltern, aber auch bei einigen auf Pollen von Schmetterlingsblütlern spezialisierten Wildbienen. Vielleicht besucht sogar die in NRW relativ seltene Mai-Langhornbiene Ihre Blumenrasen. Also Augen aufhalten!

Sie können ein Startpaket mit Saatgut von 9 Wiesenwildblumen (Wiesen-Margerite, -Storchschnabel, -Labkraut, Acker-Witwenblume, Kleiner Klappertopf, Moschus-Malve, Wirtgenes Labkraut, Gewöhnliche Schafgarbe und Vogelwicke) per E-Mail kostenlos bestellen: kiebitz-kompakt@AGNU-Haan.de . Wir schicken Ihnen dann ein Startpaket, solange der Vorrat reicht, mit weiteren Infos zu. Wir freuen uns über eine Spende.

Aussaatzeitraum und sonstige Tipps
Günstige Aussaatzeitpunkte sind Februar – Mai oder Ende August – Anfang Oktober (vorzugsweise bei feuchte Witterung). Das Saatgut wird auf das feinkrümelige Saatbeet nur obenauf gesät. Das erforderliche „Anklopfen“ (z.B. mit einer Schaufel) des Saatgutes sorgt für den benötigten Bodenkontakt und eine gleichmäßige Keimung. Bei Aussaat in trockenen Monaten sollte die ersten 8 Wochen jeden zweiten Tag gewässert werden.

Pflege
Gräser weiterhin kurz halten, bis die neu ausgesäten Stauden Rosetten gebildet haben. Anfang Mai des Folgejahres nochmals einen Pflegeschnitt durchführen. Erst jetzt wachsen und blühen lassen. Die Schnitthäufigket in den folgenden Jahren richtet sich nach Standort und gewünschten Pflanzenbestand. Eine Düngung sollte unterlassen werden. Je magerer der Boden, umso blütenreicher entwickeln sich die Wildblumen.

Autor: Joop van de Sande


Ihre Spende

Spendenkonto der AGNU bei der Stadtsparkasse Haan:
IBAN DE37 3035 1220 0000 2210 85
BIC WELADED1HAA

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Frühlingsspaß für Klein und Groß im Hasenhaus

Unbeaufsichtigt mit dem Fahrrad herumtoben. Sich mal wieder so richtig in den Dreck legen! Oder einfach nur ein bisschen in der Sonne abhängen und den ersten Tag der Osterferien genießen: Die Jungs von Hasenhaus in Gruiten haben vor der Haustür eine kleine Oase, die BMX-Bahn.

Aber auch die Insektenfreunde kommen auf ihre Kosten, wie wir feststellen konnten. Die Jungs aus dem angrenzenden Quartier schaffen mit ihren Rädern immer wieder offene Bodenstellen, die sich rascher als die Umgebung erwärmen. Auf den Lehmhügeln der „Rennstrecke“, mit zahlreichen Sprungschanzen, kahlen Böschungen, umgeben von blühenden Weidenbüschen, gefällt es auch vielen Wärme liebenden Krabbeltieren.

Wildbienen, die im Boden ihre Nester anlegen, aber auch bunte Sandlaufkäfer und Fliegen sitzen an den sonnig-warmen Hängen, der Huflattich blüht und die Weidenkätzchen bieten reichlich Pollen und Nektar. Das Gelände ist überraschend artenreich, was an der ständigen Umgestaltung durch die Kids und den vielen Rohbodenstellen liegt. Und selbst auf dem Spielplatz nebenan nisten im lockeren Sand solitäre Bienenarten, und lassen sich vom ständigen Gebuddel nicht stören.

Hier nur rasch ein paar Bilder aus der kleinen BMX-Bahn hinter dem Neubaugebiet Hasenhaus, die sich zu einem schönen Platz für Wildbienen und andere Insekten entwickelt hat.

Natur in der Stadt bedeutet nicht immer nur gepflegte Parks und Einsaat von Wildblumenwiesen. Auf der BMX-Bahn findet man die für Neubaugebiete ypische Mischung aus Sandhaufen, Fahrspuren, alles wunderschön voll besonnt und daher so attraktiv für die Kerbtiere. Hoffentlich bleibt das Gelände noch lange in diesem Zustand, auch wenn die Kinder im Hasenhaus aus der BMX-Phase herauswachsen.

Alle abgebildeten Tiere sind übrigens völlig harmlos und stechen nicht mal das kleinste Kleinkind. Und vielen Dank auch an die jungen Herrschaften, die eine Weile um die merkwürdigen, mit Kameras auf dem Boden herumkriechenden Leute herumkurven mussten!

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Wo sich Fuchs und Hase Gute Nacht sagen

Die Haaner AGNU-Ökowiese mit ihrer artenreichen Vegetation ist nicht nur für Insekten ein kleines Paradies. Auch im Winter ist dort am Technopark immer noch einiges los, jetzt sind es vor allem die nachtaktiven Beutegreifer, die sich dort für die Feldmäuse interessieren.

Vier Tage und Nächte stand die Wildkamera gut getarnt in der Vegetation, das Ergebnis: Eine kleine Fotosafari. Hier mal nur eine kurze Bildergalerie, geschossen mit einer Wildkamera, die man heute für kleines Geld erwerben kann. Als Neujahrsgruß an alle die sich für die AGNU-Ökowiese zwischen Stropmütze, der Niederbergischen Allee und der Autobahn A46 eingesetzt haben.

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Schuhe putzen für den Feuersalamander

Feuersalamander, Haan, Grube 10. (Foto: Dahl)

Saubere Schuhe schützen Salamander: Der Feuersalamander (Salamandra salamandra) ist durch die Salamanderpest bedroht. 2013 wurde der Hautpilz Batrachochytrium salamandrivorans (kurz: Bsal) an toten Feuersalamandern in den Niederlanden und Belgien entdeckt. Inzwischen ist er auch in Deutschland angekommen. Während beim Feuersalamander die Infektion fast immer tödlich endet, können Molche erkranken, sterben aber nicht zwangsläufig.

Der Feuersalamander ist in Deutschland noch weit verbreitet, doch wegen seiner versteckten nachtaktiven Lebensweise ist er vielen noch nie begegnet. Deutschland hat für den schwarz-gelben Lurch eine hohe nationale Verantwortlichkeit, da ein großer Teil der weltweiten Population dieser Art hier vorkommt.

2018 ist ein Forschungs- und Entwicklungsvorhaben gestartet, um die tatsächliche Ausbreitung von Bsal in Deutschland und die Entwicklung infizierter Salamander- und Molchbestände zu erforschen. Außerdem werden Maßnahmen erarbeitet, um eine weitere Verbreitung des Erregers in wildlebenden Beständen von Amphibien zu verhindern.

Ziel des FuE-Projektes ist es, zu bestimmen wie, wo und in welcher Geschwindigkeit sich Bsal bei Feuersalamandern im Freiland ausbreitet, um eine erste Gefährdungsbeurteilung heimischer Feuersalamander-Populationen und weiterer betroffener Amphibienarten abgeben zu können. Zudem sollen Maßnahmen erarbeitet werden, um eine weitere Verbreitung des Erregers in wildlebenden Beständen von Amphibien zu verhindern.

Das Projekt appelliert dabei auch an Bürgerinnen und Bürger. Mit sauberen Schuhen können alle, die gern in der Natur unterwegs sind, einen Beitrag zur Verhinderung der Übertragung von Bsal leisten: Denn Menschen könnten den Pilz beim Waldspaziergang, Wandern oder Radfahren im Gelände unbewusst verbreiten. Die Sporen des Pilzes haften auch an Schuhen und Reifen und können so in andere Gebiete weitergetragen werden. Alle sollten ihre Schuhe und Reifen nach dem Ausflug daher gut durchtrocknen lassen, die Schuhe und Schuhsohlen mehrere Stunden UV-Licht (z.B. direkte Sonne) aussetzen oder desinfizieren.

Nach dem Aufsuchen von Amphibienlebensräumen sollte man vor einem Ortswechsel sein Schuhwerk und alle Gegenstände, die mit Wasser oder feuchtem Bodengrund in Berührung gekommen sind, säubern und desinfizieren. Dies gilt ganz besonders für Personen, die sich speziell mit Amphibien beschäftigen und mehrere Standorte direkt hintereinander aufsuchen.

Mehr zum Projekt und Hinweise zur Schuhhygiene: http://www.bfn.de/…/spezifische-gefaehrdungsursachen/bsal

Ungeklärte Totfunde von Feuersalamandern und Molchen oder gar Massensterben sollten fotografiert und sofort der Koordinatorin und dem Koordinator des FuE-Projektes gemeldet werden:

Kathleen Preißler: Universität Leipzig kathleen.preissler[ätt]uni-leipzig.de

Philipp Böning: Universität Trier boenig[ätt]uni-trier.de

 

Text: Bundesamt für Naturschutz

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Mitmachen im Nistkasten-Team der AGNU!

Sie sind gerne an der frischen Luft und möchten etwas Sinnvolles für die Natur tun? Als Einzelperson oder mit der ganzen Familie und das gerne zusammen mit anderen Gleichgesinnten? Dann sind Sie richtig beim Nistkasten-Team der AGNU.

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Foto: Uwe Rabe

Das Aufhängen von Nistkästen ist eine bekannte und beliebte Möglichkeit, der Natur zu helfen, auch wir von der AGNU sind hier aktiv. Vögel beim Nestbau und bei der Fütterung ihrer Jungen zu beobachten bietet gerade Kindern einen einfachen Einstieg in den Naturschutz, mit Erfolgsgarantie sozusagen, da sich nach dem Aufhängen des Nistkastens in der Regel schnell ein Erfolgserlebnis einstellt.

Die Natur und unsere Kulturlandschaft haben in den vergangenen Jahrzehnten stark an Struktur verloren. Altholz und Höhlenbäume werden weniger und es wird für höhlen-brütende Vögel zunehmend schwieriger, geeignete natürliche Nisthöhlen zu finden, die ihnen Schutz bieten und in denen sie ihre Jungen aufziehen können.
In unseren Siedlungen und Städten machen wir unsere Häuser „dicht“, es fehlt gegenüber früheren Zeiten an Brutnischen und Einschlupflöchern. Gebäudebrütende Vogelarten und Fledermäuse brauchen unsere Unterstützung, hier kann jeder in seinem direkten Wohnumfeld etwas tun.

Eins ist aber auch klar: Allein mit dem Aufhängen von Nisthilfen ist es nicht getan, Lebensraum und Nahrungsangebot müssen ebenfalls stimmen und gerade hier zeigen sich die noch größeren Defizite. Bei der AGNU setzen wir uns für beides ein!

Mitmachen!
Über 400 Nistkästen aller Art betreut die AGNU zwischen Ittertal und Grube 7, Spörkelnbruch und Champagne, Hühnerbachtal und Düsseltal. Und das schon seit vielen Jahren, sicherlich auch in der Nähe Ihres Zuhauses.

Über 400 Nistkästen aller Art betreut die AGNU in der Region. Bild: Uwe Rabe

Viel zu tun, daher begeben sich die Nistkasten-Teams der AGNU jedes Jahr zwischen Oktober und Februar in den insgesamt 15 Gebieten in Haan und Gruiten an ihre Arbeit. Dann heißt es: Leiter rauf, Leiter runter, kontrollieren, kartieren, reinigen, reparieren, einmessen, neue Nistkästen aufhängen, alte Kästen abnehmen, die dann in unserer bewährten Gruitener Recycling-Werkstatt wieder fit gemacht werden.
Wir möchten jeden herzlich dazu einladen mitzumachen. Wir finden für jeden, vom Kind bis zum Pensionär, die passende Aufgabe! Versprochen!

Zum AGNU-Kontaktformular

Zusammen haben wir immer viel Spaß bei dieser sinnvollen und interessanten Arbeit an der frischen Luft. Lassen wir unsere Einsatzfotos für sich sprechen…

Naturschutz kostet eine Menge Geld! Unser Einsatz für den Biotopschutz, die Artenvielfalt, das Klima und eine lebenswerte Umwelt wird auch mit Ihrer Hilfe möglich. Die AGNU Haan ist ein eingetragener Verein, Sie können Ihre Spende von der Steuer absetzen. Vielen Dank!

Spendenkonto bei der Stadtsparkasse Haan:
IBAN-Nr. : DE37 3035 1220 0000 2210 85

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Vorgezogene Weihnachten – Aufwind für die Pflege!

Es gibt zahllose kleine Flächen die man mit entsprechendem Gerät in Schuß halten könnte. Dank großzügiger Spenden sind wir da jetzt ein Stück weiter gekommen.

In Schuß bedeutet blütenreich, nährstoffarm, insektenfreundlich, kleinteilig,  auch mal zu unterschiedlichen Zeiten gemäht, das ganze Programm der Biotoppflege halt. Und mit schonenden Werkzeugen hergestellt, die möglichst wenig Frösche, Heuschrecken und anderes Getier während der Pflege in Stücke säbeln.

Ein Balkenmäher, das ist nach allgemeiner Ansicht das schonendste und gleichzeitig effektivste Gerät für solche Einsätze. Und zwar einer mit dem wir ohne großen Aufwand auch kleine Flächen pflegen können. Handlich, wendig, leicht, so dass er vielleicht sogar hinten in den Kombi passt.

So ein Ding wünsche ich mir schon lange! Leider waren halbwegs professionelle Geräte bisher für das AGNU-Budget deutlich zu teuer. Als ich dann allerdings die Fotos der BUND-Gruppe Bochum zu Gesicht bekam, da gabs kein Halten mehr. Die Bochumer betreuen seit fünf Jahren eine Streuobstwiese in Bochum-Laer, die Gruppe unter professioneller Führung von Corinne Buch und Armin Jagel setzen dort geradezu modellhaft alles um was man so machen kann zum Thema Artenvielfalt. Und sie haben genau das Ding, das mir vorschwebte!

Und wenn man sich wirklich etwas wünscht, dann gehts auf einmal doch! Bei einer der zahlreichen Begehungen unserer „Ökowiese“ in Krickhausen war der Wuppertaler Top-Fotograf und Unternehmer Klaus Tamm mit dabei, und die Wiese zeigte sich von ihrer besten Seite: Es krabbelte und summte überall, und wir sprachen übers Pflegen im allgemeinen und Geräte, Kosten und  was man so machen könnte.

Klaus Tamm war mir schon ein Begriff, im Zimmer meiner Tochter hing lange ein großformatiges Foto von ihm, darauf sind junge Uhus zu sehen, fotografiert in den Steinbrüchen in Wuppertal. Was ich vor dem Treffen nicht wußte: Die Erlöse der Fotos gehen in die Aufwind gemeinnützige GmbH für Natur- und Umweltschutz, und diese wiederum fördert zahlreiche Naturschutzprojekte mit Spendenmitteln. Kurz zusammengefasst: Am Tag nach der Begehung war eine großzügige Aufwind-Spende auf dem AGNU-Konto, die Biologischen Station Haus Bürgel legte auch noch etwas dazu, und ein paar Tage darauf war der Balkenmäher bestellt.

Und dann hieß es warten! Während Hoteliers und Gastronomie Ebbe in den Kassen hatten, waren die Baumärkte leergefegt, Gartengeräte nicht zu haben. Die Kehrseite der Coronakrise im Sommer 2020 waren lange Lieferfristen bei allem, was mit Garten auch nur halbwegs zu tun hatte. Der neue Hornbach-Chef Erich Harsch konnte sein Glück nicht fassen, denn „Pools waren so schnell weg wie andernorts das Toilettenpapier“, und Balkenmäher gabs auch vorerst keine mehr.

Aber dann! Nach mehr als sieben Wochen Lieferfrist lud die Spedition endlich die lang ersehnte Palette ab, und nach ein paar Tagen hatte ich das Ding auch ausgepackt und einsatzfähig zusammengebaut.  Beim dritten Zug am Startseil sprang der verbaute Honda-Motor an und schnurrte friedlich vor sich hin – ein Gefühl wie an Weihnachten!

AGRIA ist ein Hersteller aus dem württembergischen Möckmühl, diese Jungs wissen wie man Mäher und Motorhacken herstellt. Das Unternehmen wurde 1947 gegründet und hat einen erstklassigen Ruf, die Geräte sind professionell und halten bei guter Behandlung ewig.

Und so kann es jetzt losgehen mit Streifenmahd, dem Ausmähen unerwünschter Stauden, dem abschnittsweisen Pflegen von Altgrasstreifen, und was man so macht um die Artenvielfalt im Offenland zu Erhalten.

Lieber Klaus, obwohl es jetzt mit dem Schreiben eine Weile gedauert hat, Deine Aufwind-Spende hilft uns sehr, unsere Ziele umzusetzen! Vielen Dank noch mal!

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12. September: Rhine Clean Up 2020 – Von der Quelle bis zur Mündung

Vermüllte Rheinufer führen zu Mikroplastik im Meer. Foto: Karsten Pleines

Die Biostation Haus Bürgel ruft zum Mitmachen beim internationalen Rhein Clean Up auf, in Kooperation mit den Bürgervereinen Monheim-Baumberg und Düsseldorf-Urdenbach. Über 30.000 Menschen haben in den letzten beiden Jahren am RhineCleanUp teilgenommen!

Wir räumen in Monheimer Rheinbogen, Baumberg und der Urdenbacher Kämpe die Rheinufer auf.

Anmeldung unter https://www.rhinecleanup.org/en/rhinecleanup/baumberg-und-urdenbach-raumen-auf
Ansprechpartner bei der Biostation: Sabrina Bucken, sabrina.bucken@bsdme.de

Treffpunkt Urdenbach: Wanderparkplatz „Piels Loch“, Baumberger Weg, 40593 Düsseldorf (Ansprechpartner: Allgemeiner Bürgerverein Urdenbach e. V.)  >> zur Karte

Treffpunkt Baumberg: Aalschokker, Klappertorstraße 38, 40789 Monheim am Rhein (Ansprechpartner: Baumberger Allgemeiner Bürgerverein e. V.)  >> zur Karte

Treffpunkt Monheimer Rheinbogen: Am Werth 2, 40789 Monheim am Rhein (Ansprechpartnerin Claudia Schmidt)  >> zur Karte

Spontane Helfer sind herzlich willkommen!

Abschluss der Sammelaktion ist auf Haus Bürgel. Bitte unbedingt eigene Handschuhe mitbringen! Zahlreiche weitere Cleanup-Aktionen im Raum Düsseldorf und die Karte aller Aktionen findet Ihr unter rhinecleanup.org/

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